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Wohnen statt Wiese: Einige der Bauplätze sollen vor der Kulisse des neuen Sportheims des FC Langengeisling (M.) ausgewiesen werden. Rechts die Halle eines Landwirts, der die Sorge hat, von Neubürgern vom Hof geklagt zu werden. Der Bebauungsplan sieht eine durchgängige Besiedlung entlang der Straße Am Weiher (l.) vor.

Am Weiher treffen Sport, Wohnen, Gewerbe und Landwirtschaft aufeinander

Städtebaulicher Spagat in Langengeisling

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Der Bereich um die Sportanlage des FC Langengeisling dürfte in den nächsten Jahren eine Baustelle bleiben. Nach der Fertigstellung des Vereinsheims will die Stadt den Weg für eine durchgängige Bebauung entlang der Straße Am Weiher ebnen.

Langengeisling -  Zehn Wohngebäude unterschiedlicher könnten hier entstehen. Doch wann immer eine bestehende Siedlung verdichtet wird, gibt es Bedenken der Nachbarn. Um die ging es im Planungs- und Bauausschuss des Stadtrates, der sich erneut mit dem Bebauungsplan für dieses Areal befasste.

Sechs Anrainer hatten das Dialogverfahren für eine Eingabe genutzt. Sie fürchten zu viel Verkehr und zu wenig Abstand. In dem Bereich treffen Wohnen, Gewerbe, Landwirtschaft und Sport unmittelbar aufeinander – ein recht konfliktreicher Mix.

Schreinerei gibt es seit 120 Jahren - sie will weitermachen

Der Inhaber einer bereits seit 120 Jahren existierenden Schreinerei sorgt sich um den Fortbestand seines Betriebs, wenn Zuziehende gegen den Lärm vor Gericht ziehen. Der Ausschuss beschloss daraufhin, das angrenzende Baufenster zu verschieben. Auch die Handwerkskammer fordert in ihrer Einwendung Bestandsschutz ein.

Landwirt in Sorge

Große Sorgen treiben einen benachbarten Landwirt um. Er verweist auf seinen Stall, seine Maschinenhalle und ein Fahrsilo. Der Vollerwerbshof, den der Sohn übernehmen wolle, produziere naturgemäß Lärm und Geruch. Zudem müsse gerade in der Erntezeit auch an Wochenenden und Feiertagen gearbeitet werden, teils bis in die Nacht. Der Landwirt befürchtet, dass ihn künftige Bewohner quasi vom Hof klagen könnten. Er spricht von „massivsten Problemen“. Die gleichen Bedenken melden auch das Amt für Landwirtschaft sowie der Bayerische Bauernverband in ihren Stellungnahmen an.

Lolita Liening vom Stadtplanungsamt erinnerte daran, dass der bereits gültige Bebauungsplan im Gebiet Am Weiher ein reines Wohngebiet vorsehe. Die Situation dürfte sich eher bessern, da nun statt einem reinen ein allgemeines Wohngebiet vorgesehen sei – mit höherem Grenzwerten für Immissionen. Nicht zuletzt beinhalte der Bebauungsplan explizit einen Passus, der die Duldung bestehender Landwirtschaft vorsieht.

Dörflicher Charakter soll gewahrt bleiben

Ein dritter Bürger bittet darum, den dörflichen Charakter Langengeislings in diesem Bereich zu wahren. Einige Baukörper wiesen allerdings in eine andere Richtung – zu hoch, zu massiv. Ein- und Zweifamilienhäuser dominierten das heutige Bild, für Geschosswohnungsbau seien andere Stadtteile geeigneter. Zudem monierte er den zu erwartenden steigenden Parkdruck. Er befürchtet ein Chaos, wenn nebenan auch noch Fußballspiele stattfinden. Im Winter sei es wegen der Schneeberge schon jetzt recht eng. Liening verwies darauf, dass es in Langengeisling schon jetzt voluminöse Bebauung gebe – die (teils in Wohnraum umgewandelten) Bauernhöfe. An deren Kubatur orientiere sich der Bebauungsplan. Was das Parken betrifft, verwies Liening auf die Erdinger Stellplatzsatzung. Zudem seien Tiefgaragen geplant. Hier fürchten Anlieger, dass diese nicht regelmäßig genutzt und von Besuchern nicht angesteuert werden.

Ein Petent kritisiert die „stillschweigende Umwandlung“ von einem reinen in ein allgemeines Wohngebiet. Damit werde mehr Lärm zugelassen. Bemängelt wird zudem die Erschließung über die Alte Römerstraße, denn die solle im Zuge der Nordumfahrung und der Nordanbindung bekanntlich zur reinen Anwohnerstraße herabgestuft werden.

Mit Bodendenkmälern ist zu rechnen

Das Denkmalamt weist auf Bodendenkmäler hin, die hier zu erwarten seien und gesichert werden müssten. Das bedeutet für die Bauherren höhere Kosten. Denn jedes Grundstück muss archäologisch untersucht werden – für 25 000 bis 30 000 Euro pro Areal, so OB Max Gotz (CSU). Rathaus-Jurist Andreas Erhard stellte diese Summe infrage. „Der Archäologische Verein Erding betätigt sich bei den vorbereitenden Untersuchungen ehrenamtlich.“

Auch mit Gift im Boden ist zu rechnen. Das Landratsamt erinnert an die Altlastenfunde im Zuge des Neubaus des Vereinsheims. Das Wasserwirtschaftsamt macht auf die hohen Grundwasserstände aufmerksam. Die Keller müssten entsprechend geschützt werden. Den Billigungsbeschluss fasste der Ausschuss einstimmig.

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