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Kein Mauerbau zum Hochwasserschutz: Die Freien Wähler Erding und die Bürgerinitiative Naturnaher Hochwasserschutz unternahmen mit Betroffenen und den beiden FW-Landtagsabgeordneten Nikolaus Kraus und Benno Zierer (2./3. v. l.) eine Begehung an der Sempt. Die Mauer an der Landgerichtsstraße wurde per Installation (l.) simuliert. 

Altenerding: Umweltminister soll beim Hochwasserschutz helfen

Die Altenerdinger machen mobil gegen die Pläne des Wasserwirtschaftsamtes München, den Hochwasserschutz entlang der Sempt mit Dämmen und Mauern umzusetzen. 

Altenerding  – Die Anlieger machen mobil gegen die Pläne des Wasserwirtschaftsamtes (WWA), den Hochwasserschutz im Stadtbereich mit Dämmen und Mauern umzusetzen. Die Freien Wähler Erding und die Bürgerinitiative Naturnaher Hochwasserschutz hatten am Dienstagabend mit Erdinger Bürgern sowie die beiden FW-Landtagsabgeordneten Benno Zierer und Nikolaus Kraus zu einer Begehung eingeladen, um die Politik ins Boot zu holen. Sempt-Anlieger öffneten ihre Gärten für den Ortstermin.

Die Forderung der Betroffenen: eine regelmäßige Bachauskehr, um das Volumen für die Wasseraufnahme zu erhöhen, ein digitales Wehrmanagement und dezentrale Regenrückhaltemaßnahmen. Das WWA soll so zum Umdenken bewegt werden. Früher sei die Sempt alle zwei Jahre ausgebaggert worden. Jetzt werde seit Jahrzehnten nichts mehr gemacht, wurde kritisch angemerkt.

Bei der Besichtigung des Flusslaufs an der Landgerichtsstraße mit idyllischen Uferbereichen, dichtem Baumbewuchs und Stegen zum Wasser hin, wurde erläutert, dass für den Mauerbau entlang der Sempt mit maximal 1,45 Metern Höhe auf einer Länge von etwa 600 Metern 200 Bäume gefällt werden müssten. Die Mauer wurde als Installation anschaulich simuliert. Von „Kahlschlag“ war die Rede.
Laut Wasserwirtschaftsamt ist angeblich „kein einziger schützenswerter Baum an der Strecke“, kritisierte Ortssprecher Georg Bichlmaier. Er zeichnet gemeinsam mit Anton Bichlmeier, Rainer Hörl und Josef Stimmer für die Unterschriftenaktion zum naturnahen Hochwasserschutz verantwortlich (wir berichteten). 1700 Unterzeichner habe man schon zusammen. Ziel seien 2500. Auch eine Petition läuft.

Hans Fehlberger, FW-Fraktionssprecher im Stadtrat, verwies auf den bestehenden Uferschutz durch Wurzelwerk, plädierte für einen maßvollen Hochwasserschutz und meinte: „Die Sofortmaßnahmen 2013 waren gut und unkompliziert.“

Anwesende äußerten die Sorge, dass der Mauerbau die Fließgeschwindigkeit des Wassers „massiv erhöhen“ würde. Als „Flaschenhals“ bezeichnete Fehlberger die relativ niedrige Ardeo-Brücke.

Dritter Landrat Rainer Mehringer (FW) gab grundsätzlich zu bedenken: „Wir müssen auch an die Unterlieger denken.“ Der Ortstermin machte deutlich, wie einschneidend und einschränkend die vom WWA favorisierte Lösung des linearen Hochwasserschutzes für die Anlieger wäre, und wie stark die Maßnahmen das Stadtbild verändern würden.

Zierer und Kraus versprachen ihre Unterstützung, um bei FW-Umweltminister Thorsten Glauber Gehör zu finden. (Vroni Vogel)

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