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Erlaubt und gängige Praxis: die Anbindehaltung in Rinderställen. Dagegen gehen Tierschützer vor und bekommen unerwartete Schützenhilfe.

Anbindehaltung: Nach Anzeigen der Tierschutzorganisation Peta verlangt Glauber Kontrollen

„Minister stellt Bauern unter Generalverdacht“

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Landwirte, vor allem die Milchbauern, sind wütend: Die Tierschutzorganisation Peta hat ein Dutzend Rinderhalter wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angezeigt. Unterstützung bekommen die Aktivisten von einem Minister.

Erding – Die an den Pranger Gestellten eint: Sie betreiben in ihren Ställen Anbindehaltung. Doch das Fixieren der Tiere in den Ställen ist in Deutschland nach wie vor erlaubt. Noch mehr erzürnt die Landwirte, dass Peta Schützenhilfe von der Bayerischen Staatsregierung erhält. Denn Umweltminister Thorsten Glauber (FW) hat das Landratsamt angewiesen, die angezeigten Betriebe regelmäßig, streng und umfassend zu kontrollieren.

Landrat Martin Bayerstorfer ist ebenfalls sauer, weil es aber den staatlichen Teil der Kreisbehörde betrifft, sei er politisch machtlos. Seinen Unmut tut er dennoch kund.

Zu ihrem Rundumschlag hatte die Tierschutzorganisation Peta, in ihren Methoden selbst teils heftig umstritten, bereits im Herbst 2020 ausgeholt, damals von der unter der aufziehenden zweiten Corona-Welle ächzenden Bevölkerung weitgehend unbemerkt. Peta stellte bei den zuständigen Staatsanwaltschaften reihenweise Strafanzeigen – bei der Landshuter Justiz auch gegen mehrere Landwirte im Kreis Erding.

Die Aktivisten klagen an, in Deutschland würden mehr als eine Million Kühe und Bullen über den Winter oder das ganze Jahr über angebunden im Stall gehalten, teilweise sogar das ganze Jahr. Peta spricht von einer „tierquälerischen Haltungsform vor allem in kleineren und mittleren Betrieben“. Die Tiere könnten sich nicht einmal umdrehen. „Dies kann nicht nur psychische Schäden hervorrufen, sondern auch körperliche Beeinträchtigungen nach sich ziehen. Darunter fallen schmerzhafte Liegeschwielen, entzündete Gelenke, Lahmheit sowie Einschnürungen und Quetschungen am Hals durch die Anbindevorrichtungen“, teilt Peta mit. Hinzu kämen oft verschlissene oder zu kurze Liegematten, sodass die Tiere teils in ihren Exkrementen liegen müssten. Petas Schlussfolgerung: „Die Anbindehaltung geht meist mit gravierenden Tierschutzverstößen einher.“

Die Anbindehaltung ist auch bei den Landwirten nicht unumstritten. Vor allem kleinere Betriebe tun sich jedoch schwer, in größere Laufställe zu investieren. Die Zahl der so wirtschaftenden Betriebe nimmt jedoch ab.

Die Ermittlungen laufen. Und in diese hat sich, an sich ein ungewöhnlicher Vorgang, die Staatsregierung eingeschaltet, namentlich das von Thorsten Glauber (FW) geführte Umweltministerium. Sein Schreiben an Landrat Bayerstorfer liegt unserer Zeitung vor. Darin gibt Glauber, übrigens der Nachfolger der Erdinger Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU), zu, dass „die ganzjährige Anbindehaltung von Rindern gesetzlich nicht verboten ist“. Dennoch könnten Verstöße wie eingewachsene Ketten und unbehandelte Verletzungen vorliegen. Deshalb seien die Peta-Anzeigen ein Anlass für Amtsveterinäre, diese Höfe zu kontrollieren.

Glauber rät Bayerstorfer darüber hinaus, gleich tabula rasa zu machen: Die Anbinde-Kontrollen könnten „mit anderen Kontrollinhalten wie Tierkennzeichnung oder Milchkammerhygiene verbunden werden, um Synergieeffekte zu erreichen“.

Eben diese Formulierung treibt den Bauern die Zornesröte ins Gesicht. Ihr Eindruck: Glaube unterstellt einem ganzen Berufsstand pauschal, Tierquäler und Dreckbären zu sein.

Sabine Berger, CSU-Kreisrätin, Landwirtin und Funktionärin im Bauernverband, brachte das Thema jetzt im Umweltausschuss des Kreistags zur Sprache. Glauber sende ein „fatales Signal“. Der Minister ignoriere, dass die Anbindehaltung nicht verboten sei. Die Anzeigen von Peta beruhten nicht auf einem konkreten Verdacht.

CSU-Landrat Bayerstorfer, selbst Landwirt, gab ihr Recht. Er sprach von „pauschaler Vorverurteilung“. Dabei seien ihm die Hände gebunden. Adressat der Kontrollaufforderung sei die Staatsbehörde Landratsamt – und die sei an ministerielle Weisungen gebunden. Da gebe es „keinen Spielraum, wir müssen kontrollieren“.

Dabei hatte Bayerstorfer nach Bekanntwerden der Anzeigen den Minister noch von den Kontrollen ohne konkreten Verdacht abzubringen versucht. Er hatte Glauber darauf hingewiesen, dass Amtstierärzte in der Pandemie ohnehin schon über Gebühr belastet seien und er sie nicht einem zusätzlichen Infektionsrisiko aussetzen wolle.

Glaubers Reaktion: Er äußerte zwar Verständnis, verlangte aber die Kontrollen.

ham

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