Afghane berührt Frau unsittlich

Thermen-Grapscher entgeht Abschiebung

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Das Weihnachtsfest hat er zwei jungen Frauen nachhaltig vermiest: Ein heute 33 Jahre alter Afghane hielt sich, nach der von Staatsanwältin Sandra Seeburger verlesenen Anklage, am 23. Dezember 2018 kurz nach 14 Uhr in einem Whirlpool in der Therme Erding auf.

Erding –  Ebenfalls im warmen Wasser waren zwei junge Frauen, die mit ihren Freunden Entspannung suchten. Plötzlich spürte die eine Frau eine Hand am Po, die sich den Weg zu ihrem Schambereich suchte. Erst dachte sie, ihr Partner sei das. Doch Sekundenbruchteile später musste sie feststellen, dass sie einem Sittenstrolch zum Opfer gefallen war.

Der probierte es danach gleich noch bei einer zweiten Frau. Auch sie berührte er unsittlich, allerdings nicht in einem so gravierenden Ausmaß.

Die Opfer gingen zur Polizei, die den Täter, einen afghanischen Flüchtling, noch in der Therme stellte. Der Mann, der in Karlsfeld (Kreis Dachau) lebt, erhielt von der Staatsanwaltschaft Landshut einen Strafbefehl wegen sexueller Belästigung über 140 Tagessätze zu je 15 Euro, in der Summe waren es 2100 Euro. Gegen den legte der Flüchtling mithilfe seines Augsburger Anwalts Omid Waselzada Einspruch ein. Denn der Strafbefehl hätte aus dem bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getretenen Mann einen Vorbestraften gemacht – und damit hätten ihn die Behörden abschieben können.

Waselzada erklärte, sein Mandant sei geständig, er wolle nur eine geringere Strafe, sodass er zumindest nicht deswegen des Landes verwiesen werde. Die Übergriffe hätten ihn bereits seine Arbeitserlaubnis gekostet.

Der Afghane ersparte beiden Opfern die Aussage – eine junge Frau trat mit Anwältin Lena Hollaender als Nebenklägerin auf. Er entschuldigte sich. Er trinke sonst nur selten Alkohol. Am Tattag habe er aber wegen psychischer Probleme, deretwegen er in Behandlung sei und Psychopharmaka einnehme, zwei Weinschorlen getrunken und sei alkoholisiert sowie enthemmt gewesen.

Als Zeichen seiner Reue überreichte er einer Frau 700, der anderen 300 Euro. Zudem zückte er zwei Thermen-Tickets, damit seine Opfer die entgangene Entspannung nachholen können. Diesen Täter-Opfer-Ausgleich lobte später auch Richter Andreas Wassermann.

Wie folgenreich unsittliche Berührungen sein können, schilderte die Nebenklägerin. „Ich war gerade mit dem Studium fertig und wollte meinen Bachelor machen – ausgerechnet über Migranten und deren Chancen.“ Sie habe mit Geflüchteten arbeiten und deren Integrationschancen verbessern wollen. Umso schwerer und nachhaltiger habe sie es getroffen, ausgerechnet von einem Geflüchteten sexuell bedrängt worden zu sein. Seither sei sie bei der Arbeit mit Migranten nicht mehr gänzlich unvoreingenommen. „Ich leide bis heute, anfangs hatte ich Albträume. Auch meine Beziehung hat gelitten.“

Dennoch nahm sie die Entschuldigung an und erklärte, sie wolle auch nicht, dass der Afghane nach der Verurteilung abgeschoben werde.

In ihrem Plädoyer lobte Seeburger zwar das Geständnis und die Reue, wies aber auch auf die „hohe Intensität der Belästigung“ hin. Allerdings könne man auf den Strafbefehl einen Rabatt geben. Sie plädierte auf 110 Tagessätze zu je zehn Euro, genauso wie Nebenklage-Anwältin Hollaender – also 1100 Euro bei monatlicher Stütze von 320 Euro. Damit hätte das Damoklesschwert der Abschiebung weiter über dem Arbeitslosen geschwebt.

Verteidiger Waselzada hielt 60 Tagessätze zu zehn Euro für angemessen. Richter Wassermann entschied sich für die goldene Mitte: 90 Tagessätze, also 900 Euro. Auch der Vorsitzende meinte, er wolle wegen dieses Vergehens keine Ausweisung auslösen. Noch ist das Urteil aber nicht rechtskräftig.

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