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60er-Fan Altinger erntet Mitleidsbeifall

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Sagt es lieber direkt: Michael Altinger gastierte am Samstag in der Erdinger Stadthalle. Foto: Kuhn
Sagt es lieber direkt: Michael Altinger gastierte am Samstag in der Erdinger Stadthalle. Foto: Kuhn

Erding - Michael Altinger füllte am Samstagabend die Stadthalle. Er und sein Partner kamen gut beim Publikum an.

Er ist besser geworden in den vergangenen Jahren. Michael Altinger sorgte am Samstag nicht nur für eine volle Stadthalle, sondern auch für einen großen Schwung Lachsalven. Dabei bleibt er sich auf der anderen Seite aber auch treu bei verschiedenen Themen. Konnte er früher, wenn irgendwo im Saal ein Handy klingelte, die entstandene peinliche Stille genüsslich abwarten und dann verkünden: „Handy kostet eine Saalrunde,“ ging er jetzt in die Offensive: Er lobte seine Gäste, dass die alle brav ihre Handys ausgemacht haben, denn: „Sie wissen ja, der steht da oben auf der Bühne, und der sieht das, denn diese Dinger leuchten ja, wenn sie in Betrieb sind.“

Bei den Handys war er auch schon mitten in seinen Themen, belustigte sich gekonnt darüber, dass es für die Kinder immer das neueste Smartphone („Ohne Vertrag 600 Euro, das haut ganz schön rein.“) sein müsse, stets mit der selben Ausrede: „Damit du uns anrufen kannst, falls mal was ist.“ Und da war sie dann auch wieder, seine großartige Fähigkeit, die Dinge auf die Spitze zu treiben, bis hin zu der Kolportage, dass Kinder mit alten oder gar gebrauchten Handys öfter entführt würden. „Da gibt es eine Studie drüber, von Vodafone.“ Und so manch einem im Saal, der dem Nachwuchs vor einigen Wochen erst das neueste Samsung S5 unter den Christbaum gelegt hat, wird das Lachen im Hals stecken geblieben sein.

Politisch wurde er selten, außer, wenn er beispielsweise das ganze Kabinett Seehofer - ohne Seehofer - in den Wald schicken möchte, zum „Entschleunigen.“ Und die Bundesliga? „Die interessiert mich nicht! Bin 60er!“ Da kam durchaus auch Beifall auf, den der Kabarettist erst einmal abwartete, um dann zu kommentieren: „Mitleidsbeifall, gell?“

Geblieben in seinem Programm ist Strunzenöd, sein Heimatdorf, wo man in durchaus kritischer Abgrenzung zum amtierenden Oberhaupt der katholischen Kirche einem „Rokoko-Katholizismus“ huldige in der Überzeugung, dass sich in einer großartigen Kirche der liebe Gott wohler fühle als auf einer Berghütte. „Wenn ich in so einer Kirche nach oben schaue, fühle ich mich klein. Wenn ich in einer Berghütte nach oben schaue, haue ich mir den Schädel an.“

Geblieben ist auch seine unbestrittene Musikalität, die abwechslungsreicher geworden ist bis hin zu Anleihen an die Rock-Formation „Ramstein“, bescheiden begleitet und gekonnt in Szene gesetzt von jenem Mann, der auch sonst einiges abbekam und Zielscheibe für so manchen Scherz wurde: Martin Julius Faber, weit mehr als nur sein Begleiter an Gitarre und Piano, sondern auch mitverantwortlich für das ganze Programm. Das Ganze war so perfekt, dass Faber sekundengenau wusste, wann sein Einsatz war. Die Bezeichnung „Altinger und Band“ wird darum vielleicht dem Beitrag dieses unauffälligen zweiten Mannes auf der Bühne nicht ganz gerecht, aber das Programm „Ich sag’s lieber direkt“ verdiente diesen Namen. Die Ausflüge unter die Gürtellinie haben ab- und folglich das Niveau zugenommen. Ein lohnender Abend war das.

klk

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