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Hochwertig gearbeiteter Schmuck ist ihre Leidenschaft (v. l.): Guido Krutscher, Marlies Beierl, Siegfried und Elisabeth Krutscher. 

60 Jahre Hoedemaker 

Goldschmied aus Leidenschaft

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Das Goldschmiede-Handwerk hat bei Hoedemaker Tradition. Seit 60 Jahren gibt es das Familienunternehmen in Erding.

Erding– Es war 1957, als Ferdinand und Therese Hoedemaker den Schritt in die Selbstständigkeit wagten. Der Goldschmiedemeister aus Duisburg und seine Frau, die aus Traunstein stammt, übernahmen in Erding das kleine Juwelier-Geschäft Sturm & Csallner. Dort kauften damals vor allem die amerikanischen Soldaten ein. 8000 Einwohner lebten zu der Zeit in der Stadt. Es gab den Uhrmacher Sixt und die Firma Widmann, „aber keinen Goldschmied“, wie Elisabeth Krutscher, Tochter des Firmengründers, erzählt.

Das erste Geschäft ihrer Eltern befand sich am Kleinen Platz, doch schon nach kurzer Zeit zogen sie an die Friedrich-Fischer-Straße. Dort hatte die Fischer’s Wohltätigkeitsstiftung gerade einen neuen Gebäudekomplex errichten lassen. Denn der einstige Lex-Bau war im April 1945 beim verheerenden Bombenangriff auf Erding vollkommen zerstört worden. „Wir sind hier Mieter, seit der Bau besteht“, erzählt Elisabeth Krutscher.

Ihr Vater arbeitete Tag und Nacht, um die Goldschmiede voranzubringen. Auch die Mutter half mit. Ferdinand Hoedemakers Steckenpferd waren Neuanfertigungen. „Er hat seine Ideen gerne eingebracht“, sagt Elisabeth Krutscher. Aber es wird auch mit Schmuck namhafter Firmen gehandelt. Reparaturen und Umarbeitungen gehören ebenfalls zum Service – bis heute.

Während sich Elisabeth, sie ist seit 1965 im Geschäft, dem Kaufmännischen verschrieb, machte ihre Schwester Ursula im elterlichen Betrieb eine Goldschmiede-Ausbildung. Die Kunden schätzen die Arbeit der Familie. Ferdinand Hoedemaker war bekannt für seine filigranen Broschen und Anhänger. Alles aus Gold. Silber war damals kaum gefragt.

Der Goldschmiedemeister war ein Könner, wenn es ums Ziselieren und Granulieren ging. „Er hat sich damit einen Namen gemacht. Das gab’s vorher in Erding nicht“, sagt sein Enkel Guido Krutscher. Der heute 39-Jährige fand es schon als Bub faszinierend, „wie der Opa mit dem Blasrohr was gelötet hat“. Auch wenn es heute andere Hilfsmittel gebe: „Generell hat sich das Handwerk seit 500 Jahren kaum verändert“, sagt Guido Krutscher.

1995 begann er seine Goldschmiede-Lehre in München. Das erlebte Ferdinand Hoedemaker noch. Er starb 1997 im Alter von 78 Jahren, zwei Jahre nach seiner Frau Therese. Elisabeth Krutscher wird seit dieser Zeit von ihrem Mann Siegfried unterstützt, ein Kaufmann. Die beiden beschäftigten einige Angestellte. Sohn Guido arbeitete nach dem Zivildienst erst einmal sechs Jahre in einer namhaften Goldschmiede in München. Ab 2001 half er parallel dazu im Familienbetrieb aus. 2006 kam er ganz nach Erding zurück, machte wenig später seinen Meister.

Da war der Wandel, der in den 1990er Jahren einsetzte, noch spürbar. Maßanfertigungen waren nicht mehr so gefragt, dafür kam der Silberschmuck auf. Zwischenzeitlich verkaufte Hoedemaker auch Bestecke und Silbergerät, etwa von WMF. So wurde der Familienbetrieb durch bewegte Zeiten geführt. Die Goldschmiede entwickelte sich zum anerkannten Fachgeschäft, das auch Trauringe und Uhren namhafter Marken anbietet – und viele Serviceleistungen. „Aber wir sind immer noch ein Schmuckladen mit eigener Werkstatt“, betont Guido Krutscher.

Er weiß um die Konkurrenz durch das Internet: „Silberschmuck und Uhren gibt’s heute überall. Aber wir beklagen uns nicht. Wir sind zufrieden.“ Seine Schmuckkreationen sind immer gefragt. „Es macht mir wirklich Freude, für Kunden etwas zu entwerfen“, sagt der 39-Jährige. Hier kann er seine Kreativität ausleben.

Das 60-jährige Betriebsjubiläum ist bei Hoedemaker keine Zäsur, denn: „Wir machen weiter.“ Dazu tragen die treuen Kunden bei – generationsübergreifend. Sie wissen die Handwerkskunst zu schätzen. „Viele kommen immer wieder. Das ist schon toll“, sagt Elisabeth Krutscher.

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