Dr. Mojtaba Sadeghi ist Chefarzt der Gefäßchirogie. 
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Dr. Mojtaba Sadeghi ist Chefarzt der Gefäßchirogie. 
PD Dr. Lorenz Bott-Flügel ist Chefarzt der Kardiologie und Pneumologie. 
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PD Dr. Lorenz Bott-Flügel ist Chefarzt der Kardiologie und Pneumologie. 

Aktionstag des Klinikums auf dem Schrannenplatz

Ein ganzer Tag fürs Herz

Sie sind der Motor unseres Körpers: Herz und Kreislauf. 40 Prozent der Todesfälle sind auf Erkrankungen in diesem Bereich zurückzuführen. Was die Risiken sind und wie man sich schützen kann, wollten wir von den Chefärzten Dr. Lorenz-Bott-Flügel und Dr. Mojtaba Sadeghi vom Klinikum Erding wissen.

- Das Erdinger Klinikum veranstaltet am 13. Mai auf dem Schrannenplatz einen Aktionstag zu Herz, Gefäßen und Kreislauf. Sind diese Themen immer noch so relevant?

Lorenz Bott-Flügel: Ja, absolut. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die Todesursache Nummer 1 in Deutschland. Rund 40 Prozent der Menschen sterben an einer solchen Erkrankung. Rechnet man nicht natürliche Ursachen wie Unfälle heraus, dann sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen sogar für die Hälfte aller Todesfälle verantwortlich. Ein Problem ist die immer noch große Zurückhaltung bei der Laienreanimation, also der Wiederbelebung von Patienten mit Herz-Kreislaufstillstand. Nur 30 Prozent aller Patienten mit Herzstillstand werden von Laien reanimiert. In Europa befinden wir uns da auf einem der hinteren Plätze.

Mojtaba Sadeghi:Die demografische Entwicklung zeigt, dass unsere Lebenserwartung stetig ansteigt. Dabei gilt immer noch der Satz von Rudolf Virchow: „Der Mensch ist so alt wie seine Gefäße.“ Unsere Lebenserwartung hängt weniger von unserem biologischen Alter, sondern eher vom Zustand unseres Gefäßsystems, insbesondere des arteriellen Gefäßsystems, ab. Gefährlich wird es dann, wenn eine Gefäßerkrankung zu spät entdeckt und chronisch wird. Erfolgt keine rechtzeitige Behandlung, kann zum Beispiel die Arteriosklerose zum Ausgangspunkt für lebensbedrohliche Ereignisse wie einen Schlaganfall oder für die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) werden. Pro Jahr fallen dadurch rund 60 000 Amputationen an, von denen sicherlich ein erheblicher Teil hätte vermieden werden können.

-Weltweit betrachtet sind Infektionskrankheiten die Todesursache Nummer 1. Warum ist das bei uns anders?

Sadeghi: In Industrieländern wie Deutschland ist die Gesundheitsversorgung nicht nur sehr gut, sondern auch flächendeckend für die Bevölkerung zugänglich. Infektionskrankheiten haben wir hierzulande recht gut im Griff. Dazu kommt, dass wir – wie schon gesagt – immer älter werden.

Bott-Flügel: Und damit steigt auch die Zahl der Erkrankungen, die typischerweise im Alter zunehmen. Neben Krebs sind das nun mal in erster Linie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

-Welche Krankheiten gehören denn zu denen, die am häufigsten vorkommen?

Bott-Flügel: Da kann man zunächst nahezu alles nennen, was mit dem Herz zu tun hat. Die Koronare Herzkrankheit steht ganz oben auf der Liste, die zu Herzinfarkt und Herzmuskelschwäche führen kann.

Sadeghi: Auch viele weitere haben mit den Gefäßen zu tun, wenn man von den Krebserkrankungen absieht. Genau wie die Volkskrankheit „Schaufensterkrankheit“ kann die Arteriosklerose zu einer lebensbedrohlichen Aussackung der Hauptschlagader führen, einem so genannten Aorten-Aneurysma, das durch eine Ruptur der Hauptschlagader zum Tod führen kann.

-Worauf kann jeder einzelne denn achten, um sein eigenes Risiko zu verringern?

Sadeghi:Da kommen an erster Stelle die klassischen Themen wie gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung. Man kann es aber auch nicht oft genug wiederholen: Beides gehört zu den einfachsten und gleichzeitig wichtigsten Methoden, damit das Herz-Kreislauf-System so lang wie möglich gesund bleibt. Und dabei muss man gar nicht viel Aufwand betreiben. Es hat bereits positive Auswirkungen, wenn man beim Essen auf zu viel Fett und Salz verzichtet und regelmäßig spazieren geht.

Bott-Flügel: Beides werden wir auch an dem Aktionstag neben unseren Abteilungen vorstellen. Es wird eine Ernährungsberatung geben, einen Fitnessparcours für Groß und Klein, eine Teddyklinik und eine Beratung zur sportlichen Leistungsdiagnostik. Da ist dann für jeden was dabei, egal in welcher Alters- und Fitnessgruppe. Wir wollen nicht nur mit erhobenem Zeigefinger dastehen, sondern zeigen, dass die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch Spaß machen kann.

-Ernährung und Bewegung, das klingt recht einfach. Ist das tatsächlich schon alles?

Sadeghi: Irgendwann kommen mit zunehmendem Alter Verschleißerscheinungen dazu. Mit einem gesunden Lebensstil kann man das aber hinauszögern. Wichtig ist: Ab einem gewissen Alter sollte man sich regelmäßig beim Hausarzt durchchecken lassen und die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, die angeboten werden. Das gilt erst recht für diejenigen, die bereits über Beschwerden zu klagen haben.

Bott-Flügel: Es gibt viele Erkrankungen, die gut behandelt werden können, wenn man sie rechtzeitig entdeckt. Einer der Hauptrisikofaktoren für viele Herzkrankheiten ist zum Beispiel Bluthochdruck. Der macht zunächst jahrelang keine Beschwerden – aber wenn er unbehandelt bleibt, steigt dadurch das Risiko für mehrere ernsthafte Erkrankungen. Wird er hingegen frühzeitig erkannt und behandelt, so dass der Blutdruck wieder auf ein normales Niveau kommt, hat man einen wesentlichen Risikofaktor im Griff.  red

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