+
Jäger im Wärmebildkamera-Drohneneinsatz (v. l.): Rick Römer, Alois Bauer, Hans Beck, Martin Zugmantel, Martin Wagner, Kai Medau und Lenz Mesz im Revier von Egon Lechner in der Gemeinde Fraunberg.

Afrikanische Schweinepest: Erding rüstet sich für den Katastrophenfall

Die Gefahr lauert in der Wurstsemmel

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
    schließen

Im Landkreis Erding ist die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest groß. Alarmpläne für den Tag X liegen bereit.

Erding – Die Geflügelpest hat vor ein paar Tagen Bayern erreicht, Jäger und Veterinäre fürchten, dass das bald auch für die Afrikanische Schweinepest (ASP) gelten könnte. War die für Schweine tödliche Infektionskrankheit bislang nur in Osteuropa zu beobachten, gibt es seit September die ersten Fälle in Deutschland – in Brandenburg und Sachsen. Deshalb rüstet man sich auch im Landkreis für den Fall der ersten nachgewiesenen Infektion. Sie könnte im Erdinger Land verheerende Folgen haben, gibt es hier doch mit 60 000 Hausschweinen in 170 Betrieben so viele Borstenviecher wie in wenig anderen Regionen in Bayern.

„Die jüngste Entwicklung macht uns zunehmend nervös“, gestand Dr. Karin Deischl, Leiterin des Veterinäramts in der Kreisverwaltung, in einer Pressekonferenz mit dem Jagdverband. „Wir müssen unter allen Umständen verhindern, dass die ASP in die Zuchtbetriebe gelangt“, sagt sie – und betont: „Das Virus ist für den Menschen absolut ungefährlich, ebenso wie für andere Tierrassen.“

Dennoch spiele der Mensch beim Seuchenschutz eine wichtige Rolle. „Eine arglos weggeworfene Salamisemmel, die von einem Wildschwein gefressen wird, kann schon ausreichen“, warnt Deischl. Das Fatale: „Das Virus überlebt in Wurst ein halbes bis ein ganzes Jahr.“ Deshalb habe man alle Rastplätze mehrsprachig beschildert, um etwa internationale Fernfahrer zu sensibilisieren.

Die Zuchtschweine schützen, das geht nur mit einer konsequenten Jagd nach Wildschweinen. Und dabei waren die Waidmänner zuletzt durchaus erfolgreich. Werner Pirschlinger von der Jagd- und Fischereiaufsicht berichtet von einer Schwarzwildstrecke von 359 erlegten Tieren, eine Steigerung von fast 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (189). In den Jahren zuvor habe die Strecke bei 261, 201 und 174 gelegen.

Deischl und Kreisjagdverbandsvorsitzender Thomas Schreder geben zu, dass die Schwarzwildjagd gar nicht so einfach sei. „Deshalb zahlen wir eine Aufwandsentschädigung und haben die Gebühr für die Trichinen-Untersuchung gesenkt“, sagt die Chef-Veterinärin. In Osendorf, Isen und Niederstraubing gebe es drei Sammelstellen für den Aufbruch der Tiere. „Die werden gut angenommen“, freut sich Deischl. Die Halter seien sensibilisiert, ihre Bestände engmaschig zu kontrollieren, die Stalleingänge zu desinfizieren und die Zahl der Besucher auf das Notwendigste zu beschränken.

Und doch hat man sich im Landratsamt darauf eingestellt, dass die ASP eines Tages im Landkreis festgestellt wird – in der Regel in Kadavern verendeter oder erlegter Wildschweine. „Dann müssen wir das Virus schnell und effektiv bekämpfen, in der Regel eine landkreisgrenzenübergreifende Herausforderung.“ Denn um die Fundorte würden Schutzzonen mit insgesamt 45 Kilometern Radius gezogen, die als Sperrbezirk gelten. „Die Herausforderung bei der Abwehr ist, dass sie im Freien stattfindet und nicht, wie sonst, nur in betroffenen Stellen“, erklärt die Amtstierärztin.

Mit den Jägern würden betroffene Reviere dann nach weiteren Kadavern abgesucht. Tiere mit Fieber suchten zur Linderung oft Wasserstellen auf. „Wir haben als Behörde eigene Bergetrupps aufgestellt und dazu Schutzausrüstung angeschafft.“ Im Landkreis gibt es laut Deischl acht gut gesicherte Verwahrstellen, etwa an Kläranlagen. Von dort würden die Kadaver in die Tierkörperbeseitigungsanstalt Berndt in Oberding gebracht.

All die Maßnahmen gelten nicht nur dem Tierwohl, sondern auch der Fleischerzeugung. Durch die ersten ASP-Fälle in Deutschland ist der Export von Schweinefleisch stark unter Druck geraten. China, eines der Hauptabnahmeländer, hat die Bundesrepublik von der Lieferliste gestrichen beziehungsweise nimmt deutlich geringere Mengen ab, darunter hier nicht verwertbare Teile wie die Füße. Sie gelten im Reich der Mitte als Delikatesse.

Deischls Vorbild ist Tschechien, wo ASP 2017 nachgewiesen wurde. „Es gilt heute wieder als ASP-frei.“ Den Haltern empfiehlt sie, sich bereits jetzt als virenfreier Bestand testieren zu lassen. Ein Grund zur Hoffnung: Fast alle Schweine werden im Erdinger Land in Ställen und nicht im Freien gehalten.

ham

Wegen der bedrohlichen Lage sind laut Landrat Martin Bayerstorfer trotz Corona Bewegungsjagden mit mehreren Waidmännern erlaubt. Eine solche fand am Wochenende im Fraunberger Revier von Egon Lechner statt. Der hat aufgerüstet: Zum Einsatz kam eine Drohnen-Wärmebildkamera, um Wildschweine in Feldern und Dickicht aufzuspüren.

Kein Risiko

für den Menschen

Fast alle Schweine

leben in Ställen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare