Bilder, die die Helfer nie vergessen: Einer der Einsatzorte für die Erdinger Retter war Ahrweiler, wo die Zerstörungen unvorstellbar groß sind.
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Bilder, die die Helfer nie vergessen: Einer der Einsatzorte für die Erdinger Retter war Ahrweiler, wo die Zerstörungen unvorstellbar groß sind.

BRK und Malteser im Einsatz

„Am schlimmsten ist die Hilflosigkeit“: Erdinger Helfer in den Überflutungsgebieten

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Erdinger Kräfte des BRK und der Malteser stehen Hochwasseropfern in Rheinland-Pfalz zur Seite.

Erding/Ahrweiler – „Ich war schon bei einigen Großeinsätzen dabei, aber so etwas habe ich noch nie gesehen.“ Das sagt Ingo Gössel, Gruppenführer beim Malteser Hilfsdienst aus Erding. „Man denkt, man ist im Film oder im Krieg.“ Dieser Satz stammt von Iris Menzinger vom BRK Erding. Beide eint: Gemeinsam mit anderen ehrenamtlichen Helfern ihrer Rettungsorganisationen waren sie in den vom Hochwasser völlig zerstörten Regionen an der Ahr in Rheinland-Pfalz. Einige von ihnen sind schon zum zweiten Mal dort.

Die beiden Erdinger Teams sind der Beweis: In den Krisenregionen werden nicht nur Räumtrupps benötigt. Maltesern und BRKlern kam vor allem die Aufgabe zu, den Menschen seelisch zur Seite zu stehen und sie sowie andere Helfer zu schützen.

„Da müssen wir doch etwas tun. Bei einer Katastrophe von diesem Ausmaß hilft jeder jedem.“ Diesen Gedanken hatte BRK-Fachdienstleiter Lukas Wildmoser und fand sofort Mitstreiter aus dem Kriseninterventionsteam (KIT), darunter dessen Chefin Dr. Birgit Wahl.

Mitten in der Nacht kam das KIT am Nürburgring an, wo sie kurz schlafen konnten. Danach ging es nach Bad Neuenahr-Ahrweiler, eine massiv von der Naturkatastrophe betroffene Region. Gemeinsam liefen die Erdinger durch eine Siedlung, um Betroffenen einfach auch mal nur zuzuhören.

BRK-Kreisbereitschaftsleiter Dieter Pfanzelt (r.) verabschiedete (hinten, v. l.) Iris Menzinger, Sven Haarkötter, Lukas Wildmoser, (vorne, v. l.) Sarah Haux, Florian Strömsdörfer und Monika Knöferl.

„Am schlimmsten ist für viele die Hilflosigkeit“, berichtet ein KITler. Etliche seien während der Flutkatastrophe in ihren Häusern gefangen gewesen und hätten nicht helfen können, weil sie sich sonst selbst gefährdet hätten. „Das wird die Menschen noch lange verfolgen“, sind die Krisenhelfer überzeugt.

Doch auch die Retter stünden unter Druck. „Bei ihnen zehrt der Einsatz sehr an den körperlichen und psychischen Kräften. Feuerwehrler konnten nicht helfen, weil die Strömung zu stark war. Das ist für Einsatzkräfte mit das Schlimmste: helfen wollen und nicht können“, berichten die KITler.

Das Team des Malteser-Hilfsdienstes (v. l.): Andreas Greil, Heribert Ertl, Ingo Gössel und Benjamin Beck.

72 Stunden waren sie im Ahrtal im Einsatz. Länger durften sie nicht bleiben. Als Helden sehen sie sich keineswegs. Menzinger ist überzeugt: „Die wahren Helden, das sind die Menschen vor Ort.“

Mitten in der Nacht ausgerückt ist auch ein Team der Schnelleinsatzgruppe Transport der Erdinger Malteser unter der Führung von Ingo Gössel. Auch sie waren als Krisenreaktionskräfte gefragt, in Altenburg und Ahrweiler. „Einerseits bestand unsere Aufgabe darin, Verletzungen zu versorgen, etwa wenn sich ein Feuerwehrmann geschnitten hatte oder sich Helfer Blasen gelaufen hatten“, berichtet Gössel. Auch um verletzte Betroffene kümmerten sie sich. „Man kann es sich kaum vorstellen, aber dort gibt es nach wie vor keine vernünftige medizinische Versorgung, weil die Infrastruktur noch völlig zerstört ist.“ Deswegen müssten auch immer wieder Hubschrauber angefordert werden, dieselben, die Mitte Juli Menschen retteten, die sich auf die Dächer ihrer Häuser geflüchtet hatten.

Wegen dieser Erinnerungen seien die Erdinger Malteser auch als Seelenretter gefordert gewesen. Gössel sagt, das sei nicht sein erstes Hochwasser, auch in Deggendorf habe er schon geholfen, „aber das ist nicht vergleichbar mit dem, was wir hier erlebt haben“.

Er fühlt mit den Opfern. „Viele Häuser stehen total beschädigt leer, und dann kommt ein Gutachter und sagt den Menschen, dass das, wofür sie ihr Leben gespart haben, abgerissen werden muss.“

Viel Zeit zu verschnaufen hatte Gössel nicht. Bereits am Freitag fuhr er wieder nach Rheinland-Pfalz, diesmal mit Gruppenführerin Sunny Klee mit der SEG Verpflegung und einer Feldküche. Die nächsten 72 Stunden werden die Malteser dafür sorgen, dass Retter und Betroffene zumindest eine warme Mahlzeit bekommen. Auch das ist in dieser Region keine Selbstverständlichkeit mehr.

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