Amtsgericht Erding 

Klauenpflege missglückt, Kuh tot

  • schließen

Tierischer Prozess am Amtsgericht Erding: Vermutlich nach einer verunglückten Klauenpflege musste eine Kuh getötet werden, eine zweite gab danach deutlich weniger Milch.

Erding – Vera und Die Rote heißen zwei Kühe, die einen Landwirt und einen Klauenpfleger vor Gericht brachten. Im Oktober 2016 hatte ein Mitarbeiter der Beklagten bei beiden Rindern das Horn der Klauen beschnitten. Unmittelbar nach der Behandlung, so die klagende Landwirtin, habe Die Rote an heftigen Schmerzen gelitten, weil bei der Pflege zu viel von der Klaue entfernt worden sei.

Der herbeigerufene Tierarzt habe keine Alternative zu einer Notschlachtung gesehen, die die Klägerin daraufhin veranlasst habe. Da das Fleisch der Kuh infolgedessen unbrauchbar gewesen sei, habe die Klägerin dafür keinen Erlös erhalten.

Auch Vera habe unmittelbar nach der Behandlung durch den Klauenpfleger Schmerzen gehabt und deshalb über einen erheblichen Zeitraum weniger Milch als üblich gegeben. Sie habe jedoch durch die tierärztliche Behandlung geheilt werden können.

Die Klägerin verlangte von der Beklagten den Kaufpreis für die als Ersatz für Die Rote angeschaffte Kuh Marlene, die Kosten des erhöhten Pflegeaufwandes für das erkrankte Tier, die Tierarztkosten, den Reparaturaufwand für ein von der Kuh infolge ihrer Schmerzen beschädigtes Tränkebecken und den Milchausfall in Höhe von insgesamt fast 2300 Euro. Im Fall Vera forderte die Klägerin neben dem Milchausfall die Behandlungskosten, insgesamt fast 700 Euro.

Die Gegenseite wies die Forderungen mit der Begründung ab, die Hufpflege sei ordnungsgemäß durchgeführt worden. Beide Kühe seien bereits seit längerem wegen Missständen bei der Haltung an den Klauen geschädigt gewesen.

Zudem bestritt die Beklagte die Höhe der einzelnen Schadenspositionen. So habe die Klägerin den Kaufpreis für eine junge, leistungsfähige Kuh in Ansatz gebracht, was nicht dem Zustand des notgeschlachteten Tieres entsprochen hätte.

In der mündlichen Verhandlung ließ sich das Gericht den Verlauf der Erkrankung der beiden Kühe schildern und vernahm den behandelnden Tierarzt, der über den Zustand der Tiere berichtete. Er erklärte, Die Rote habe „ausgeschuht“, worunter ein Ablösen der Klaue vom Klauenbein infolge einer massiven Entzündung zu verstehen sei. Vera sei „schwer gestanden“ und habe gelahmt. Schließlich hörte das Gericht auch den Mitarbeiter der Beklagten, der die Klauenpflege vorgenommen hatte, als Zeugen.

Trotz der ausführlichen Beweisaufnahme blieb die Frage ungeklärt, ob die Klauenpflege die Ursache für Tod beziehungsweise nachlassende Milchleistung war. Das Gericht schlug den Parteien deshalb vor, sich auf eine Zahlung der Beklagten an die Klägerin in Höhe von 1000 Euro zu einigen. Andernfalls benötige man ein teures Gutachten.

Die Prozessparteien akzeptierten den Vorschlag und vermieden so das Risiko, im Falle einer Niederlage mit hohen Prozesskosten belastet zu werden (Amtsgericht Erding Az. 3 C 2608/17).

Von Hans Moritz

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Immer weniger treulose Herrchen und Frauchen
Hochbetrieb in den Ferien – daran haben sich die Tierheimbetreiber gewöhnt. In Kirchasch ist es heuer jedoch relativ ruhig. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins sieht …
Immer weniger treulose Herrchen und Frauchen
Das schönste aller Volksfeste
Das Volksfest 2018 wird als das bisher schönste in die Annalen der Stadtgeschichte eingehen. Das glauben die Festwirte Ilse und Peter Klotz, Robert Eicher und Ernst …
Das schönste aller Volksfeste
Protokollant, Wahlhelfer, Flitterwochenretter
Vor 40 Jahren wurden persönliche Daten noch mit der Schreibmaschine auf Karteikarten festgehalten und Grundsteuern in bar kassiert. Seither hat sich viel geändert. In …
Protokollant, Wahlhelfer, Flitterwochenretter
Eibachs Feuerwehrkommandant ist dreifacher Bierkönig
Johann Attenhauser aus Eibach ist Bierkönig 2018 beim Dorfener Volksfest. Der Eibacher Feuerwehrkommandant holte damit den Titel zum dritten Mal.
Eibachs Feuerwehrkommandant ist dreifacher Bierkönig

Kommentare