Trügerische Idylle im Althamer Moos. Der Feldweg an der imposanten Esche mit Feldkreuz und Flurbereinigungsstein vorbei führt mitten durchs Überschwemmungsgebiet. Das wissen (v. l.) Andreas Röslmair, Lorenz Hellinger, Josef Biller und Hans-Jörg Ostermaier. Das Bankerl aus Maibaum-Holz wurde 2013 vom Hochwasser weggespült.
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Trügerische Idylle im Althamer Moos. Der Feldweg an der imposanten Esche mit Feldkreuz und Flurbereinigungsstein vorbei führt mitten durchs Überschwemmungsgebiet. Das wissen (v. l.) Andreas Röslmair, Lorenz Hellinger, Josef Biller und Hans-Jörg Ostermaier. Das Bankerl aus Maibaum-Holz wurde 2013 vom Hochwasser weggespült.

Josef Biller sieht seine Heimat in Gefahr und fordert Wasserwirtschaftsamt zum Handeln auf

Hochwasser: „Altham und Eichenkofen völlig ohne Schutz“

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Der Hochwasserschutz für die Stadt Erding wird derzeit kontrovers diskutiert. In Altham und Eichenkofen fühlen sich die Bürger im Stich gelassen. Für ihre Ortschaften gibt es keine Schutzpläne.

Eichenkofen/Altham – Idyllisch ist es im Althamer Moos. Ein Feldweg schlängelt sich von der Sempt-Brücke in der Ortsmitte nach Westen. Der Blick ist weit. Nur einige Baumreihen lassen erahnen, wo der Fehlbach fließt. Diesen landwirtschaftlich geprägten Bereich hat das Wasserwirtschaftsamt (WWA) München im Rahmen seines Hochwasserschutzkonzepts für die Stadt Erding als Überschwemmungsgebiet auserkoren. Aber: „Das Areal ist von der Dimension nicht dafür geeignet, das ganze Wasser aufzunehmen“, sagt Josef Biller und bittet das WWA dringend um einen Ortstermin.

Biller weiß wovon er spricht. Der langjährige CSU-Stadtrat und Kreisrat (1990-2020) ist in Altham zuhause und sieht seine Heimat wie den Nachbarort Eichenkofen im WWA-Konzept „völlig außer Schutz“. Bei einem Spaziergang im Moos schildert der 70-Jährige gemeinsam mit Ortssprecher Lorenz Hellinger, Hans-Jörg Ostermaier (Vorsitzender der Ortsgemeinschaft Altham) und dem BBV-Ortsobmann Andreas Röslmair die knifflige Lage und zeigt Lösungswege auf.

Sie alle erinnern sich noch allzugut an das Juni-Hochwasser 2013, als über Tage hinweg unzählige Keller vollliefen und sich in Folge des bedrohlich angestiegenen Grundwasserpegels sogar ein kleiner See mitten auf einer Wiese nahe der Wohnbebauung gebildet hatte. An mehreren Häusern seien nachweisbar die wasserdicht gefertigten Kellerwände aus Stahlbeton geborsten, so Biller.

Ein Grundwassersee hatte sich 2013 nach dem Starkregen nahe der Wohnbebauung gebildet. Auch Keller liefen voll. Im Hintergrund ist das Überschwemmungsgebiet zwischen Sempt und Fehlbach zu sehen.

Er betont: „Die Hochwasserproblematik im Erdinger Norden lässt sich nicht nur mit Dämmen oder Mauern an der Fehlbachstraße bei Langengeisling lösen. Will man ihr wirklich mit Schutzmaßnahmen begegnen, muss man den Fehlbach wie zu Urzeiten auch in den Westen ausufern lassen und im Sinne einer Renaturierung auch die Fluren westlich des Fehlbachs als Überschwemmungsgebiet ausweisen.“

Deutlich höher ist das Westufer (l.) des Fehlbachs samt Straße im Vergleich zum Ostufer Richtung Langengeisling. Das ist ein Grund, warum das Hochwasser nicht Richtung Kronthaler Weiher abfließen kann.

Aktuell kann das Wasser auf der Westseite nicht mehr ablaufen, weil das Ufer dort deutlich höher liegt als auf der Ostseite Richtung Langengeisling, Altham und Eichenkofen. Dieser topografische Unterschied habe sich im Zuge des Baus der Straße zum Kieswerk Kronthaler und von dort weiter nach Langengeisling entwickelt, weiß Biller. Der Althamer schlägt vor, diese Situation im Zuge des Baus des S-Bahn-Ringschlusses zu ändern. So könnten „kostensparende Synergien genutzt und die Planungen zum Hochwasserschutz mit den ebenfalls aktuell laufenden Planungen des Eisenbahnbundesamts zum S-Bahnringschluss“ abgestimmt werden. Außerdem solle geprüft werden, inwieweit es möglich ist, „die S-Bahn mit einem Damm und einer Brücke über den Fehlbach zu führen und zugleich das ausschließliche Ausufern des Fehlbachs in die Langengeislinger Fluren über entsprechende Ausuferungs- und Entlastungsöffnungen nach Westen hin zu verhindern. Biller ist überzeugt, damit „zwei Fliegen auf einen Schlag“ zu erledigen, bei einer Aufteilung der Kosten.

All seine Überlegungen hat der 70-Jährige dem WWA schriftlich dargelegt. Dass die Behörde ausschließlich vom Ist-Zustand des Fehlbach-Ufers ausgeht, ist für den 70-Jährigen ein „schwerwiegender systemischer Fehler“. Schließlich sei die Straße in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend aufgekiest, verdichtet und am Ende mit einer starken Tragschicht aus Teer versehen worden. Früher habe der Fehlbach ganz natürlich auch nach Westen hin ausufern können und dort die Fluren überschwemmt – ohne Häuser zu gefährden. Dies könne durch Öffnungen in Teilen wieder ermöglicht werden.

Biller sieht den Hochwasserschutz für Erding als gemeinsame Kraftanstrengung von Süden nach Norden. Nur durch eine zeitliche Versetzung könne die Welle abgemildert werden. Er hält nach wie vor ein Rückhaltebecken bei Niederwörth für notwendig, gerne auch kleiner dimensioniert als die 1,3 Millionen Kubikmeter Stauvolumen. Dieses Becken spielt bekanntlich in den WWA-Plänen keine Rolle mehr. Vielmehr favorisiert die Behörde jetzt – wie mehrfach berichtet – in Bergham, Altenerding und Erding Schutzmauern und Dämme entlang der Sempt sowie am Fehlbach bei Langengeisling. Diese Mauern könnten bei einem kleiner dimensionierten Rückhaltebecken dann niedriger ausfallen, so Biller.

Zum Schutz von Eichenkofen und Altham schlagen Biller und seine Mitstreiter zudem niedrige Dämme und ein Aufkiesen der nach Norden verlaufenden Moosstraße vor. Auch OB Max Gotz und die frühere Umweltministerin Ulrike Scharf (MdL) hat Biller über das Schreiben ans WWA informiert. Nun wartet er auf Antwort.

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