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Frauen wie Freiwild behandelt: Prozess

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Von: Hans Moritz

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Einer der sexuellen Übergriffe des 28-Jährigen auf junge Frauen ereignete sich auf einem Campingplatz in Italien. © Jan-Philipp Strobel/dpa

Sexuell überhaupt nicht unter Kontrolle hatte sich ein 28 Jahre alter Erdinger, der 2019 gleich zwei junge Frauen noch dazu aus dem eigenen Freundeskreis gegen deren Willen geküsst und ihnen zwischen die Beine gegriffen hat. 

Erding - Wegen sexueller Nötigung und Übergriffe musste sich der Erdinger, der heute in einer Gemeinde im westlichen Landkreis lebt, vor Gericht verantworten. Nur weil er geständig war und den beiden Opfern je 3000 Euro Schmerzensgeld zahlt, muss er nicht ins Gefängnis.

Das Schöffengericht am Amtsgericht Erding unter dem Vorsitz von Björn Schindler verurteilte den Bauarbeiter zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Nur einen Tag mehr, und der Vater eines siebenjährigen Kindes wäre in der Zelle gelandet.

Die Taten beging der Erdinger unter anderem auf der Geburtstagsparty der Mutter eines der Opfer und beim gemeinsamen Campingurlaub in Caorle. Er versuchte mehrmals, die Frauen auf den Mund zu küssen, teils, indem er sie mit Gewalt festhielt. Zweimal griff er ihnen in die Hose. Dabei rief er ihnen zu: „Du willst es doch auch!“

Im März 2020 kam die Kripo Erding dem 28-Jährigen auf die Spur, aber nur, weil sie gegen ihn wegen Körperverletzung ermittelte. Er soll vor dem Hit-Markt in Erding einer Frau ins Gesicht geschlagen haben. Dabei offenbarte sich das erste Opfer. Das zweite sollte zunächst nur als Zeugin gehört werden, doch dann brach es während der Vernehmung weinend zusammen – und berichtete von der Pein. Beide Frauen sind seither in psychologischer Behandlung. Die Ärzte haben ihnen eine posttraumatische Belastungsstörung attestiert.

Der Verhandlung folgten sie unter Tränen als Nebenklägerinnen. Immerhin: Durch sein Geständnis ersparte ihnen der Sextäter eine Aussage. Gehört wurde nur der 34 Jahre alte Kripobeamte. Er sagte aus, dass er bei den Frauen keinerlei Belastungseifer habe feststellen können. Eine habe sich sogar so zurückgehalten, dass es einer staatsanwaltlichen Vorlage bedurfte, um die Taten geschildert zu bekommen.

Bereits vor Prozessbeginn zeigten sich der Angeklagte und sein Verteidiger Martin Paringer kooperativ. Nach einem Rechtsgespräch stand fest: Im Falle eines Geständnisses sollte der 28-Jährige mit einer Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren davonkommen. Es war dann aber nur der Anwalt, der für seinen Mandanten die von Staatsanwältin Barbara Streicher verlesenen Vorwürfe einräumte. In seinem Plädoyer kritisierte dieses Verhalten Nebenklage-Anwalt Andreas Knoll: „Wir haben heute hier weder Reue erlebt noch eine Entschuldigung gehört.“ Was ihn ebenso empörte: Anfangs hatte der Mann versucht, den Spieß umzudrehen. Er sei quasi aus Rache angezeigt worden, weil er sich den Avancen einer der Frauen verweigert habe. Doch dafür fanden sich keinerlei Hinweise. Sämtliche Taten beging der Mann unter dem Einfluss von Alkohol.

Streicher, Knoll und die zweite Nebenklage-Vertreterin Elisabeth Aleiter forderten zwei Jahre Haft auf Bewährung. Dabei berücksichtigten sie das Geständnis, den Täter-Opfer-Ausgleich sowie das bis dato leere Strafregister des Arbeiters. Anwalt Paringer hielt ein Jahr und acht Monate für ausreichend. Das Schöffengericht verhängte zwei Jahre.

ham

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