Drei Mädchen waren in die Prügelei verwickelt, eines davon erst 14. Foto: Grabowsky/MZV

Jugendrichter schickt 19-Jährige ins Mutter-Kind-Heim

Wenn Frauen-Fäuste fliegen

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Der Streit schwelte schon länger, an gegenseitige Beleidigungen hatte man sich gewöhnt, die Ex-Freunde getauscht und keine Gelegenheit ausgelassen, sich gegenseitig zu mobben. In den Abendstunden des 16. April vergangenen Jahres eskalierte die Auseinandersetzung.

Erding – Eine 19-Jährige und ihre damals erst 14 Jahre alte Freundin folgten einer 18-Jährigen nach einem verbalen Streit von der Innenstadt in Richtung Klettham. Auf der Thomas-Wimmer-Straße packte das Kind die damals 17-Jährige, riss sie an den Haaren zu Boden. Dort wurde sie dann von der 19-Jährigen mit Tritten und Schlägen traktiert. Das Opfer musste mit Abschürfungen, Hämatomen und einer Gehirnerschütterung ins Klinikum Erding.

Nun gab es ein Wiedersehen vor Gericht. Die derzeit arbeitslose Erdingerin, selbst schon Mutter, war wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Die schüchtern wirkende Jugendliche, die ohne Rechtsbeistand erschienen war, räumte ihren Ausraster ein und entschuldigte sich, schob aber hinterher, „dass ich sonst nicht so bin“. Allerdings habe sie sich vom späteren Opfer massiv beleidigt und gekränkt gefühlt. Unter anderem soll die 18-Jährige ihrem Kind den Tod und ihrem Freund das Gefängnis gewünscht haben. Die 14-Jährige konnte nicht belangt werden, sie war noch nicht strafmündig.

Die Angegriffene wiederum erklärte, sie könne sich den Gewaltausbruch nicht erklären, immerhin sei man mal Freundinnen gewesen. „In der Schule habe ich sie immer wieder beschützt.“

Jugendrichter Michael Lefkaditis verzichtete darauf, weitere Zeugen anzuhören, darunter einen der Freunde, der für die Verhandlung von der Polizei aus dem Gefängnis in den Saal gebracht wurde. Als die Jugendgerichtshelferin ihren Bericht vortrug, wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen – immer ein Hinweis auf eine schwierige, konfliktbeladene Jugend.

Staatsanwalt Clemens Albert würdigte das Geständnis und die Tatsache, dass es sich um eine Ersttäterin handle. Er forderte 40 Sozialstunden und eine Einweisung in das Mutter-Kind-Heim in Dachau. Dort solle sie sozial gefestigt werden.

Lefkaditis verhängte 64 Sozialstunden in der Dachauer Einrichtung sowie ein Kontaktverbot zu der 18-Jährigen. Beide Seiten nahmen das Urteil an, das damit rechtskräftig ist.  ham

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