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AfD-Kreischef bei Wolfgang Kellermann bei seiner radikalen Rede am Samstag in Vilshofen. 

Verstörender Auftritt in Vilshofen – Politologin: „Populismus wie aus dem Lehrbuch“

AfD: Kellermann will „alle Altparteien abschaffen“

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Radikalisiert sich der AfD-Kreisverband Erding weiter, insbesondere ihr Vorsitzender Wolfgang Kellermann? Diesen Schluss lässt sein Auftritt auf einer Kundgebung am Samstag in Vilshofen zu.

Erding – In dem 2:39 Minuten langen Mitschnitt, den Kellermann auf seiner Facebookseite gepostet hat, erklärt der Erdinger: „Wir wollen die AfD erhalten und alle Altparteien abschaffen.“ Dabei zeigt er auf ein Plakat, auf dem die gleiche Forderung erhoben wird. Die AfD sei „die letzte Hoffnung“. Vertrete man eine andere Meinung „als die, die einem der Mainstream aufoktroyiert, dann ist man Neonazi und Verschwörungstheoretiker“.

Man dürfe nicht mehr selbstständig denken. Das solle dem Volk aberzogen werden. Kellermann sagte aber nicht, von wem.

Einige Sequenzen später versteigt er sich zu der Behauptung: „Mich interessiert nicht wirklich, was vor 70, 80 Jahren dieser Irre gemacht hat.“ Damit bezieht er sich auf Adolf Hitler. Die Altparteien hätten vor der AfD Angst. Denn sie sei keine Fünf-Prozent-Partei mehr, sondern eine Volkspartei. „Deswegen schwingen sie die Verfassungsschutzkeule“, sagte Kellermann, der vor der AfD Mitglied der Republikaner war, in Anspielung auf die anstehende bundesweite Beobachtung der Rechtspartei durch den Verfassungsschutz.

Unsere Zeitung zeigte das Video Dr. Julia Schulte-Cloos vom Geschwister-Scholl-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Politikwissenschaftlerin erkennt in den Aussagen „ein Musterbeispiel für Populismus wie aus dem Lehrbuch“. Hier komme die Vorstellung zum Ausdruck, es gäbe „kein repräsentatives Modell der Parteiendemokratie mehr“. Kellermann verkenne, dass Parteienvielfalt eine wichtige Funktion bei der Willensbildung einnehme. Dem, so Schulte-Cloos weiter, liege die Annahme zugrunde, „dass die Parteien nicht mehr mit dem Wähler verbunden sind“ – mit Ausnahme der AfD. Diese nehme für sich in Anspruch, als Einzige den Wählerwillen zu vertreten. „Das würde aber bedeuten, dass es nur einen politischen Willen gibt“, so die Politologin. Dabei brauche es die Vielfalt schon deshalb, damit die Wähler über eine Regierung beziehungsweise deren Programm abstimmen können. Die Auffassung Kellermanns steht für Schulte-Cloos auch im Widerspruch, den grundgesetzlichen Schutz von Minderheiten zu gewährleisten. ham

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