Eine Nummer für jedes Paar Schuhe: Im Schaufenster von Schuh Gerlspeck in Erding kann man sich so einfach die Bestellnummer merken und anrufen.  Foto: Mayls Majurani
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Eine Nummer für jedes Paar Schuhe: Im Schaufenster von Schuh Gerlspeck in Erding kann man sich so einfach die Bestellnummer merken und anrufen.

„Click & Collect“: Geschäfte im Landkreis sind glücklich über neues Angebot in schweren Zeiten

Abholservice für die Kunden

  • vonMayls Majurani
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Ab Montag ist auch in Bayern „Click & Collect“ erlaubt. Wir hörten uns in den Geschäften in Erding und Dorfen um.

Erding/Dorfen – Der Corona-Lockdown ist bis Ende Januar verlängert. Die meisten Geschäfte müssen geschlossen bleiben. Ab Montag dürfen sie aber immerhin „Click & Collect“ anbieten. Das heißt: Der Kunde bestellt per Anruf, Whatsapp oder auf der Internetseite der Firma und holt die Ware ab. Eine Umsatzchance, auch für viele Läden im Landkreis.

„Click & Collect“ in veränderter Form bietet die Buchhandlung Leseglück im Heiliggeist-Hof bereits seit mehreren Wochen an. „Wir hatten einen tollen Partner, das Schoko-Oh im Turmladen. Unsere Kunden konnten bei uns bestellen und die Bücher dort abholen“, erzählt Inhaberin Margit Inninger.

Dass „Click & Collect“ nun erlaubt ist, freut sie sehr. „Das ist eine Erleichterung. Wir haben dadurch viel weniger Zeitaufwand.“ Rund zwei Drittel der Kunden würden aktuell die Bücher selbst abholen. „Wenn es mal mehr als ein, zwei Bücher sind, lassen sie es liefern“, sagt sie. Eine finanzielle Rettung sei das neue Angebot nicht, betont die 47-Jährige: „Es war die Rede von einem Strohhalm. Das trifft es ganz gut.“

So sieht es auch Wolfgang Kraus, Geschäftsführer des gleichnamigen Modehauses in Erding. „Während des Lockdowns bricht der Umsatz um 90 bis 95 Prozent ein. Lieferungen und Abholungen sind kein Ersatz.“ Aber immerhin könne man auf diese Weise den Kundenkontakt aufrecht erhalten und auch ausbauen.

Mit der Resonanz auf die bisherigen Lieferbestellungen ist der 40-Jährige dennoch zufrieden. „Vor allem unsere neuen Moosbüffel-Sweatshirts sind sehr beliebt. Die liefern wir in und um Erding. Ich selbst fahre auch manchmal, und der Zuspruch der Menschen tut gut, das ist Balsam für die Seele.“ Er hofft, dass der Abholservice den Lieferdienst ergänzen kann: „Es haben schon einige Leute an der Scheibe geklopft. Ich glaube, die Nachfrage wird steigen.“

Trotz dieses Angebots sei die Lage für die Einzelhändler ernst. „Im Moment geht es allen schlecht“, weiß Kraus, der auch Vorsitzender der Interessensgemeinschaft Ardeo ist. „Viele probieren sich jetzt auf Instagram oder Facebook aus.“ Es sei spannend, neue Kanäle zu entdecken, sagt Kraus. „Das ist aber nur eine Beschäftigung. Mit unserem eigentlichen Geschäft hat das nichts zu tun.“

Auf ein vielfältiges Online- und Schaufenster-Angebot setzt Rainer Gerlspeck. Fast täglich bewirbt er auf Instagram oder Facebook Schuhe und Taschen. Seit Dezember werden die Bestellungen geliefert, ab Montag können sie auch an seinem Geschäft in Erding abgeholt werden.

„Es ist wichtig, dass wir am Kunden bleiben und einen Service in dieser schwierigen Zeit anbieten“, betont Gerlspeck. Die Kunden seien froh, auch im Lockdown noch an ein Paar Winterschuhe zu kommen. Doch riesige Umsätze verspricht sich auch der 51-Jährige durch „Click & Collect“ nicht: „Es wird sicherlich ein bisschen helfen, aber die Zahlen werden dadurch nicht explodieren.“

Auch Max Schmid Schuhe in Dorfen bietet seit Wochen einen Lieferdienst an. Ab Montag kann man die Schuhe auch am Geschäft abholen. Eine Reservierung ist im Online-Shop möglich.

„Call and Collect“ nennt Franz Widmann das neue Angebot in seinem Optik-, Schmuck und Uhrengeschäft an der Langen Zeile. Die Kunden können sich die Modelle im Schaufenster aussuchen und bestellen. „Via Facetime oder Whatsapp haben wir die Möglichkeit, auch Schmuckstücke im Ladeninneren zu zeigen“, kündigt er an. Das sei ein Angebot, damit Kunden nicht auf den anonymen Online-Handel ausweichen müssten.

Gegen den positioniert sich auch Ardeo-Chef Kraus: „Wir sind im Ort verwurzelt, zahlen Steuern, veranstalten Events. Einem Online-Warenhaus ist das alles egal.“ Sein Dorfener Kollege Stefan Tremmel sieht das genauso. Der Förderkreis-Vorsitzende sagt: „Wenn etwa der Fußballverein neue Trikots oder Bandenwerbung braucht, kommt er zu uns. Von Amazon bekommt er das nicht.“

Für Tremmel bedeutet „Click & Collect“ vor allem eine Entlastung. Denn die Lieferungen nach Hause können zeitaufwendig sein, weiß der Geschäftsführer vom Elektro-Fachmarkt „Der Heuschneider“ in Dorfen: „Wir haben in den vergangenen Wochen auch einzelne Druckerpatronen geliefert.“ Nun könne man sich auf die wichtigen Lieferungen konzentrieren „und muss nicht wegen jeder Kleinigkeit losfahren. Die Alltagsgegenstände holen die Leute auch lieber selbst ab“.

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