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Sich und andere in Gefahr gebracht hat ein Verkehrsrowdy im Dezember auf der FTO. 

Mit Tempo 200 auf der Flughafentangente – Vorbestrafter 40-Jähriger zu Geldstrafe verurteilt

Raser verfehlt Gefängnis nur knapp

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Mit teils über 200 km/h ist im Dezember ein 40-Jähriger auf der FTO dahin gebrettert. Die Polizei stellte den dreifachen Familienvater nahe Erding. Jetzt stand er vor Gericht. Dort ist er kein Unbekannter.

Erding – Die Flughafentangente Ost ist eine der unfallträchtigsten Strecken in ganz Bayern. Jedes Jahr sind hier Tote zu beklagen. Am 17. Dezember 2019 hätte es wieder passieren können. Ein 40-Jähriger raste mit teilweise mehr als 200 km/h über die Staatsstraße. Wegen illegalen Straßenrennens musste sich der Neubiberger (Kreis München) gestern vor dem Amtsgericht Erding verantworten. Es hätte nicht viel gefehlt, und der dreifache Familienvater wäre im Gefängnis gelandet.

Staatsanwalt Christoph Freimuth hielt dem Immobilienmakler vor, an besagtem Tag kurz vor 20 Uhr mit einem gemieteten 5er BMW mit bis zu 220 Sachen über die FTO zwischen der A 92-Anschlussstelle und der Ausfahrt Erding Nord gebrettert zu sein. Dabei ignorierte er eine Sperrfläche, missachtete das Überholverbot und überholte dann auch noch waghalsig drei in Kolonne fahrende Autotransporter. Es war purer Zufall, dass in diesem Moment kein Gegenverkehr nahte.

Die Polizei hatte doppelt Glück, den Raser zu schnappen. Ein anonymer Tippgeber hatte den Notruf gewählt. Dabei bestand der Verdacht, dass der BMW die FTO immer wieder in halsbrecherischem Tempo auf und ab gefahren war. Die Streife kam dem 40-Jährigen entgegen, wendete und fuhr ihm hinterher – „mit teilweise 220 km/h“, berichtete einer der Polizisten im Zeugenstand. Erst bei Erding, also nach gut zehn Kilometern, gelang es, den Wagen zu stoppen. Der BMW wurde beschlagnahmt, ebenso der Führerschein.

Der Angeklagte gab zu, zu schnell gefahren zu sein, „aber nicht schneller als 130“. Auch räumte er ein, trotz Verbots überholt zu haben. Er sei an dem Tag von Berlin über Hof heimgefahren. Für eines seiner kranken Kinder wollte er in Erding noch ein Medikament abholen. Dass er immer hin- und hergefahren sei, stritt er ab. Der Anrufer ließ sich nicht mehr ausfindig machen. Er hatte aber ein Teilkennzeichen mitgeteilt. Doch hier galt: im Zweifel für den Angeklagten.

Der berichtete, sich nach der Tat in verkehrspsychologische Therapie begeben zu haben. Der Führerscheinverlust treffe ihn als Außendienstler sehr.

Mit Milde konnte er in der Verhandlung unter dem Vorsitz von Strafrichterin Michaela Wawerla nicht rechnen. Denn im Bundeszentralregister sind drei Vorstrafen vermerkt: zweimal Urkundenfälschung, Bedrohung und Betrug. Zur Tatzeit stand er unter offener Bewährung.

Die griff Staatsanwalt Freimuth in seinem Plädoyer auf. „Das war ein verbotenes Rennen mit Kraftfahrzeugen“, konstatierte er. Eine Geldstrafe hielt er für nicht mehr ausreichend. Er forderte drei Monate Haft, die er wegen des „zweifachen Bewährungsversagens“ abzusitzen sei.

Verteidiger Thorsten Hauck war der Auffassung, das Polizeiauto sei 220 km/h schnell dran gewesen, um seinen Mandanten zu erwischen. Die Vorstrafen hätten zudem nichts mit dem Straßenverkehr zu tun. Der Neubiberger sei geständig, reuig und habe sich in Behandlung gegeben. Eine Geldstrafe wegen Ordnungswidrigkeiten sei ausreichend.

Wawerla sprach ihn wegen eines illegalen Rennens schuldig und verurteilte ihn zu 2600 Euro Geldstrafe. Der Angeklagte habe sich „grob verkehrswidrig und rücksichtslos verhalten“. Auch wenn es keine konkrete Gefährdung gegeben habe, müsse diese berücksichtigt werden. Sein Führerschein bleibt neun weitere Monate gesperrt.

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