Einkaufen mit Termin: Shoppen geht momentan in Erding nur nach vorheriger Anmeldung. Spontane Termine sind aber auch möglich.
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Einkaufen mit Termin: Shoppen geht momentan in Erding nur nach vorheriger Anmeldung. Spontane Termine sind aber auch möglich (Symbolbild).

Einzelhändler sind froh über Ladenöffnungen, wünschen sich aber „logischere Regeln“

„Alles ist besser, als geschlossen zu haben“

Durch die Läden bummeln, hier und da kurz reinschauen, weiterschlendern: Einkaufen, wie wir es gewohnt sind, geht schon lange nicht mehr. Immerhin ist der Einzelhandel seit knapp zwei Wochen wieder geöffnet, im Landkreis derzeit aber nur mit Click & Meet. Wie ist es den Läden in dieser Zeit ergangen?

Erding – Wolfgang Kraus vom Modehaus Kraus am Eck in Erding ist der Meinung, dass die „häufigen Änderungen auf jeden Fall eine gewisse Flexibilität erfordern“. Das Geschäft ertrage auch das mit Geduld, weil alles besser sei, als geschlossen zu haben. „Click & Meet bedeutet nicht, dass es wie bei einem Friseur notwendig ist, drei Wochen im Voraus einen einstündigen verbindlichen Termin zu vereinbaren“, sagt Kraus. Die Geschäfte dürften, entsprechend ihrer Größe, eine gewisse Anzahl an Personen empfangen. Um dies steuern zu können, müssen Kontaktdaten erfasst werden. „Mit dem jetzigen Konzept würden wir zurecht kommen, wenn man wüsste, dass es erst einmal so bleibt und der Laden nicht nach kurzer Zeit wieder geschlossen werden muss“, sagt er.

Doch ist auch möglich, sich vor Ort für einen „Sofort-Termin“ unkompliziert anzumelden

Mit dem gleichen System ist auch das Gewandhaus Gruber geöffnet. „Jeder Kunde muss sich im Voraus anmelden und seine Kontaktdaten abgeben. Dies ist durch eine Voranmeldung über ein Buchungsprogramm möglich, damit auch Kunden, die von weiter weg kommen, die Sicherheit haben, den Laden betreten zu dürfen“, erklärt Leopold Gruber. Doch es sei auch möglich, sich vor Ort für einen „Sofort-Termin“ unkompliziert anzumelden, betont er.

Gruber ist ebenfalls der Meinung, dass es sehr aufwendig sei, alle Vorgaben einzuhalten. Es bestehe das Gefühl, dass die meisten Kunden nicht wirklich informiert sind, ob die Läden nun geschlossen oder offen sind. Falsche Angaben im Internet würden zusätzlich verwirren.

„Ich finde es ein wenig unfair, da andere Geschäfte fast keine Einschränkungen haben“, sagt er. „Auch durch unser Motto ,Viel Platz, viel Luft und viel Schönes‘ ist zu erkennen, dass sich die geringen Menschenmengen in unserem Haus sehr gut verteilen können. Wir werden trotzdem stärker gegängelt als etwa Supermärkte, in denen die Kunden teilweise direkt nebeneinander stehen.“ Für die Zukunft brauche es eine gewisse Perspektive, die länger als eine Woche andauert. Zudem sei es derzeit ein großer organisatorischer Aufwand, sowohl für die Personalplanung als auch in der Warenbeschaffung. Für Gruber wäre es „wünschenswert, wenn es etwas logischere Regeln geben würde, die fair sind und mit denen jeder gleich behandelt wird.“

Buchhandlungen dürfen normal geöffnet haben

Buchhandlungen zählen inzwischen zur Grundversorgung, „wir dürfen also immer geöffnet haben“, erzählt Alexandra Stangl, Filialleiterin der Buchhandlung Thalia an der Langen Zeile. „Wir haben ein ordnungsgemäßes Hygienekonzept, verfügen über reichlich Desinfektionsmittel, zählen die Kunden im Geschäft und versuchen somit alles, damit sie sich nicht in unserem Laden anstecken können.“ Stangl ist der Meinung, wenn diese Vorgaben in den anderen Betrieben auch umgesetzt werden, müsse es eigentlich funktionieren. „Für den Buchhandel ist das derzeitige Konzept in Ordnung. Wünschen würden wir uns aber, dass andere Läden auch wieder öffnen dürfen.“

Guido Krutscher, Inhaber der Hoedemarker Goldschmiede in Erding, erklärt, dass sein Unternehmen circa drei Monate schließen musste. „Diese Zeit war nicht ganz einfach für unseren Laden.“ Die Hilfe des Staats sei sehr mager. „Unser Geschäft gibt es seit 64 Jahren. Wir zahlen selbstverständlich Steuern. Aber seit längerer Zeit geht es uns schlecht, und wir bekommen keine wirkliche Hilfe.“ Click & Collect sei nur leidlich angenommen worden, und es handle sich dabei um ein marginales Geschäft. „Aber die Woche, in der die reguläre Öffnung bestand, lief sehr gut“, sagt Krutscher.

Was er nicht nachvollziehen könne, sei, dass etwa Baumärkte, in denen sich viele Menschen ansammeln, vollständig öffnen dürfen und kleinere Läden, die es ohnehin schwerer hätten, nicht. „Für mich ist das eine reine Regierungsangelegenheit. Meines Erachtens handelt die Politik nicht richtig, da ich das nicht für logisch halte.“ Besonders froh ist Krutscher in diesen Zeiten über seine langjährigen Kunden. „Es berührt mich sehr, solche Kunden zu haben.“

Für Joachim Brunner, Inhaber des Geschenkladens „Gewusst Wo“, wäre es wichtig, „eine Basis zu haben, die uns sagt, was momentan möglich ist“. Mehr denn je müsse man derzeit darauf achten, die passende Menge an Ware einzukaufen, die dann natürlich auch nicht an Qualität verlieren dürfe. „Es ist alles sehr ungewiss, und die Kunden sind enorm verunsichert darüber, was erlaubt ist und was nicht“, sagt Brunner, der berichtet, in seinem Geschäft sei es derzeit „sehr ruhig“.

Melina Gruber

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