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Um die Zukunft der Aktion Erbse ist Streit entbrannt. Dem BRK wird ein Alleingang vorgeworfen.

Aktion Erbse

Alleingang des BRK sorgt für Empörung

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Dass das BRK ab 2018 die Aktion Erbse von der Bundeswehr übernimmt und sich so alle Einnahmen sichert, sorgt bei anderen Vereinen für Ärger. Es könnte aber noch eine Einigung geben.

Erding - An die 20 soziale Vereine und Verbände profitieren seit bald 40 Jahren von den stets steigenden Einnahmen der Aktion Erbse der Bundeswehr. Über 55 000 Euro wurden im Frühjahr verteilt. Dass die Soldaten heuer zum letzten Mal den Eintopf ausgeben, ist seit Jahren bekannt. Genauso lange wird an der Fortsetzung der Benefiz-Aktion an den vier Adventssamstagen gefeilt. Dazu standen die Luftwaffe und Erdings OB Max Gotz in engem Kontakt.

Vor wenigen Tagen verkündete der BRK-Kreisverband die Lösung: Er werde 2018 einspringen, teilte Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden mit (wir berichteten). Sie sagte aber auch, dass das BRK die Einnahmen komplett selbst benötige. Damit gehen die 16 zuletzt bedachten Organisationen leer aus. Deren Protest, Enttäuschung und Frust ließen nicht lange auf sich warten. Um bis zu 2000 Euro geht es pro Verein.

Petra Bauernfeind, Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe, zeigt sich verwundert. „Wir sind davon ausgegangen, dass sich alle Begünstigten an einen Tisch setzen, um die Zukunft zu besprechen.“ Natürlich habe das BRK die Voraussetzungen, um 1200 Portionen Erbseneintopf pro Samstag herzustellen. „Aber wir hätten uns ja auch anderweitig beteiligen können, etwa mit Helfern“, so Bauernfeind. Auch Ursula Krause, Gründungsmitglied der Nachbarschaftshilfe, äußerte ihr Befremden. „Wir brauchen das Geld dringend.“

Fritz Steinberger, Kreisvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt, wurde von der Nachricht ebenfalls eiskalt erwischt. „Man hätte doch eine Arbeitsgemeinschaft gründen können, die die Erbse stemmt.“ Schließlich sei es immer eine „breit angelegte Aktion gewesen, von der der gesamte Landkreis profitiert hat. Das hat den guten Ruf der Erbse ausgemacht.“ Die AWO habe die Spende in die Schulsozialarbeit sowie in die Mittagsverpflegung von Kindern aus finanzschwachen Elternhäuser investiert. „Das fehlt jetzt einfach“, so Steinberger. Er macht keinen Hehl aus seinem Ärger, „dass wieder einmal das BRK ohne Aussprache den Zuschlag bekommen hat“. Er vermutet, dass die CSU, die mit dem BRK-Vorstand eng verwoben ist, ihre Hände im Spiel hatte.

Pastettens Bürgermeisterin Cornelia Vogelfänger, die dem Förderverein Fendsbacher Hof vorsteht, ist „erfreut, dass die Aktion Erbse weitergeht“. Das Prozedere der Übergabe „kann ich aber nicht gut heißen“. Es sei bedauerlich, dass sowohl der Fendsbacher Hof als auch die St. Nikolaus-Schule nun außen vor seien. „Es geht nicht nur um die Spenden. Auch das Verkosten in den beiden Einrichtungen war immer ein Höhepunkt für die Kinder und Bewohner.“ Sie hoffe, „dass es doch noch eine einvernehmliche Lösung gibt“.

Das ist sogar möglich. Fliegerhorst-Sprecher Peter Jentscher sagt: „Unser Hauptanliegen war die Fortführung der Aktion Erbse. Wir sind froh, dass das gelungen ist.“ Er weist aber auch darauf hin, „dass das BRK bislang die einzige Institution war, die bei uns ein Interesse zur Übernahme bekundet hat“.

Jentscher kündigt ein Gespräch an. „Wer wie und in welcher Form eingebunden werden kann und möchte, muss sich noch ergeben.“ Für die Bundeswehr „steht nach wie vor die Unterstützung Bedürftiger im Landkreis an erster Stelle“. Heuer stemmt sie die Erbse definitiv zum letzten Mal.

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