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Hochzeit 1958: Lotte und Günter Krzizok
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Die Jubilarin mit Sohn und Enkeln

90. Geburtstag

Familie und Reisen halten Lotte Krzizok jung

Lotte Krzizok feiert 90. Geburtstag in Erding und blickt auf ein bewegtes Leben zurück. 

ErdingEigentlich hatte die Familie für Lotte Krzizok ein großes Fest geplant. Coronabedingt musste ihr 90. Geburtstag aber im kleinen Rahmen gefeiert werden. Die Erdingerin genoss den Tag trotzdem sehr.

Die Jubilarin wuchs als jüngstes von drei Kindern der Eheleute Juliane und Bartl Forster in Neufinsing auf. Mit seinem Seitenwagen-Motorrad fuhr Forster seine Frau im Juni 1930 zur Entbindung ins Erdinger Krankenhaus. 1936 kam die kleine Lotte schon mit fünf Jahren in die Schule. „Damals wurden wir an Ostern eingeschult“, erinnert sie sich. Ein schwerer Schicksalsschlag war 1942 der Tod ihres Bruders Otto, der an einer Hirnhautentzündung starb. Ihre Schwester Anneliese war bereits 1927 mit nur zwei Jahren an einer Infektion gestorben.

Bis 1943 dauerte für Lotte Forster die Schulzeit in Finsing. Nach einem Jahr in der Volksschule am Herkomerplatz besuchte sie die „Dreiklassige Mittelschule für Mädchen“ am Salvatorplatz, bis zum Abschluss 1947 – und das mitten im Krieg (1939-45). „Das war eine schlimme Zeit“, sagt Lotte Krzizok. Als sie in München zur Schule ging, fuhr sie jeden Tag von Neufinsing mit dem Fahrrad nach Poing, von dort ging es mit dem Zug zum Münchner Ostbahnhof und dann weiter mit der Straßenbahn.

Nicht nur einmal gab es auf dem Weg oder während des Unterrichts Fliegeralarm und es fielen Bomben. „Oft bin ich vom Radl runter in so genannte Einmannlöcher, aus dem Zug mussten wir regelmäßig raus, und in München sind wir immer in den nächstbesten Bunker oder Luftschutzkeller“, erinnert sie sich. „Wenn mir damals was passiert wäre – meine Eltern hätten mich niemals gefunden.“

Freie Tage außerhalb der Ferien gab es trotz Krieg nicht. Einzige kleine Variable: „Wenn es nach Mitternacht Fliegeralarm gegeben hat, dann fing der Unterricht zwei Stunden später an.“ Der Bombenangriff auf die Salvatorschule ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben: „Das Gebäude stand in hellen Flammen. Wir sollten alle noch mal rein, um die Bücher zu retten. Als dann aber ein brennender Balken haarscharf an mir vorbeifiel, habe ich alles hingeschmissen und bin weggelaufen.“

Daheim in Neufinsing ist die Familie von Bombenangriffen fast verschont geblieben. „Nur kurz vor Kriegsende sind fünf Sprengbomben gefallen, die aber keinen großen Schaden angerichtet haben.“ Als die amerikanischen Truppen einmarschierten, „sind wir alle aus unseren Häusern gejagt worden und haben im Kraftwerk am Kabelboden in Notbetten übernachtet“. Später hauste die Familie Forster in einer Notunterkunft unter der gesprengten Kanalbrücke. „Wir haben in der ganzen Zeit trotzdem immer daheim vorbeigeschaut und unsere Katze versorgt“, erzählt Krzizok.

Als die Amerikaner abgezogen waren, durften die Finsinger in ihre Häuser zurück. Lotte begann zu arbeiten. Mit gerade 18 Jahren bekam sie einen Job bei den Amerikanern im Fliegerhorst Erding – im Civilian Personal Office, dem Personalbüro. Dort wurde nur Englisch gesprochen, und so lernte Lotte Krzizok die Sprache perfekt. Noch heute liebt es die 90-Jährige, sich auf Englisch zu unterhalten, wenn sich die Gelegenheit bietet.

1958 heiratete sie ihren Mann Günter, der 1945 mit seiner Mutter Gertrud und seinen Geschwistern Traudl und Heini aus Oberschlesien geflüchtet war, und die es nach Neufinsing verschlagen hatte. Die Hochzeit mit dem Polizisten fand in Altötting statt, wo Günter Krzizok damals stationiert war.

Es folgte die Versetzung nach Wartenberg, wo 1958 der einzige Sohn Wolfgang zur Welt kam. Anfang der 1960er Jahre zog die Familie nach Erding. Hier verlebte sie viele unbeschwerte, glückliche Jahre, vor allem, als die beiden Enkel Janine und Daniel zur Welt kamen. Ein schwerer Schlag für Lotte Krzizok war der Tod ihres Mannes 2009.

Die große Leidenschaft von Lotte Krzizok war stets das Reisen, mit dem Bus erkundete sie Italien, Jugoslawien und Österreich. In den vergangenen Jahren war sie mit einer Freundin unter anderem auf Zypern, in Südafrika und Dubai und unternahm eine Mittelmeer-Kreuzfahrt.

Außerdem ist Lotte Krzizok, die fast jeden Tag mit dem Rad unterwegs ist, sportbegeistert. Im Fernsehen verpasst sie keine Sportsendung. Früher war sie stets am Fußballplatz in Langengeisling zu finden, wenn ihr Sohn spielte. Im Sommer schaut sie ihrer Enkelin Janine bei Tennis-Punktspielen zu, im Winter versäumt sie kein Eishockey-Heimspiel von Enkel Daniel mit den Gladiators. Die Erdinger Eishackler versorgt sie bei Auswärtsspielen auch mit selbst gebackenen Kuchen. „Hoffentlich kann bald wieder Fußball und Eishockey gespielt werden“, sagt die Jubilarin. „Das ist viel wichtiger als meine Geburtstagsfeier.“

Zum 80. Geburtstag ging ein großer Wunsch von Lotte Krzizok in Erfüllung. Damals bekam sie von der Familie einen Tandem-Gleitschirmflug geschenkt. Jetzt erwartet sie eine Ballonfahrt.  wk

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