Amtsgericht 

Kranken Hund vernachlässigt

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Eine 21-Jährige aus dem östlichen Landkreis musste sich wegen eines Vergehens nach dem Tierschutzgesetz vor dem Amtsgericht Erding verantworten.

Erding – Mit der Haltung, Pflege und Therapie ihres kranken Hundes völlig überfordert war eine heute 21-Jährige aus dem östlichen Landkreis. Der an einer bakteriellen Hautentzündung leidende Vierbeiner konnte zwar gerettet werden und befindet sich mittlerweile auf einem Tierhof, die junge Frau musste sich aber gestern wegen eines Vergehens nach dem Tierschutzgesetz vor dem Amtsgericht Erding verantworten.

Am Ende der Verhandlung unter Vorsitz von Michael Lefkaditis war klar: Das Tier ist ebenso bemitleidenswert wie seine frühere Halterin. Lefkaditis sprach sie zwar schuldig, beließ es nach Jugendrecht aber bei 28 Sozialstunden, zehn Beratungsgesprächen und der Prüfung, ob ihr mit einem gesetzlichen Betreuer geholfen ist. Dafür hatte sich die Jugendgerichtshilfe ausgesprochen.

Die 21-Jährige stand schon mehrfach vor Gericht – wegen Diebstahls, Nötigung sowie Schulschwänzerei. Zudem ist sie hoch verschuldet.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Landshut hatte die Frau im Sommer 2016 den Hund übernommen – wohl wissend, dass dieser erkrankt war. Dennoch unternahm sie nichts oder die falschen Versuche, die Hauterkrankung zu bekämpfen. Einen Tierarzt habe sie sich nicht leisten können. Sie gab zu, mit der Situation überfordert gewesen zu sein. „Ich habe das wohl alles falsch eingeschätzt“, zeigte sich die Angeklagte, die ohne Anwalt erschienen war, einsichtig. Sie habe geglaubt, dass es sich lediglich um eine Futterallergie gehandelt habe. Von Lefkadiditis musste sie sich belehren lassen, dass ihr die Erkrankung bei der Übernahme mitgeteilt worden sei.

Die 21-Jährige vermutet, dass Tierschützer aus der Nachbarschaft im Sommer 2017 den Tierhof, von dem der Hund auch gekommen war, eingeschaltet haben. Unangekündigt seien Vertreter der Einrichtung zu ihr gekommen und hätten den Hund mitgenommen.

Derzeit besitzt die Frau einen weiteren Hund, den sie schon drei Jahre habe und dem es gut gehe, wie auch der Richter feststellte.

Bei der Strafzumessung spielte das Delikt – „Quälerische Misshandlung eines Wirbeltiers durch Unterlassen“ – nur noch eine Nebenrolle. Das Gericht erkannte, dass die Frau mit ihrem Leben insgesamt immer wieder überfordert zu sein scheint. Deswegen ordnete Lefkaditis nicht nur die Sozialstunden an, sondern auch die Inanspruchnahme von Beratung. Dabei soll auch geprüft werden, ob ihr mit einem gesetzlichen Betreuer geholfen ist. Die Prozesskosten muss sie tragen. Die junge Frau akzeptierte das Urteil.

Rubriklistenbild: © dpa / Patrick Pleul

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