Wegen Nötigung im Straßenverkehr muss ein 55-Jähriger eine Geldstrafe zahlen. Er bremste auf der A92 einen Lkw aus und zeigte ihm den Mittelfinger.
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Direkt nach einer Baustelle auf der A92 überholte ein Landkreis-Bürger einen Lkw, bremste ihn aus und zeigte den Stinkefinger. Symbolbild.

Nötigung im Straßenverkehr

Geldstrafe: Lastwagen abgedrängt und Stinkefinger gezeigt

Wegen Nötigung im Straßenverkehr muss ein 55-Jähriger eine Geldstrafe zahlen. Er bremste auf der A92 einen Lkw aus und zeigte ihm den Mittelfinger.

Erding – Ein 55-jähriger Isener war im August vergangenen Jahres auf der A92 Richtung Deggendorf unterwegs. Im Landkreis Erding überholte er nach einer Baustelle einen Lkw, machte vor ihm eine Vollbremsung, zeigte den Mittelfinger – und fuhr davon. Der Lkw-Fahrer ließ das nicht auf sich sitzen und stellte Strafantrag bei der Polizei. Das zog einen Strafbefehl wegen Nötigung mit sich: 50 Tagessätze zu je 60 Euro – 3000 Euro. In der Hauptverhandlung vor dem Erdinger Amtsgericht wurde nun die Tagessatzhöhe reduziert.

Der Isener erzählte vor Gericht, dass er sich nicht erklären könne, wieso er auf der Anklagebank sitze. Dass er an besagtem Tag auf besagter Strecke unterwegs war, räumte er ein: „Ich war da mit dem Firmenwagen von meinem Chef unterwegs, aber dieser Vorgang kann nicht passiert sein, mir ist das völlig unbekannt.“ Einige Tage nach dem vermeintlichen Vorfall sei er von der Polizei vorgeladen worden. „Da ist mir das alles erzählt worden, ich habe keine Erklärung dafür.“

Lkw fuhr in der Baustelle mittig

Dass er irgendjemandem den Mittelfinger zeigt, das habe sich der Mann schon vor langer Zeit abgewöhnt: „Ich zeige höchstens noch den Daumen, wenn mich jemand nervt.“ Auch eine gefährliche und vor allem grundlose Vollbremsung würde er nicht machen. Der 55-Jährige sei beruflich bundesweit viel unterwegs. Vor Jahren sei er zweimal vom Abstandsradar geblitzt worden, fahre seitdem aber immer regelkonform. „Ich bin ein leitender Angestellter und habe eine Vorbildfunktion“, erklärte er. Außerdem sei er vor Jahren in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt gewesen, an dessen Folgen er sehr lange gelitten habe: „Ich weiß, was passieren kann.“

Der ausgebremste Lkw-Fahrer, der Anzeige erstattet hatte, konnte den Vorfall genauer schildern: „An einer Baustelle mit zwei verengten Spuren hat mich ein SUV sehr knapp überholt. Bevor etwas Schlimmeres passiert, bin ich danach mittig auf beiden Spuren gefahren.“ Der Angeklagte sei dabei direkt hinter ihm gewesen und habe mehrmals die Lichthupe betätigt. Gleich nach der Baustelle sei der 30-jährige Lkw-Fahrer dann wieder auf die rechte Spur gewechselt. Der Angeklagte habe ihn überholt und scharf ausgebremst: „Ich durfte da 60 fahren, damit ich den Verkehr aber nicht so stark aufhalte, fuhr ich etwa 70 und musste dann plötzlich auf 40 km/h runterbremsen.“

Richter findet Lkw-Fahrer glaubwürdig

Gleich danach habe er sein Handy gezückt und ein Foto gemacht. So konnte ausgeschlossen werden, dass er einen Falschen beschuldigt. Den Angeklagten erkennen konnte er beim Vorfall nicht: „Vom Körperbau her hätte ich ihn auf 35 bis 40 Jahre geschätzt. Er hatte kurze Haare.“ Mittig sei er in der Baustelle gefahren, „weil der Lkw voll beladen war. Da reicht die kleinste Unebenheit, damit es gefährlich wird.“ Er habe sich „geschworen, dass ich in diesem Beruf nicht am Tod von Menschen schuld sein will“.

Sowohl Richter Björn Schindler als auch Staatsanwältin Nina Wittig fanden den Lkw-Fahrer glaubwürdig. Schindler konnte sich zudem nicht erklären, wieso der 30-Jährige die Unannehmlichkeiten auf sich nehmen und Strafantrag gegen eine ihm völlig unbekannte Person stellen sollte. Außerdem habe der Berufskraftfahrer auch eigenes Fehlverhalten eingeräumt.

Mit Rücksicht auf die finanziellen Probleme des Angeklagten forderte Wittig eine Reduzierung der Tagessatzhöhe von 60 auf 50 Euro. Verteidiger Markus Schwenk bat das Gericht nach kurzer Besprechung mit seinem Mandanten, Milde walten zu lassen. Richter Schindler schloss sich schließlich der Forderung der Staatsanwältin an.

Mayls Majurani

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