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Als rollende Notrufsäule versteht Fahrer Orhan Mehmeti seinen Job als Busfahrer. Am Busbahnhof half der vierfache Vater einem orientierungslosen Rentner.

84-Jährigen am Busbahnhof aufgegriffen

Dieser Busfahrer hat ein großes Herz

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Erding - Orhan Mehmeti zögerte keine Sekunde, als er Freitagnacht einen offensichtlich orientierungslosen 84-Jährigen am Erdinger Busbahnhof ansprach. So hat der 45-Jährige Schlimmeres verhindert. Wir haben den Busfahrer getroffen.

Die Geschichte von Orhan Mehmeti hat viele Menschen bewegt. Auf der Homepage und der Facebookseite der Heimatzeitung wurde sie einige tausend Mal geklickt. Orhan Mehmeti ist 45 Jahre alt und seit vielen Jahren Busfahrer. Am späten Freitagabend war ihm am S-Bahnhof in Erding ein betagter Herr aufgefallen. Er sprach ihn an und ließ ihn nicht mehr aus den Augen, bis die Polizei kam. Dafür ließ er eine Stadtbus-Tour sausen. Wer weiß, was passiert wäre, wenn sich in dieser Nacht niemand um den 84-jährigen Wartenberger geschert hätte?

Wir treffen den vierfachen Familienvater wiederum am Busbahnhof. Er fährt wieder die Linie 550 Erding-Bahnhof – Altenerding – Therme – Innenstadt. Mehmeti hat Dienstschluss und schwingt sich aus dem Bus seines Arbeitgebers Scharf. So ganz versteht der 45-Jährige nicht, warum so ein Aufhebens um etwas gemacht wird, was für ihn selbstverständlich ist.

Der Bockhorner berichtet, dass er an dem Abend dreimal an dem Rentner vorbeigefahren sei. „Der stand mit seinem Rollator am Gehsteig. Beim ersten Mal so gegen 21 Uhr habe ich mir nichts gedacht. Da waren auch noch andere Leute.“ Beim zweiten Mal etwa 40 Minuten später sei der Mann immer noch da gewesen. „Ich hatte mir schon gedacht, dass da was nicht stimmt“, erzählt der 45-Jährige. Noch einmal dreht er eine Runde. Es ist 22.53 Uhr, als er wieder zum Bahnhof kommt. „Der Mann war immer noch da. Jetzt war mir klar, ich muss handeln.“

Mehmeti steigt aus und spricht den Mann an. „Er hat gesagt, dass er auf seine Frau warte. Das kam mir seltsam vor.“ Weiter berichtete der 84-Jährige, dass er den Bus verpasst habe und nun seine Frau komme. „Als er dann sagte, das Auto sei kaputt, deswegen dauere es ein wenig, habe ich mich entschieden, die Polizei zu rufen.“

Zu dieser Zeit hätte er freilich längst seine letzte Runde drehen müssen. Ob er denn keine Bedenken gehabt habe, einfach stehen zu bleiben und Fahrgäste warten zu lassen? Mehmeti versteht die Frage nicht ganz. „Es ging doch um einen Menschen. Da kann ich nicht einfach weiterfahren.“ Zum Glück ist die Polizei schnell da. Sie setzt den verwirrten Mann in den Streifenwagen und packt den Rollator in den Kofferraum.

Mittlerweile ist es 23.30 Uhr. Mehmeti setzt sich wieder ans Steuer und fährt die letzte Runde. Ärger von seinem Chef wird er keinen bekommen. Im Gegenteil. Martin Scharf sagt: „Mein Mitarbeiter hat genau richtig gehandelt.“ Der Gelackmeierte ist der Fahrer selbst: Er kann erst eine halbe Stunde später, kurz nach Mitternacht, Feierabend machen.

Der 45-Jährige fährt seit 2004 Bus, lange Jahre in Münster. Sein damaliger Chef hatte ihm eingeschärft: „Wir sind rollende Notrufsäulen. Wer etwas beobachtet, soll lieber einmal zu viel die Zentrale oder gleich die Polizei rufen.“

Genau das hat Mehmeti schon einmal: „In Münster ist mal eine alte Dame eingestiegen, die nur eine Kurzstrecke fahren wollte, aber kein Geld dabei hatte. Als sie mir sagte, dass sie mit über 80 zu Vater und Mutter wollte, habe ich Hilfe geholt.“ Zu Recht: Die Dame war aus einem Heim verschwunden.

Nicht nur bei unseren Lesern ist Mehmeti ein Held. Auch die drei, zehn, elf und 13 Jahre alten Kinder des frühere Fußballtrainers der E-Mädels des FC Langengeisling sind stolz auf den Papa. „Mein Jüngster hat das am Wochenende überall erzählt.“

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