Vor Gericht: Afghane fuchtelt mit Schere in Erding

Der „Außerirdische mit göttlichen Weihen“

Er sei ein Teil einer höheren Macht, ein Gott, eine Lichtgestalt: So spricht der Afghane (22), der vorigen Sommer in Erding zwei Männer mit einer Schere bedroht hat, über sich selbst. Heute entscheidet sich, ob er in die Psychiatrie muss.

Erding/Landshut– Als „Außerirdischer mit göttlichen Weihen“ fühlt sich ein 22-jähriger, wohnsitzloser afghanischer Asylbewerber, der – wie berichtet - zwei Erdinger mit einer Schere angegriffen und sich nach seiner Festnahme gegenüber Polizeibeamten heftig zur Wehr gesetzt hat. Im Sicherungsverfahren vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Landshut geht es um seine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung.

Laut der von Staatsanwältin Sandra Seeburger vertretenen Antragsschrift bedrohte der Afghane, der vorläufig im Bezirksklinikum Mainkofen untergebracht ist, am 22. Juli 2017 auf der damaligen Fehlbachbrücke in Erding einen Fliesenleger (20) aus Oberding und einen Lageristen (21) aus Moosinning und forderte „Money, money“ („Geld, Geld“), wobei er mit einer Schere herumfuchtelte.

Er warf zudem faustgroße Betonbrocken in Richtung der Männer, ohne zu treffen. Sie holten die Polizei, die den 22-Jährigen festnahm. Zur Durchsuchung sollte er sich entkleiden. Das verweigerte der Mann nicht nur, sondern wehrte sich auch heftig gegen die Fixierung auf dem Bett in der Haftzelle. Als die Durchsuchung abgeschlossen und die Fixierung gelöst war, versuchte er, einen der Beamten mit einem Faustschlag zu verletzen.

Die Antragsschrift lastet dem Mann versuchte räuberische Erpressung in zwei Fällen, versuchte gefährliche Körperverletzung in fünf Fällen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und versuchte Körperverletzung an, geht aber davon aus, dass er zur Tatzeit an einer paranoiden Schizophrenie litt und deshalb schuldunfähig war.

Zum Prozessauftakt ließ der 22-Jährige über seinen Verteidiger Christian Temporale erklären, dass er zu den Tatvorwürfen keine Angaben machen werde, sich an das Geschehen aber noch erinnern könne. Später ließ er sich dahingehend ein, dass ihm der Fliesenleger und der Lagerist 2000 Euro abgenommen hätten. Das Geld wollte er zurück, deshalb die Drohungen mit der Schere. Und auf der Polizeiwache habe man seine Unterhose gewollt, dagegen habe er sich gewehrt.

Im Jahr 2000, da sei er etwa vier Jahre alt gewesen, so berichtete er zum Lebenslauf, sei seine Familie in den Iran geflohen. Sein Vater habe als Soldat gekämpft. Im Flüchtlingslager sei es der Familie gut gegangen. Mit 20 sei er nach Europa geflüchtet und in Bayern gelandet: „Aber ich wollte immer in die Heimat zurück.“

Dann wurde es mehr als skurril: Von Geburt an, so der Asylbewerber, seien ihm göttliche Weihen zuteil gewesen. Er sei ein Teil einer höheren Macht, ein Gott, eine Lichtgestalt, und habe Kontakte zu Propheten und Außerirdischen. So könne er etwa im Winter die Sommersonne scheinen lassen.

Wesentlich „irdischer“ wurde es, als der Fliesenleger und der Lagerist von den Aktionen des 22-Jährigen berichteten: Sie seien von einer Feier gekommen, als ihnen der auf der Brücke sitzende Afghane aufgefallen sei, weil er einen „völlig verwirrten“ Eindruck gemacht habe. Auf Nachfrage, ob alles in Ordnung sei, habe er sich erhoben, eine Drohgebärde eingenommen, Stichbewegungen mit der Schere gemacht und „Money, money“ gefordert. Natürlich, so die Zeugen, könne keine Rede davon sein, dass sie ihm Geld abgenommen hätten.

Der Prozess wird heute fortgesetzt und das Urteil erwartet, das wohl die Anordnung der endgültigen Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie bringen dürfte. Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © dpa / Oliver Berg

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