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Auf Wachstumskurs: Michael Wöginger, Geschäftsführer der in Aufhausen ansässigen Actron Group, vor einigen Displays aus seinem Hause. 

Seit 2014 ist das Tech-Unternehmen Actron in Erding, nun will die AG beträchtlich erweitern

Erdings unbekannter Global Player

  • Hans Moritz
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Erding ist Heimat einiger Global Player in der Wirtschaft. Amadeus und Erdinger Weißbräu kennt jeder. Doch es gibt ein drittes Unternehmen, das Märkte in ganz Europa bedient: die Actron Group mit Sitz in Aufhausen.

Erding – Sie residiert im Anton-Riemerschmid-Viertel an der Justus-von-Liebig-Straße, bekannt vor allem durch die Saftkelterei Wolfra. Mittelfristig will Geschäftsführer und CEO Michael Wöginger (49), selbst ein Erdinger, kräftig erweitern.

Wir Deutschen sind ein Volk der Wischer, die meisten von uns streichen täglich ein paar Stunden über ihr Smartphone. Doch Displays und Touchpads, kleine digitale Schaltanzeigen, prägen viele weitere Bereiche unseres Lebens. Was viele nicht wissen: Tausende dieser Displays haben ihren Weg über Actron vor allem nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz gefunden. „80 Prozent unseres Umsatzes generieren wir in diesen Ländern“, berichtet Wöginger.

Die kleinen Bildschirme finden sich etwa auf Heizungs- und anderen Steuerungsanlagen im Hausgebrauch. Aber auch große Unternehmen wie deutsche Mikrofon- und Lautsprecherhersteller setzen auf die Produkte, die über Actron aus Fernost kommen.

Zum Portfolio gehören zudem kleine Batterien und Akku-Packs etwa für Mikrofone, aber auch Schalter und Steckverbindungen, individuell für die Kunden produziert. Damit ist Actron eines der wenigen Tech-Unternehmen im Landkreis. Weitere Standorte sind Leipzig und Schwalmtal.

Die Actron-Wiege steht in München. 1977 wurde sie von Herbert Haupt gegründet. Er kam vom amerikanischen Elektronik- und Halbleiterhersteller Texas Instruments. Wöginger stieß 2003 zum Unternehmen, als Vertriebs- und Marketingleiter. Auf der Messe Electronica in München hatten sich Haupt und Wöginger kennengelernt. „Er suchte einen Nachfolger. Wir haben uns ein Jahr lang in loser Folge getroffen“, erinnert sich der Geschäftsführer. Die Aussicht, das Unternehmen eines Tages führen zu können, ließ den Familienvater erst einen kleinen, dann einen sehr weitreichenden Schritt gehen. 2006 wurde Actron in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die allerdings nicht an der Börse notiert ist. Wöginger wurde Vorstand. 2013 beschloss der Gründer, in Ruhestand zu gehen. Wöginger kaufte ihm alle Anteile ab. „Das war keine einfache Entscheidung, weil es um viel Geld ging“, blickt der 49-Jährige zurück. Hinzu kam „die enorme Herausforderung“, mit der in diesem Bereich der schnelllebigen Technologie Schritt zu halten.

Es war der vorläufige Höhepunkt einer steilen, aber auch anstrengenden Karriere. Wöginger begann mit dem Qualifizierenden Hauptschulabschluss und lernte zunächst Groß- und Außenhandelskaufmann, besuchte in Erding die Berufsaufbauschule und erwarb die Mittlere Reife. Damit ging er an die Berufsoberschule nach München, die er mit dem Abitur verließ. Das Studium der Wirtschaftsinformatik ließ er sich danach nicht nehmen.

Doch noch war Actron kein Erdinger Unternehmen. Das folgte 2014. „Ich wollte den Wechsel gestalten“, blickt Wöginger zurück. In Aufhausen fand er passende Büroräume mit angegliedertem Lager. Gestartet war er mit acht Mitarbeitern und einem einstelligen Millionen-Umsatz, mittlerweile sind es 20 Beschäftigte und ein zweistelliger Millionen-Umsatz. 2019 stellte er sein Unternehmen neu auf. Seither firmiert es als Holding Actron Group, unter ihrem Dach die Actron AG, die Actron Power und die A-switch GmbH.

Die Holding sieht sich in erster Linie als Vertriebsunternehmen, das für seine Kunden individuell abgestimmte Produkte und Systeme zusammenstellt. Die Produkte kommen aus Fernost, unter anderem aus China und Thailand.

Diese Verbindungen nutzte Wöginger, als die Corona-Krise aufkam. „Ich habe schon 2019 geahnt, dass da etwas Schlimmes auf uns zurollt. Denn China hat sich ja viel früher abgeschottet.“ Als dann der Kampf um die Masken entbrannte, war Wöginger vorn dran. „Ich habe unsere Geschäftspartner in Asien gebeten, für uns die Märkte zu sondieren.“ Doch Wöginger wollte nicht in den lukrativen Maskenhandel einsteigen, sondern sein Personal, aber auch sein privates Umfeld schützen, darunter die Schulen seiner Kinder und die Physio-Praxis seiner Frau in Altenerding. Mehrere 10 000 Masken hat er seitdem importiert.

Die Actron-Geschäfte laufen gut, darum plant Wöginger eine Expansion. Derzeit sucht er nach ausreichend großen Büro- und Lagerräumen, bevorzugt in der Region. „Wir wollen ein Erdinger Unternehmen bleiben, nicht zuletzt, weil ich hier wohne, aber auch ein Großteil der Belegschaft.“

ham

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