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Auf dem Kletthamer Feld will Amazon ein Sortierzentrum errichten. Im Erdinger Nordwesten ist schon ein Logistiker ansässig: GLS (l.). Dahinter besteht Baurecht für einen weiteren Spediteur. Zu sehen sind zudem der Stiftungs-Reiterhof, die Gärtnerei Hagl und die Aldi-Filile (vorne, v. l.), dahinter das VW-/Audi-Autohaus Maier. 

Sortierzentrum am Kletthamer Feld geplant – 150 Arbeitsplätze und 100 Lastwagen am Tag

Amazon will in Erding bauen

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Dieses Projekt wird in Politik und Bürgerschaft in Erding wieder für jede Menge Zündstoff sorgen: Der Logistik-Riese Amazon will am Kletthamer Feld im Nordwesten der Stadt bauen.

Erding – Geplant ist ein Sortierzentrum. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte die Amazon-Deutschlandzentrale in München.

Zu dem Sortierzentrum erklärt Konzernsprecherin Nadiya Lubnina: „Es handelt sich um ein Sortierzentrum. Hier werden die ankommenden Pakete für den weiteren Versand nach Postleitzahlen sortiert.“ Der Standort sei weder Lager noch Zwischenpuffer. „Hier kommen Pakete aus den europäischen Logistikzentren an, werden sortiert und für die letzte Meile zu den Verteilzentren gebracht“, so Lubnina.

Amazon ist auf Wachstumskurs

Erding ist ihren Worten zufolge Teil der Amazon-Wachstumsstrategie. „Wir investieren weiter in Deutschland und suchen nach neuen Standorten, um den Kunden Vorteile bieten zu können, zum Beispiel eine schnelle Lieferung.“ Mit der Stadt Erding befinde man sich in einem „guten Austausch“ und freue sich auf die weiteren Schritte im Planungsprozess.

Kommt Amazon in die Stadt, sollen rund 150 Mitarbeiter rekrutiert werden. Die Größe der Belegschaft sei „immer abhängig vom Sortiervolumen“, so Lubnina.

12,12 Euro brutto Einstiegs-Stundenlohn

Weil Amazon die Kritik an Bezahlung und Arbeitszeit kennt, geht der Konzern von sich aus in die Offensive. Lubnina versichert, dass in Bayern Amazon-Mitarbeiter mit einem Stundenlohn von mindestens 12,12 Euro brutto pro Stunde anfingen. „Zusätzlich setzen wir in allen Logistikbereichen Stufenpläne um. Das heißt, die Mitarbeiter in den Verteil-, Sortier- und Logistikzentren erhalten nach zwölf und 24 Monaten automatisch Erhöhungen.“ Nach 24 Monaten belaufe sich das Gesamtvergütungspaket an allen deutschen Standorten auf durchschnittlich mehr als 2600 Euro brutto monatlich.

Für den Verkehr gibt es bereits eine Prognose: Amazon geht von etwa 95 Lastwagen in 24 Stunden aus. Hauptverkehrszeit sei am Abend.

Stadtrat diskutiert lieber ohne Öffentlichkeit

Während in der Nachbargemeinde Oberding der Gemeinderat Firmen, die sich im Gewerbegebiet in Schwaig niederlassen wollen, öffentlich auftreten lässt, erfuhr der Erdinger Stadtrat nur hinter verschlossenen Türen von den Plänen – in der Sitzung vorige Woche. Teilnehmer berichten, dass es – erwartungsgemäß – zu hitzigen Auseinandersetzungen gekommen sei. Die CSU mit OB Max Gotz ist für den Zuschlag an Amazon. Gotz wird nicht müde, sich für neue Firmen und Arbeitsplätze einzusetzen – unter anderem mit dem Hinweis auf zahlreiche im Fliegerhorst Erding wegfallende Stellen sowie die hohe Zahl an Auspendlern. Zudem schaut er auf die Gewerbesteuer.

CSU dafür, FW sieht es kritisch

Gegenwind soll er in nicht-öffentlicher Sitzung unter anderem von den Freien Wählern bekommen haben. Ratsmitglieder berichten, vor allem der frühere Wirtschaftsreferent Rainer Mehringer soll vor prekären Beschäftigungsverhältnissen gewarnt haben, die Lohnaufstockungen aus dem Hartz-IV-Topf erforderlich machten. Zudem glauben die Gegner, dass die Arbeitskräfte, die Amazon sucht, in Erding gar nicht vorhanden seien. Viele müssten folglich mit dem Auto kommen, was neben den knapp 100 Lkw noch mehr Verkehr am westlichen Stadtrand und auf der schon heute chronisch überlasteten Flughafentangente Ost auslöse.

Grundsätzlich Grünes Licht für Logistiker

Baurechtlich ist die Sache einfach. Neben dem Logistiker auf dem Kletthamer Feld gibt es ein Areal, für dessen Nutzung durch einen Spediteur der Stadtrat vor Jahren Grünes Licht gegeben hat.

Delikat sind die Pläne, weil der Stadtrat seit Jahren über das – gegenüber liegende – Industriegebiet Erding-West an Dachauer- und Sigwolfstraße streitet. Dort will ein Investor ebenfalls Logistik ansiedeln. Die Dimensionen sind mittlerweile kräftig eingedampft.

Dass Amazon nach Erding will, zeigt, dass der Onlinehandel offensichtlich keine Grenzen kennt, erst recht nicht seit dem Corona-Lockdown. Erst vor wenigen Monaten hat der Versand-Gigant im Gewerbegebiet Degernpoint bei Moosburg gebaut. Anlieger berichten von einer deutlichen Verkehrszunahme vor allem auf der B 11. Öffentlich sollen die Pläne in Erding dem Vernehmen nach im November werden.

ham

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