Das Energiebündel mit der blonden Mähne: Doro Pesch rockte 2014 in der Schiaßn. Ein unvergesslicher Abend für Redakteur Markus Schwarzkugler.
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Das Energiebündel mit der blonden Mähne: Doro Pesch rockte 2014 in der Schiaßn. Ein unvergesslicher Abend für Redakteur Markus Schwarzkugler.

Serie: Unser Autor blickt noch gerne auf einen Akustik-Abend mit Doro Pesch in der Schiaßn zurück

Unsere Kulturerinnerungen: Als Metal-Königin Doro die Herzogstadt rockte

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Es ist es still geworden um die Kultur. Deswegen erinnern wir uns in unserer neuen Serie an besondere Veranstaltungen der Vergangenheit. Heute: ein ganz besonderer Heavy-Metal-Abend mit Doro in Erding.

Erding – Die Metal-Queen in Erding? Da riss es mich fast aus dem Redaktionsstuhl. Keine Frage, wer von diesem Akustik-Weihnachtskonzert in der damaligen Schiaßn im Dezember 2014 berichten würde. Endlich mal ein gscheits Konzert bei uns, dachte ich mir. Metal in der Herzogstadt? In der Regel Fehlanzeige. Also auf zu Legende Doro Pesch, in den 80ern bekannt geworden mit der Band Warlock und Hits wie „All We Are“, seither solo erfolgreich. Doro gibt damals mit ein paar ihrer Bandkollegen ein Exklusivkonzert für 250 glückliche Gewinner einer RockAntenne-Aktion.

Die große Frage: Ist dieses 1,60-Meter-Energiebündel mit der blonden Mähne und der markanten schwarzen Augenschminke auch abseits der Bühne, fern von TV-Kameras, eine so sympathische Erscheinung wie sie das immer zu sein scheint? Klares Ja. Authentischer geht kaum.

Dass sie ihre Musik, den Metal, und vor allem ihre Fans, die Metalheads, so sehr liebt, das ist nicht bloß so dahingesagt. Das betont sie quasi in jeder Pause nach jedem Song – nicht nur bei dem kleinen Auftritt in Erding, sondern überall auf den Bühnen dieser Welt. Ein gewisser Fremdschämfaktor stellt sich da automatisch ein – gerade bei einem Metal-Konzert. Aber dieser sympathischen Frau, man kauft es ihr einfach ab, man nimmt es ihr nicht krumm. Sie meint es halt wirklich so.

Und sie ist ein Vollprofi. Ein Kollege vom „Rock It“-Magazin und ich versuchen während der ersten drei Songs, mit Schmerzen in Oberschenkel und Rücken, halbwegs vernünftige Fotos hinzubekommen. Schmerzen? Ja, es ist eng vor der kleinen Bühne. Der Bühnengraben ist eigentlich kein Graben, man muss aufpassen, der guten Doro mit der Kamera nicht ein Bein zu stellen. Doch Vollprofi Doro macht’s uns maximal einfach. Sie posiert zu Beginn immer wieder so, dass wir Fotografen locker schöne Bilder hinbekommen – trotz aller beengter Verhältnisse und spitzer Winkel.

Dabei hilft wahrscheinlich auch, dass ihr die beiden Reporter auf den ersten Blick sympathisch sind. Klar, der eine ist in kompletter Metal-Kluft erschienen, der andere, also ich, hat immerhin ein Wacken-Shirt an. Das gefällt der Königin, die auf dem größten Metal-Festival der Welt im hohen Norden ja alljährlich residiert. So wie ich übrigens im letzten Jahrzehnt auch fast immer. Neunmal war ich in Wacken dabei, mein zehntes Jubiläum hat mir zuletzt Corona zunichte gemacht.

Herzblut ist das erste Wort meines damaligen Berichts über Doros Auftritt, und es ist auch das letzte jenes Artikels. Diese Begriffsklammer beschreibt nicht nur ganz gut das Wesen der Metal-Queen, sondern auch der gesamten Szene. Metal heißt nicht einfach nur, mal nebenbei im Radio was mitzuhören und ganz nett zu finden. Es ist eine Lebenseinstellung. Mehrere Stunden Beschallung? Unbedingt. Aber bitte jeden Tag!

Den 21. Februar 2020 habe ich noch gut im Kopf. Testament, Exodus und Death Angel – drei Thrash-Legenden im ausverkauften, heillos vollgestopften, vor Schweiß triefenden Münchner Backstage-Werk. Es bleibt mein bis dato letztes Konzert, das ich besucht habe. Wenige Tage später hieß es bereits, dass ein paar Mitglieder genannter Bands an Covid-19 erkrankt waren (und sicherlich auch einige Fans).

Keine Frage, die aktuelle Konzert-Zwangspause ist alternativlos. Trotzdem bleibt das hoffentlich nicht mehr allzu lange Dauerzustand. Gespräche mit guten Spezln, aber auch mit bis vor dem Konzert noch wildfremden Menschen, das fehlt mir schon ein bisschen; mit angenehmen, aufgeschlossenen Menschen.

Musik bedeutet Freiheit, eine gute Zeit haben, Mensch sein. Egal, wie alt man ist, woher man kommt, welche Hautfarbe oder welchen Job man hat, welcher Religion man angehört. Nirgendwo anders wird das meiner Meinung nach so sehr gelebt wie in der Metal-Szene. Hoffentlich kann es bald wieder Konzerte geben – gerne auch wieder mit Doro in Erding.

Kulturerinnerungen

Es ist es still geworden um die Kultur. Kino, Stadthalle, Jakobmayer – alle Spielstätten haben geschlossen. Und vermutlich werden sie nach dem Corona-Lockdown auch als letzte wieder öffnen. Damit die Kultur nicht ganz in Vergessenheit gerät, schwelgen wir ein wenig in Erinnerungen. In loser Folge erzählen Redakteure und Reporter von ihren beeindruckendsten Konzerten, Kabarettabenden, Theater- oder Filmaufführungen im Landkreis.

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