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Dick eingepackt stellte Melanie Hapke gestern bei Eiskellertemperaturen in Erding die Post zu.

Arbeiten in Eiseskälte 

Zwiebelprinzip und immer in Bewegung

Nein, Postboten, Zeitungszusteller und Müllwerker sind zurzeit wirklich nicht zu beneiden: Sie müssen bei Eiseskälte raus. Wir haben uns umgehört, wie Profis die Minusgrade überstehen.

Erding – Auch wenn es seit Tagen nicht geschneit hat, der Winterdienst ist derzeit rund um die Uhr gefordert.Norbert Nietfeld, Chef der Straßenmeisterei Taufkirchen, berichtet: „Unsere Mitarbeiter sind den ganzen Tag im Freien, weil wir nicht nur streuen müssen, sondern uns jetzt auch um die Holzpflege kümmern, sprich Bäume und Sträucher zurückschneiden.“ Das Personal sei dick angezogen. „Deswegen ist die Kälte eigentlich kein Problem. Außerdem sind meine Leute das gewöhnt.“

Auch die Jäger können sich jetzt nicht hinterm Ofen verkriechen. Kreisjagdverbandsvorsitzender Thomas Schreder sagt, dass das Wild mit Notfütterungen über den Winter gebracht werden müsse. Für Fasane und Hasen werden Körner und Obstbaumrinde ausgelegt. Laut Schreder haben die Tiere mit diesen Wetterbedingungen kein Problem. Er selbst setzt aufs „Zwiebelprinzip“: viele Lagen Kleidung übereinander. Nach oben schützt ihn der obligatorische Hut.

Polizisten tragen Thermowäsche

Diese Variante macht sich auch Melanie Hapke zu nutzen. Sie stellt den Erdingern die Post mit dem Fahrrad zu. Die Briefträgerin ist täglich von 8.30 bis 15 Uhr unterwegs. „Es ist sehr wichtig, sich warm zu halten“, sagt sie. „Handschuhe sollte man anhaben, genauso wie warme Jacken, eine dicke Hose und anständige Schuhe. Ich friere deswegen auch nicht. Kalt wird es eigentlich nur, wenn ich mich gerade nicht bewege, etwa wenn ich vor Hochhäusern stehe, um die Post einzuwerfen.“ Noch früher raus müssen die Zeitungszusteller, damit pünktlich um 6 Uhr der letzte Anzeiger im Briefkasten liegt.

Für warme Kleidung ist auch bei der Polizei gesorgt. Wer für Kontrollgänge auf die Straße muss, hat viel mit der Kälte zu kämpfen. „Einige Kollegen haben sich für die Wintertage Thermohosen besorgt und ziehen diese im Dienst auch an“, erzählt Bodo Urban, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Erding. „Wir versuchen auch, bei diesem Wetter die Kontrollgänge ein wenig einzudämmen. Zum Beispiel lassen wir die Laserkontrollen mit dem Handmessgerät teilweise wegfallen, um die Kollegen zu schonen“, fährt Urban fort. Dennoch könne die frostige Arbeit nicht ganz vermieden werden. Denn die Verkehrssicherheit müsse bei jedem Wetter sichergestellt sein.

Frierend unterwegs sind in diesen Tagen auch die fleißigen Arbeiter der Müllabfuhr. Roman Hausner, Fuhrparkleiter bei Wurzer Umwelt in Eitting, erklärt, dass man die Touren „leider nicht abkürzen kann“. Aber auch hier müssten die Mitarbeiter nicht den kompletten Dienst im Kalten verbringen. „Die beiden Fahrer wechseln sich ab mit Fahren und Tonnen leeren, damit sie sich zwischendurch im Führerhaus aufwärmen können. Ebenso ist es bei uns Standard, dass die Mitarbeiter eine komplette Winterausrüstung zur Verfügung gestellt bekommen. Sie haben auch alle zwei bis drei Paar Winterschuhe, falls eins mal nass wird“, erklärt Hausner. Außerdem verfügten die meisten über eine gewisse „Basisgesundheit“.

Etwas besser haben es da die Mitarbeiter des Altenerdinger Baugeschäfts Anzinger. Dessen Chef Rudi Waxenberger weiß, warum: „Unsere Bauarbeiter sitzen den Winter über meist zuhause im Warmen. Bei diesen Temperaturen ist eine Verarbeitung von Baumaterial nämlich nahezu unmöglich. Unsere Rohstoffe, beispielsweise Beton, sind sehr frostempfindlich und lassen sich schwer verarbeiten.“ Anders sehe es bei Innenarbeiten aus. „Dann kann man einheizen“, so Waxenberger. Allerdings sei es sehr schwer, jeden Winter einen Innenauftrag an Land zu ziehen, weshalb die Mitarbeiter über die kalte Jahreszeit mit dem Saison-Kurzarbeitergeld der Agentur für Arbeit versorgt werden. So habe man auch Kündigungen vermeiden können.

Bauarbeiter machen jetzt Urlaub

Probleme mit Beton und Kälte hat auch das Konsortium, das die A 94 baut. Projektleiter Nikolaus Arndt berichtet: „Die Arbeiten sind größtenteils eingestellt, da die Kälte den Beton beschädigen könnte.“ Nur einige Subunternehmen seien noch auf der Baustelle. Deren Arbeiter würden sich durch Bewegung warm halten und die Mittagszeit in einer beheizten Bauhütte verbringen. Auch er fügt hinzu, dass die Bauarbeiter an die Kälte gewöhnt seien. Die derzeit unbeschäftigten Arbeiter bekommen laut Arndt einen Schlechtwetterausgleich oder befinden sich im Urlaub.

Liesa Pfort

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