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Auf die Menschen zugehen wollen Imam Usman Naveed (2. v. l.), Maqsood Ahmad (2. v. r.) aus Hallbergmoos und ihre Mitstreiter von Ahmadiyya Muslim Jamaat. 

Aktion von Reformgemeinde 

Muslimische Friedens-Botschafter

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Erding – „Liebe für alle – Hass für keinen“: Mit dieser Botschaft werden in den nächsten Wochen Männer meist pakistanischer Abstammung auf die Bürger im Landkreis zugehen.

Dabei wollen die Mitglieder der islamischen Reformgemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat in allen Orten und Weilern Flugblätter verteilen. Zu erkennen sind sie an ihren T-Shirts und Kappen mit dem Spruch „Muslime für Frieden“. „Wir gehen überall hin, auch wenn da nur zehn Häuser sind“, erklärt Imam Usman Naveed im Pressegespräch.

Die Informationskampagne der aus Pakistan stammenden Glaubensgemeinschaft startet im Landkreis am Samstag, 18. Februar, mit einem Informationsstand am Floriansbrunnen auf dem Dorfener Marienplatz (9 bis 17 Uhr). Dafür hat Ahmadiyya bereits die kommunale Genehmigung. Der Antrag für einen Stand am Samstag, 4. März, im Zentrum von Erding sei bei der Stadtverwaltung gestellt, berichtet Naveed. Zum Flyer-Verteilen würden acht Autos mit Mitgliedern im Kreis Erding unterwegs sein.

Die Glaubensgemeinschaft gebe es schon seit den 1920er Jahren auch in Deutschland und habe dort mittlerweile 40 000 Mitglieder, sagt Naveed. Der 29-Jährige ist Imam der Ahmadiyya-Gemeinde München mit 240 Mitgliedern und der Moschee in Neufahrn (Kreis Freising). Dort lebt er seit August mit seiner Frau und zwei Kindern.

Die meisten Ahmadiyya-Anhänger seien geflüchtete Pakistanis. „Wir werden dort seit 1974 per Gesetz verfolgt“, erzählt Naveed. „In der Öffentlichkeit dürfen wir den Friedensgruß As-salamu alaikum nicht benutzen. Unsere Moscheen dürfen wir nicht Moschee nennen.“ Auch in anderen islamischen Ländern ist die Bewegung geächtet.

Die Glaubensgemeinschaft versuche schon seit ihrer Gründung Ende des 19. Jahrhunderts ihre Grundsätze darzustellen, sagt Naveed. Diese sind nach seinen Worten unter anderem die Trennung von Staat und Religion, die Gleichstellung von Mann und Frau sowie, dass in Glaubensfragen keine Gewalt angewendet werden dürfe. Darüber hinaus sieht Ahmadiyya seine Glaubensrichtung als den wahren Islam an. Der pakistanische Gründer sei der Messias.

„Wegen der Lage in der Welt“, so der Imam, sei die Informationskampagne in den vergangenen zwei Jahren forciert worden. „Wir können es nicht hinnehmen, dass unsere schöne Lehre so verunglimpft wird.“

Mit ihrem Missionseifer eckt die Bewegung in der islamischen Welt an. „Es gibt eine gewisse Scheu uns gegenüber“, gibt Naveed zu. Dennoch wolle er Brücken bauen, sagt der Theologe, der in London an der Hochschule der Ahmadiyya-Gemeinde studiert hat. Daher habe er in Regensburg auch an einem Runden Tisch aller muslimischer Verbände teilgenommen.

Nach Medienberichten stuft der Verfassungsschutz Ahmadiyya als friedlich und integrationswillig ein. 2013 wurde die Gemeinschaft in Hessen als erste muslimische Gemeinde in Deutschland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. „Dafür müssen wir transparent sein“, erklärt Naveed. Der Bau der bisher 50 Moscheen in Deutschland und auch die Informationskampagne würden ausschließlich aus Spenden der Mitglieder finanziert. 

Informationen im Internet

www.ahmadiyya.de

Timo Aichele

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