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Symbolbild Diebstahl

„Wenn wir was gebraucht haben, haben wir es uns genommen“

Doppelte Bewährung für 19-jährigen Langfinger

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Wenn Heranwachsende vor Gericht stehen, geht es weniger um Bestrafung als um Erziehung und Besserung. Das wurde bei einem Prozess am Amtsgericht Erding deutlich, bei dem sich ein 19-Jähriger wegen fortgesetzter Diebstähle verantworten musste. Richter Michael Lefkaditis sprach eine Freiheitsstrafe zur Bewährung aus. Das heißt: Der junge Mann, bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten, kommt erst einmal ungeschoren davon.

Erding – Er muss aber die nächsten zwölf Monate zeigen, dass er sein Leben in den Griff bekommt. Dass ihm das bis jetzt nicht gelungen ist, liegt auch an Umständen, die er nicht zu verantworten hat.

Staatsanwältin Sandra Seeburger listete in der Zeit ab Weihnachten 2018 eine ganze Reihe von Diebstählen in Geschäften, zweier Fahrräder, eines Geldbeutels und 2300 Euro Bargeld aus dem Firmenwagen seines Chefs auf. Der 19-Jährige war dabei immer mit einem Spezl unterwegs, der sich bereits vor Gericht verantworten musste. Angeklagt war er auch wegen Computerbetrugs. Mit einer gefundenen EC-Karte wollte er Geld abheben, allerdings ohne Erfolg. Auch mit Marihuana war er schon erwischt worden.

Der Angeklagte wurde in Handfesseln aus dem Mühldorfer Gefängnis vorgeführt. Einen Monat hatte er gesessen, weil er zur ersten Verhandlung nicht erschienen und nicht auffindbar war.

Das hängt mit der prekären Lebenssituation des jungen Mannes zu tun. Beim Bericht der Jugendgerichtshilfe wurde die Öffentlichkeit zwar ausgeschlossen. Doch in der Verhandlung wurde deutlich, dass dem 19-Jährigen wichtige Bindungen fehlen beziehungsweise abhanden gekommen sind. So wurde er aus dem Elternhaus geworfen. Zuletzt lebte er in einer Erdinger Obdachlosenunterkunft.

Warum er denn in so kurzen Abständen immer wieder gestohlen habe, wollte Lefkaditis wissen. „Wenn wir was gebraucht haben, haben wir es uns genommen“, gab der Jüngling zu. Er habe seinen Lebensunterhalt zeitweise mit Diebstählen bestritten. So wurde er einmal im Edeka-Markt am Flughafen erwischt, weil er einen Fleischsalat im Wert von 65 Cent eingesteckt hatte.

Staatsanwältin Seeburger forderte ein Jahr und sieben Monate Haft auf Bewährung. Das war Verteidigerin Julia Mehlstäubl zu viel. Sie verwies auf die schwierige Situation ihres Mandanten und dessen ehrlicher Bereitschaft, sich zu bessern und familiären Anschluss zu suchen.

Lefkaditis wollte ihm diese Chance nicht verbauen. Allerdings bekommt der 19-Jährige einen Betreuer. „Es gibt so viel aufzuholen, das schaffen Sie nicht alleine“, meinte der Richter. Vor allem solle sich der junge Mann eine Arbeit suchen. Bessert er sich, bleibt ihm eine Strafe erspart. 

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