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Handgemachtes aus Second-Hand-Stoffen stellen (v. l.) Kathrin Reischenbeck aus Neufinsing, Theresa Kelcso aus Poing und Vera Hammel aus Erding her. In der Hand halten sie drei ihrer persönlichen Lieblingsprodukte.

Junges Unternehmen

Aus Alttextilien werden Federmapperl

Landkreis – Wie können alte Klamotten und Stoffe wieder verwendet werden? Eine Lösung hat die Jungfirma „Baydl’s“ gefunden: Federmäppchen und Ordnertaschen. Zu den aktiven Produzenten gehören auch drei junge Frauen aus Finsing, Erding und Poing.

Die neunzehn Schüler der Münchner Fachakademie für Ernährungs- und Versorgungsmanagement haben 91 Kilogramm Stoff gesammelt und wiederverwertet. Daraus entstehen handgefertigt bunte Federmapperl und Ordnertaschen, die bei Kunden sehr gut ankommen. Produziert und verkauft werden sie unter dem Firmennamen „Baydl’s“.

Für dieses Unternehmen verantwortlich sind 17 junge Frauen und zwei Männer, die sich alle in München zum Betriebswirt für Ernährungs- und Versorgungsmanagement fortbilden. Drei von ihnen kommen aus der Region. Neben Kathrin Reischenbeck (22 Jahre) aus Neufinsing und Vera Hammel (21) aus Erding besucht auch Theresa Kelcso (22) aus Poing die Fachakademie. Die jungen Frauen sind Mitgründerinnen von „Baydl’s“.

Die angehenden Betriebswirte hatten im Fach Existenzgründung die Aufgabe, eine zeitlich befristete Juniorfirma zu gründen. Viele Ideen drehten sich ums Nähen. Haupthintergrund des dann begonnenen Projekts ist der Aspekt Nachhaltigkeit. „Positiv ist aber auch, dass wir keine hohen Materialkosten haben“, erklärt Kelcso.

Einig war sich die Klasse auch beim Firmennamen „Baydl’s“, also dem bayerischen Ausdruck für Beutel. Neben der Mitarbeit in der Produktion haben die drei jungen Frauen Zusatzaufgaben. Kelcso ist 2. Vorsitzende, Hammel Messeleiterin und Reischenbeck 2. Produktionsleiterin. Sie hat zudem den Erkennungssong der Firma eingesungen. Die Firmengründung ist eine wertvolle Erfahrung, erläutert die Finsingerin: „Wir wissen jetzt, dass hinter der Selbstständigkeit harte Arbeit steckt.“

Im November 2015 begann die Produktion. Auf dem Weihnachtsmarkt in Germering wurden ihnen die Ordnertaschen (Preis: jeweils 19,90 Euro) und Mäppchen (jeweils 9,90 Euro) nur so aus den Händen gerissen, erzählen die jungen Frauen erfreut. Mittlerweile wird jeden Mittwoch und Freitag mehrere Stunden produziert. Wenn alles gut läuft, entstehen an einem Nachmittag zehn Federmäppchen. Durch die geringen Auflagen der Stoffe sind alle Endteile Unikate.

Den angehenden Betriebswirtinnen macht die Arbeit richtig Spaß. „Wir sind mit Herzblut dabei, die harte Arbeit lohnt sich“, sagt Hammel. „Unsere Qualität ist mittlerweile sehr gut, und wir sind nach jeder Produktion stolz“, sagt Reischenbeck. Kelcso ergänzt: „Unsere Produkte sind mit Liebe gemacht. Jedes Stück ist einzigartig, weil wir nie die selbe Stoff-Kombination haben.“ Glücklich sind die Drei, dass sie Mitte März bei der Junior-Messe in Regensburg unter 30 Mitbewerbern den Award für den besten Messestand erhalten haben.

Interessierte, die sich ein Produkt von „Baydl’s“ sichern möchten, müssen schnell sein: Die Firma wird im Juli wieder aufgelöst, da sie mit dem Praxisjahr verbunden ist. Das absehbare Ende bedauern auch die Schüler. Hammel: „Es hat sich alles so gut eingespielt.“ Es ginge nur weiter, wenn sich nach der Ausbildung ein Schüler der Betriebswirt-Klasse mit der Idee selbstständig machen möchte.

Davor wird es aber noch mindestens einen „Baydl’s“-Verkaufsstand, eventuell schon im April, geben. Termin und Ort werden auf www.baydls.wix.com/baydls bekanntgegeben. Eine positive Nachricht hat Reischenbeck schon an die 90 Personen, die die Juniorfirma mit Anteilscheinen beim Startkapital (900 Euro) unterstützt hatten: „Wir haben nun schon so viel Gewinn gemacht, dass jeder seine zehn Euro Startkapital zurückbekommt.“

Markus Ostermaier

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