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Archäologische Grabungen an der Rathaus-Baustelle 

Asche und Vase als Boten des Mittelalters

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Die Bomben, die am Ende des Zweiten Weltkriegs über Erding abgeworfen wurden, haben nicht alles zerstört. Auf der Rathaus-Baustelle an der Landshuter Straße sind die Archäologen fündig geworden – im letzten Moment.

Erding – Die wenigsten Kunden der Hypo-Vereinsbank an der Landshuter Straße dürften gewusst haben, auf welch historischem Boden sie ihre Geldgeschäfte getätigt haben. Denn nun, wo das Haus abgerissen ist und dem neuen Rathaus der Boden bereitet wird, spricht der Untergrund.

Archäologen der Münchner Firma Planateam haben mit Unterstützung von Stadtheimatpfleger Wilhelm Wagner sowie der Ehrenamtlichen des Archäologischen Vereins und des Archäologischen Arbeitskreises des Museums Erding bis Ende vergangener Woche Grabungen vorgenommen.

Das Beste kam zum Schluss: Am letzten Tag stießen die Experten auf einen gemauerten Quader, der als Feuerstelle gedient haben dürfte. In tiefschwarzen Resten, vermutlich Asche, entdeckten die Archäologen eine tönerne Vase.

Direkt daneben legten die Experten eine Schichtung aus Kalk und Kies frei. Sie könnte ein Beleg für Häuser an dieser Stelle etwa im 15. Jahrhundert sein. „Die gleiche Entdeckung haben wir auch am Rätschenbach gemacht“, sagt Wagner. Auch Mauer- und Mörtelreste seien freigelegt worden. „Sie müssen jetzt im Labor untersucht werden, damit wir wissen, aus welchem Jahrhundert sie stammen“, so der Ehrenamtliche.

Freigelegt wurde zudem ein mittelalterlicher Keller, der nach grober Schätzung Wagners aus der entbehrungsreichen Zeit des 30-jährigen Kriegs (1618-1648) stammen könnte.

Der Stadtheimatpfleger gesteht zwar, „dass wir an der Landshuter Straße 4 deutlich weniger gefunden haben als am Rätschenbach“. Dennoch sei er positiv überrascht. „Denn wir wissen, dass dieser Bereich 1945 bombardiert worden ist“, sagt Wagner. Heute erweise es sich als ein Segen, dass viele Häuser früher zumindest nicht voll unterkellert waren. „Sonst hätten wir hier nichts mehr ausgegraben.“

Und: Die Archäologie ist an dieser Adresse noch nicht fertig, die Experten werden schon in ein paar Wochen wieder zurückkehren. „Nun wird das Baufeld planiert. An den Rändern werden Stützpfeiler in den Boden getrieben, um die Nachbargebäude zu sichern. Wenn das gemacht ist, begeben wir uns auf die Suche in tieferen Schichten.“ Die Historiker hoffen auf weitere Kellergewölbe. Ein Traum für sie wäre, „wenn wir auf ein Grubenhaus, eine Latrine stoßen würden“, verrät Wagner.

Die Arbeiten werden wissenschaftlich begleitet – übergeordnet durch das von der Stadt mitfinanzierte Forschungsprojekt „Erding im ersten Jahrtausend“. Daraus hat Emanuel Schormair von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) ein Stipendium für seine Doktorarbeit „Erding von 1228 bis zum 30-jährigen Krieg unter besonderer Berücksichtigung der Erdinger Stadtmauer“ erhalten. Parallel dazu arbeitet Marc Miltz ebenfalls von der LMU an einer Doktorarbeit über den Königshof als Keimzelle Erdings in Altenerding (wir berichteten).

Wagner erklärt, er bekomme jeden Bauantrag auf den Tisch, um ihn hinsichtlich erforderlicher Bodenuntersuchung zu prüfen. „Wir sind daran interessiert, alle Funde schnell zu sichern und ins Museum zu bringen, um sie auswerten, katalogisieren und archivieren zu können.“ Bezahlt werden müssten die Grabungen gemäß Denkmalschutzgesetz aber vom Bauherrn – mitunter ein Konflikt.

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