Aktionstag im August 

Erdings langer Weg zur fahrradfreundlichen Stadt

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Der Fahrradverkehr in der Stadt Erding soll mittels zweier Maßnahmen intensiver als bisher gefördert werden: kurzfristig mit dem Radaktionstag Mitte August und längerfristig mit der Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen.

Erding – Die Große Kreisstadt Erding will fahrradfreundlich sein. Dahingehend setzt sie nun „einen gewaltigen Farbtupfer“, wie Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) im Stadtentwicklungs-, Umwelt- und Verkehrsausschuss sagte. Am Dienstag, 15. August, wird es einen Radaktionstag geben. Der Termin ist nicht ganz willkürlich gewählt: In diesem Jahr feiert das Fahrrad seinen 200. Geburtstag, und zudem hat der Erdinger Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) sein 25-Jähriges.

Christian Famira-Parcsetich von der Stadtentwicklung im Rathaus stellte das Programm im Ausschuss vor. Zwischen 9 und 18 Uhr erhalten die Besucher Informationen an den Ständen von Stadt, Landratsamt, Polizei, ADFC, MVV und Radhaus Erding. Am Vormittag bietet der ADAC Kindern und Jugendlichen im Alter von acht bis 15 Jahren einen Geschicklichkeitsparcours, bei dem das richtige Verhalten im Straßenverkehr auf spielerische Weise erläutert wird. Nach dessen Ende gegen 13 Uhr steht der abgesperrte Schrannenplatz für Testfahrten mit unterschiedlichen Fahrradtypen zur Verfügung. Diese erfolgen auf eigenes Risiko. Auf dem Schrannenplatz wird auch eine Fahrradwaschanlage stehen.

„Kein Alkohol und keine laute Musik“

Am Abend können sich die Besucher nochmals verausgaben: Eine Mountainbike-Tour des Deutschen Alpenvereins und eine Radrenn-Tour der Radsportfreunde Pretzen stehen auf dem Programm. Für alkoholfreie Erfrischung den Tag über sorgt der Erdinger Weißbräu. „Kein Alkohol und keine laute Musik“, versprach Famira-Parcsetich in Anspielung auf mögliche Beschwerden von Anwohnern.

Aus dem Ausschuss gab es keine kritischen Stimmen. „Unsere Fraktion findet den Radaktionstag sehr gut“, sagte Petra Bauernfeind (Freie Wähler). Süffissant merkte sie zudem an: „Aktuell sieht’s ja so aus, als ob Fahrrad fahren das Beste ist.“ Bei den Auto-Kolonnen, die sich momentan beispielsweise durch die Arbeiten an der Fehlbachbrücke zu Stoßzeiten ergeben, ist dieser Eindruck nur schwer von der Hand zu weisen.

Im Hinblick auf Lärmbelästigung und Luftverschmutzung bleibe ohnehin nichts anderes übrig, als verstärkt aufs Fahrrad zu setzen, meinte Günther Kuhn (Grüne). Jakob Mittermeier (CSU) sieht in dem Aktionstag auch eine Chance, die seiner Beobachtung nach immer mehr werdenden Fahrradfahrer mit den Regelungen im Straßenverkehr zu konfrontieren. Er wisse zwar nicht, was dahingehend momentan an den Schulen unterrichtet werde, „aber scheinbar ist es nicht erfolgreich“.

Willi Scheib fragte nach, ob die AOK nicht auch beteiligt sei. Der SPD-Mann, der in Erding Beiratsvorsitzender der Gesundheitskasse ist, zeigte sich irritiert, als ihm Famira-Parcsetich mitteilte, dass diese abgesagt habe. Daran könne man sicher noch was ändern, so Scheib schmunzelnd.

In Sachen Fahrradfreundlichkeit hat die Stadt Erding weit mehr als nur den Radaktionstag im Blick. Ein Grundpfeiler des 2013 erstellten Radverkehrskonzepts ist die Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK). Dafür will die Stadt noch in diesem Quartal einen Antrag stellen.

Ist dieser erfolgt, nimmt ein Bewertungsgremium der AGFK die Fahrradfreundlichkeit Erdings genauer unter die Lupe. Die Untersuchung läuft im Hinblick auf die Schwerpunkte Service, Infrastruktur, Information und Kommunikation. Aus dem Ergebnis dieser sogenannten Erstbereisung, die noch im Herbst stattfinden könnte, formuliert die AGFK Empfehlungen an die Stadt, wie sie den Radverkehr weiter fördern könnte. Diese Liste muss innerhalb von vier Jahren abgearbeitet werden. Danach erfolgt die „Hauptbereisung“ inklusive Presse-Vertretern. Bei positivem Ergebnis empfiehlt die AGFK dem bayerischen Innenministerium, die Stadt als fahrradfreundliche Kommune auszuzeichnen.

Die Hürden für eine Aufnahme seien hoch, betonte Gotz, der versicherte: „Wenn wir es nicht schaffen, werden wir trotzdem die Fahrradfreundlichkeit vorantreiben.“

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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