Frau fühlte sich belästigt

Flüchtling will Deutsch lernen - und wird angezeigt

Nach einer ersten Stunde in ihrer Wohnung bricht eine 40-Jährige den Deutschunterricht für einen Pakistani ab. Er wird von ihr angezeigt, aber freigesprochen.

Nördlicher Landkreis– Ein aus Pakistan stammender Flüchtling (34) soll im vergangenen Oktober eine 40-jährige Frau gestalkt haben. Gewaltsam soll er versucht haben, in ihre Freisinger Wohnung einzudringen. Im Prozess vor dem Amtsgericht in Freising wurde der 34-Jährige aber freigesprochen. Der im nördlichen Landkreis Erding lebende Flüchtling hoffte anscheinend bloß auf Deutschunterricht. Die seit Wochen untergetauchte Frau gilt als psychisch auffällig.

Dem Flüchtling war am Ende keine Verfehlung nachzuweisen. Die Freisingerin galt dem Gericht als unglaubwürdig. Behauptungen der 40-Jährigen, sie hätte den Pakistani nicht gekannt, sind widerlegt. Zumindest ein Mal hatte sie ihn zur Nachhilfe in ihre Wohnung eingeladen.

Der 34-Jährige mag sich ein wenig aufdringlich der Hoffnung auf Deutschunterricht hingegeben haben. „Bloße Aufdringlichkeit ist aber noch keine Nachstellung“, begründete Richterin Tanja Weihönig den Freispruch.

Er habe nur ihr Angebot zu Nachhilfestunden wahrnehmen wollen, klagte der Pakistani. Aufgrund der Anschuldigungen habe er Schwierigkeiten bekommen, sein Name sei beschmutzt worden. „Warum hat sie mir das angetan?“ Aus den Schilderungen des radebrechend Deutsch sprechenden Mannes lässt sich entnehmen, dass er angestrengt nach Möglichkeiten suchte, die hiesige Sprache zu erlernen. Selbst in der S-Bahn bat er wildfremde Leute um Unterstützung. Wie genau er an die 40-Jährige geriet, blieb offen. Notizen des Angeklagten lassen jedoch auf eine erste Unterrichtsstunde in der Wohnung der Freisingerin schließen. Dem Gericht legte der 34-Jährige einen Zeitplan für weitere Unterrichtseinheiten vor, den ihm die Freisingerin diktiert haben soll.

Als er das Angebot im Oktober 2016 wahrnehmen wollte, habe sie ihn nicht mehr in die Wohnung gelassen. Eine Woche lang kehrte der Angeklagte zurück, klingelte, klopfte, ging dann aber auch wieder, wie ein Zeuge bestätigte. Als eine Bekannte der 40-Jährigen ihm mitteilte, die Freisingerin wolle ihn nicht treffen, unterließ er weitere Kontaktaufnahmen.

Die Freisingerin hatte der Polizei gegenüber behauptet, den Pakistani gar nicht zu kennen. Ansatzlos sei sie von ihm gestalkt worden. Nach der Anzeigenaufnahme ließ sie sich auf der Wache nicht mehr blicken. Anrufe von Polizei und Gericht ignoriert sie bis heute. Einem Polizisten nannte sie eine falsche Mail-Adresse. Ihr Aufenthaltsort ist bis dato nicht bekannt. Angeblich liegt sie in einem Kölner Krankenhaus.

Bestätigt ist, dass die 40-Jährige wiederholt auffällig geworden war und eine Reihe von Strafanträgen gestellt hatte. Anzeigen wegen Beleidigung, Körperverletzung, Nachstellung und dergleichen wurden mangels Nachweis eingestellt. Einer Polizistin erschien die Freisingerin „hysterisch und verwirrt“. Ein Arzt dokumentierte „neurologische Auffälligkeiten“. In ihrem Wohnhaus nannte sie unter anderem einen Nachbarn einen „Psychopathen“ und „Asi-Opa“, der „zu blöd zum Parken“ sei.

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © dpa

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