Die AOK bleibt an der Friedrichstraße, aber nur als Dependance der Direktion Freising-Erding.
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Die AOK bleibt an der Friedrichstraße, aber nur als Dependance der Direktion Freising-Erding.

Direktion Erding verliert Eigenständigkeit – Geschäftsräume bleiben – Kein Arbeitsplatzabbau

AOK: Zwangsfusion mit Freising

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Es ist alles andere als eine Liebesheirat, sondern eine Sparmaßnahme: Die AOK-Direktionen Erding und Freising fusionieren. Das Verwaltungsgebäude an der Friedrichstraße bleibt.

Erding – Die AOK-Direktion Erding hat zu Jahresbeginn ihre Eigenständigkeit verloren. Auf Betreiben der AOK Bayern muss die größte Krankenkasse im Landkreis mit der aus Freising fusionieren. Der Erdinger Direktor Andreas Kochbeck hat seinen Posten bereits geräumt und verantwortet nun die AOK-Direktion Mühldorf. Entsprechende Recherchen unserer Zeitung bestätigte der Vorsitzende des Erdinger AOK-Beirates, Rudolf Waxenberger. Die Versicherung selbst will die Fusion dem Vernehmen nach frühestens Ende dieser Woche öffentlich machen.

Die AOK Bayern hat sich eine Diät verordnet: Die 39 Direktionen werden zu 30 zusammengelegt. In Erding hat die Kasse 54 000 Versicherte, in Freising sind es etwa 10 000 mehr. Die Größere schluckt nun die Kleinere und firmiert ab sofort als AOK-Direktion Freising-Erding – alles andere also als eine Liebesheirat. Neuer Leiter wird Heinrich Hecht, Chef der Freisinger AOK. Waxenberger hofft, „dass Erding wenigstens den neu geschaffenen Posten des Stellvertreters bekommt“.

Denn es soll auch künftig eine Niederlassung an der Friedrichstraße geben. „Die Zusammenlegung, so wurde uns versichert, ist nicht mit einem Arbeitsplatzabbau verbunden. Auch soll in gleichem Umfang ausgebildet werden“, so der Kreishandwerksmeister.

Er steht dem 18-köpfigen Beirat vor, der paritätisch mit Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern besetzt ist. Dieses Gremium ist bis 2023 gewählt. Danach soll es laut Waxenberger nur noch einen Beirat geben – mit dann 24 Mitgliedern.

Die neue Architektur sieht eine Aufteilung der Kompetenzen auf beide Standorte vor. So soll etwa die Zahngesundheit in Erding verbleiben. Ob die Abteilungen gerecht aufgeteilt werden, vermochte Waxenberger nicht zu sagen.

Er macht keinen Hehl daraus, kein Freund der Zwangsfusion zu sein, zumal man als Beirat erst zu einem recht späten Zeitpunkt informiert worden sei, nämlich vor gerade einmal vier Wochen. „Wir wurden davon überrumpelt und fühlen uns alleine gelassen.“ Die Zusammenlegung sei „von ganz oben verordnet worden“.

Allerdings weiß Waxenberger, dass die Kassen unter einem enormen Kostendruck stehen. Die Corona-Pandemie und vor allem die Behandlung der klinischen Fälle verschlingt viel Geld. Die steigende Arbeitslosigkeit und die weit verbreitete Kurzarbeit bekommen auch die Krankenversicherer zu spüren.

Mit diesem Schritt verliert Erding eine weitere Institution zumindest teilweise, und das obwohl die Stadt seit 2016 wie Freising Oberzentrum ist. Erst im Juli vergangenen Jahres hatte das Landwirtschaftsministerium die Fusion der Landwirtschaftsämter Erding und Ebersberg verfügt.

2017 gelang es der damaligen Umweltministerin Ulrike Scharf, eine neue Lebensmittelkontrollbehörde aufzubauen. Diese sollte ihren Sitz in Erding haben. Weil es hier jedoch keine passenden Flächen gab, ist sie nun in Schwaig angesiedelt.

Und auch die Agentur für Arbeit macht Sorgen. Sie will nicht auf Dauer in Bürocontainern am S-Bahnhof untergebracht sein. Doch um einen Neubau an der Dr.-Henkel-Straße streiten Stadt und Investor erbittert. OB Max Gotz pocht darauf, dass die Agentur in Erding bleibt.

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