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Auf der Suche: Ibrahim Takuri (39) und Gattin Hadeel Sabbah (32) vor einem Luftbild ihrer neuen Heimat.

Als Flüchtlinge anerkannt

Familie findet keine Wohnung: Integration – nur ein leeres Wort?

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Erding - Sie sind in Sicherheit. Sie sind als Flüchtlinge anerkannt. Und dennoch können sie in der neuen Heimat nicht Fuß fassen. Denn sie finden keine Wohnung. Ibrahim Takuri und seine Frau Hadeel Sabbah aus Syrien sind nur Zwei von Vielen.

In den Tagen, in denen kaum noch neue Flüchtlinge ins Erdinger Land kommen, ist viel von Integration die Rede, von dem Bemühen, die anerkannten Asylbewerber dauerhaft unterzubringen. Wie schwer beziehungsweise nahezu unmöglich das in Erding und Umgebung mit nahezu leergefegtem Wohnungsmarkt ist, spüren etwa Ibrahim Takuri und Hadeel Sabbah. Das syrische Ehepaar ist mit seinen Kindern Wiam (12), Josef (10) und Tala (8) im Juli vorigen Jahres in der Flüchtlingsunterkunft in Altenerding-Süd untergekommen.

Eine Vier-Zimmer-Wohnung für zwei Familien

Mittlerweile sind sie anerkannt und in die Breslauerstraße umgezogen, wo sie sich eine Vier-Zimmer-Wohnung mit einer zweiten syrischen Familie teilen. Dem 39-Jährigen und seiner 32 Jahre alten Gattin bleiben nur ein paar Quadratmeter. Bad und Küche müssen alle Mitbewohner teilen.

„Eigentlich müssten sie hier raus“, sagt eine Ehrenamtliche, die sich um die Syrer kümmert, aber nicht genannt werden will. Denn Takuri und Sabbah sind so genannte Fehlbeleger – sie müssten als anerkannte Flüchtlinge das Quartier des Landratamtes verlassen und sich selbst etwas suchen.

„Das ist das Problem“, schildert die Helferin. „Sobald ein Makler oder Vermieter hört, dass es sich um Flüchtlinge handelt, ist es vorbei.“ Entweder werde grußlos aufgelegt oder es würden Ausflüchte gesucht. Dabei würde eine kleine Wohnung der Familie endlich eine Perspektive geben – und Unabhängigkeit von Hartz IV: Takuri ist gelernter Mechatroniker, seine Frau Erzieherin. „Ibrahim könnte in Camp Shelterschleife beim BRK arbeiten. Aber dazu braucht er eine eigene Wohnung“, schildert die Helferin.

Er hätte einen Job - aber nicht ohne Wohnung

Aktuell absolvieren beide einen Deutschkurs. Die Kinder sind bis zum Nachmittag in der Schule. Das junge Ehepaar hätte Zeit und Lust, sich endlich einzubringen. Ihnen gefalle es in Deutschland, versichern sie. Takuri liebt sein Cap mit dem Logo des FC Bayern. Er lässt den Mut nicht sinken und hofft, ins Refugees-Programm von BMW zu kommen.

Takuri und Sabbah sind kein Einzelfall, versichert Maria Brand von der Aktionsgruppe Asyl (AGA). „Die Wohnungssuche ist schwierig bis aussichtslos.“ Brand zeichnet ein dramatisches Bild: „Viele Familien mit zum Teil sehr kleinen Kindern wollen nach Monaten endlich aus den Container-Sammelunterkünften ausziehen, wo es so gut wie keine Privatsphäre gibt.“ Doch wenn es überhaupt freie und bezahlbare Wohnungen gibt, kommen fast ausschließlich Deutsche zum Zug. Brand kann das gar nicht verstehen: „Fast jede Flüchtlingsfamilie hat einen Helfer, der die Eingewöhnung begleitet. Die Mietzahlungen sind in der Regel behördlich gesichert.“

Vermieter gesucht:

Wer der Familie Takuri helfen will, erreicht die Betreuerin unter Tel. (01 51) 61 71 03 51. Die AGA hat die Mailadresse aga@aktionsgruppe-asyl.de.

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