+
„Alice im Anderland“ – das Märchen von Patientin 263, wie es wahnsinniger nicht sein könnte – bringt das Junge Theater Erding auf die Bühne. In den Hauptrollen: Géraldine Chalaud als Alice (r.), Benjamin Stang als Grinsekatze und Janine Bach als Herzkönigin (nicht im Bild). Die drei geben mit diesem Stück auch ihr Regie-Debüt.

DAs Junge Theater: „Alice im Anderland“ 

Vom Wunderland in die Nervenheilanstalt

  • schließen

Die Geschichte von Alice, die durch den Kaninchenbau fällt und im Wunderland landet, gehört zur Weltliteratur. Eine ganz andere Adaption des Stoffes, düster und gruselig, bringt „Das Junge Theater“ auf die Bühne der Stadthalle. „Alice im Anderland“ heißt ihr Debüt.

Erding Ob Grinsekatze, verrückter Hutmacher oder Herzkönigin: Die Figuren von Lewis Caroll sind weltweit bekannt. Mit seinem Kinderbuch „Alice im Wunderland“ aus dem Jahr 1865 schuf der britische Schriftsteller einen fantastischen Stoff, der unzählige Male adaptiert wurde – vom klassischen Walt-Disney-Zeichentrick bis zum modernen 3D-Fantasy-Abenteuer von Regisseur Tim Burton.

Eine ganz besondere Herangehensweise an den 150 Jahre alten Stoff hat Stefan Altherr – eigentlich Gymnasiallehrer für Mathematik und Physik – gewählt. Aus seiner Feder stammt das Theaterstück „Alice im Anderland“, mit dem der Schauspielnachwuchs der Volksspielgruppe Altenerding sein Debüt feiert: Es ist die erste Inszenierung des jungen Theatergrüppchens.

„ ,Alice im Anderland’ ist ein gruseliges und düsteres Psychomärchen und definitiv keine Gute-Nacht-Geschichte“, sagt Benjamin Stang, der gemeinsam mit Géraldine Chalaud und Janine Bach Regie führt. Alle drei sind keine Unbekannten in der Erdinger Kunst- und Kulturszene. Sie sind schon mehrfach für die Volksspielgruppe auf der Bühne gestanden.

Bach ist zudem musikalisch vor allem unter ihrem Mädchennamen Janine Hecht bekannt. Das Publikum erwartet also auch Gesangsdarbietungen, die die momentane Stimmung in der jeweiligen Szene untermalen. So unterstreicht die Herzkönigin etwa ihre dunklen Absichten mit dem Klassiker „Killer Queen“ der Kultband Queen. Auch ein choreografischer Teil ist geplant.

Zum Inhalt: Viele Jahre nach ihrem Aufenthalt im Wunderland sterben Alice’ Eltern bei einem Brand. Als einzige Überlebende findet sie sich im Anderland wieder, in der Nervenheilanstalt Ramstein-Miesenbach, wo die Grenze zwischen Realität und Wahnsinn verschwimmt.

Mit der Grinsekatze als ständige Begleitung begegnet sie den anderen Patienten – vom Kaninchen bis zum Hutmacher. Obwohl sie Alice wie in einer Traumwelt erscheinen, hat jeder von ihnen mit seinen eigenen, sehr realen Problemen zu kämpfen. Es geht um Sucht, Traumata, Verfolgungswahn und den Umgang der Gesellschaft damit. Alice findet heraus, dass sie alle Opfer der dunklen Herrschaft der Herzkönigin geworden sind und beschließt, sich mit den anderen von ihrer Unterdrückung befreien. Doch am Ende findet sie sich ganz auf sich alleine gestellt. . .

Das Regie-Trio steht dabei auch selbst auf der Bühne. Chalaud spielt die Titelrolle der Alice, Stang verkörpert die Grinsekatze, und Bach ist als Herzkönig zu sehen. Die weitere Besetzung: Dominik Paul und Laura Lindner (Ärzte), Veronika Schubert (Kaninchen), Tim Lanzinger (Hutmacher), Jaime Mendez Lombardero (Hofstaat), Franziska Undis (Raupe), Simone Manke (Köchin), Miriam Schneider (Herzogin), Quentin Voitel (Herzbube) sowie Adrian Mehringer und Carina Fiedler (Lakaien). Nina Zischek fungiert als Souffleuse.

„Besonders gut gefällt uns die Mischung von düsterem Beigeschmack und viel Witz. So viele Charaktere, und doch stellt jeder für sich Einzigartigkeit dar – zwar erinnernd an ,Alice im Wunderland‘, jedoch wurde jedem ein psychischer Schaden verpasst. Einfach verrückt und unterhaltsam“, beschreiben die Regisseure das Stück.

Sie haben sich ganz bewusst für das „Psycho-Märchen“ entschieden, das vor allem Schüler der 7. bis 13. Jahrgangsstufe anspricht. Für Schulklassen wird es daher an zwei Vormittagen aufgeführt. Dazu gibt es umfangreiches Begleitmaterial, das die Regisseure zusammengestellt haben.

„Alice im Anderland“ thematisiert psychische Störungen „auf eine absolut wahnsinnige Art und Weise“. Die Krankheitsbilder, zu jeder Szene passend, werden in den Zwischenszenen von den „Ärzten“ auf der Bühne analysiert. Somit erlangt der Zuschauer auch Hintergrundwissen zur jeweiligen Krankheit – von der multiplen Persönlichkeitsstörung über Verfolgungswahn (Paranoia) und Posttraumatische Belastungsstörung bis hin zu Kadavergehorsam.

Tickets & Vorstellungen

Premiere feiert „Alice im Anderland“ am Dienstag, 26. September, um 20 Uhr in der Stadthalle Erding. Eine weitere Abendvorstellung ist am Freitag, 29. September, um 20 Uhr. Karten dafür kosten jeweils 17,70 Euro.

Speziell für Schulen gibt es zwei Inszenierungen am Mittwoch und Donnerstag, 27. und 28. September, jeweils um 10.30 Uhr. Tickets hierfür kosten 8 Euro für Schüler, Lehrer sind frei.

Der Vorverkauf bei der Stadthalle Erding sowie bei Eventim läuft.

Alle Infos gibt’s online auf www.das-junge-theater.de.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Jubiläum: Tanzparty voller Erinnerungen
50 Jahre Bandgeschichte – darauf können die Panzerknacker zurückblicken. Die Musiker und ihre Fans feierten das Jubiläum gebührend im ausverkauften Jakobmayersaal. …
Jubiläum: Tanzparty voller Erinnerungen
Wirtspaar Stulberger sagt Servus 
46 Jahre lang haben Peregrin und Ingrid Stulberger ihr Gasthaus in Maria Thalheim geführt. Vereinsvertreter haben sich jetzt für ihre außergewöhnliche Gastfreundschaft …
Wirtspaar Stulberger sagt Servus 
Nur noch 99 Lieferanten
Die Milchpreise in unserer Region sind derzeit nicht gut – aber auch nicht ganz schlecht. Das war beim Milchwirtschaftlichen Frühschoppen zu hören. Schlecht schaut’s …
Nur noch 99 Lieferanten
Tadinger gründen Interessengemeinschaft
Um eine sinnvolle Lösung für den Anschluss von Drainagen ans Leitungsnetz schlossen sich 40 Anliegerfamilien aus Tading zur Interessengemeinschaft „IG Drainagen Tading“ …
Tadinger gründen Interessengemeinschaft

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.