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Mit der Justiz kennt sich ein Erdinger (35) schon bestens aus - immer auf der Anklagebank. Doch ins Gefängnis muss er immer noch nicht.

35-Jähriger zum 20. Mal verurteilt – Haft bleibt ihm erspart

Mit dem Messer in die Disco

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Eine ganze Flasche Jägermeister hatte ein 35-jähriger Erdinger am 22. Juni vergangenen Jahres in sich hineingeschüttet. Im Suff wurde er dann übermütig. Jetzt folgte die Ernüchterung vor dem Amtsgericht Erding. Dass er trotz 19 Vorstrafen wieder nicht im Gefängnis landete, lag nur daran, dass kein wirkliches Bedrohungsszenario vorlag.

Erding – Die Staatsanwältin hielt dem Angeklagten vor, sich in besagter Nacht gegen 4 Uhr im Weekend Club am Erdinger Volksfestplatz stark alkoholisiert mit dem Sicherheitsdienst angelegt zu haben. Dabei zückte er ein aufklappbares Butterflymesser und wedelte damit herum. Angeklagt war er wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und Bedrohung. Mit auf der Anklagebank saß ein 24-jähriger Erdinger. Die Verhandlung unter dem Vorsitz von Strafrichter Andreas Wassermann ergab aber, dass der eher deeskalierend auf seinen Spezl eingewirkt hatte. Deshalb wurde er, der mit Anwalt Andreas Martin erschienen war, freigesprochen.

Über seinen Anwalt Christian Lang ließ der 35-Jährige erklären, er besitze gar kein Butterfly-, sondern allenfalls ein Taschenmesser. Das habe er an besagtem Abend aber nicht dabei gehabt. An die angebliche Attacke könne er sich nicht erinnern. Das dürfte auch an dem Filmriss gelegen haben, der sich infolge des kräftigen Jägermeister-Genusses in seinem Kopf eingestellt hatte. Auch der Kumpel versicherte, von einem Butterflymesser nichts zu wissen, von einer Bedrohung schon gar nicht. Die Tatwaffe wurde allerdings nie gefunden.

So recht glaubwürdig war diese Haltung nicht, denn gleich vier Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sagten das Gegenteil aus. Im Verlauf der Auseinandersetzung habe der Erdinger das Messer gezückt, damit herumgespielt und gerufen: „Ich stech’ Euch ab.“ Allerdings erklärte die Security auch, dass sie sich allenfalls anfangs bedroht gefühlt habe. Der Gast sei bekannt gewesen und bisher nicht negativ aufgefallen.

Die Situation konnte nach wenigen Sekunden entschärft werden – nachdem ihn der Mitangeklagte angeraunzt hatte: „Lass den Scheiß.“ Daraufhin wurde der 35-Jährige vor die Tür gesetzt. Er trollte sich in Richtung Festplatz, wo ihn die Polizei festnahm.

Ein leichter Junge ist der 35-Jährige nicht. Er hatte Kontakt zur Rockertruppe Hells Angels und weist ein ellenlanges Strafregister auf. 19 Eintragungen verlas Wassermann – unter anderem räuberische Erpressung, Nötigung, Urkundenfälschung, Diebstahl, Leistungserschleichung, Fahren ohne Führerschein, Diebstahl und Hehlerei. Um einen Gefängnisaufenthalt war er bisher immer herumgekommen.

Das wollte die Staatsanwältin ändern. Sie beantragte fünf Monate Haft ohne Bewährung. Anwalt Lang meinte, sein Mandat sei an dem Abend eher ein Poser, ein Wichtigtuer gewesen. Er sah nur eine Bedrohung und hielt eine Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu je 50 Euro, also 6500 Euro, für angemessen. Richter Wassermann verhängte eine Geldstrafe über 140 Tagessätze à 60 Euro, folglich 8400 Euro. Die darf der Täter in Raten zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. ham

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