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Armutsrisiko Stromrechnung: Für Empfänger von Sozialleistungen wird es noch schwieriger

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Von: Michaele Heske

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Die Stromrechnung könnte in diesem Jahr bei vielen Verbrauchern so hoch wie noch nie ausfallen.
Die Stromrechnung könnte in diesem Jahr bei vielen Verbrauchern so hoch wie noch nie ausfallen. © IMAGO/Michael Gstettenbauer

Energiekosten sind nicht im Regelsatz der Sozialhilfe enthalten. Von Erhöhungen werden die Leistungsbezieher also besonders hart getroffen. Im Landkreis Erding sind es 2800 Empfänger, davon 669 ukrainische Flüchtlinge.

Erding – Steigende Energie- und Lebensmittelpreise setzen Hartz-IV-Empfänger besonders unter Druck. Im Landkreis Erding beziehen aktuell 2800 Personen inklusive Kindern Leistungen vom Jobcenter Aruso in Erding –darunter sind 669 Geflüchtete aus der Ukraine.

Wer arbeiten will, der findet auch einen Job – so das Klischee. Doch ganz so einfach sei es nicht, sagt Aruso-Geschäftsführerin Monja Rohwer. „Viele Menschen, die Leistungen von uns beziehen, sind krank und können nicht arbeiten, andere sind schon älter und fallen bei den Arbeitgebern durch das Raster.“ Zudem seien die ausgeschriebenen Stellen oft nicht mit der Qualifikation der Arbeitssuchenden kompatibel.

Das Leben am Existenzminimum sei nicht einfach. Jetzt, wo alles teurer werde, leiden die Bedürftigen besonders unter der Inflation, so die Erdinger Jobcenter-Chefin: „Das Geld reicht nicht.“ Denn die staatlichen Regelsätze pro Monat sind gleichgeblieben, obwohl die Kosten für Strom, Gas und Lebensmittel explodieren. Insgesamt, so eine Modellrechnung, werden 34,7 Prozent der kompletten Hartz-IV-Leistung für Lebensmittelkosten eingeplant.

Monja Rohwer Geschäftsführerin des Jobcenters Aruso in Erding.
Monja Rohwer Geschäftsführerin des Jobcenters Aruso in Erding. © Archiv

„Die ganze Situation tut einem schon leid – aber es gab ja eine Sonderzahlung“, sagt die Jobcenter-Geschäftsführerin. Ende Juli ging ein Bonus von 200 Euro auf das Konto der Sozialhilfeempfänger. Besonders die Erhöhung der Stromrechnungen werde ihre Klientel bald zusätzlich stark treffen: „Strom ist nicht im Regelsatz inkludiert.“

Für Sozialhilfeempfänger ergibt sich demnach rechnerisch folgendes monatliches Budget für Nahrung: Ein Alleinstehender hat 155,82 Euro zur Verfügung, Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren 107,92 Euro und Kinder von 14 bis 17 Jahren 130,47 Euro. „Da wird der Einkauf schwierig, besonders dann, wenn auch noch gesunde Nahrung auf den Tisch kommen soll.“

Fehlt am Monatsende Geld, sind dem Jobcenter die Hände gebunden: „Wir können den Kunden nur raten, sich an die Tafel zu wenden“, erklärt Rohwer. Doch auch die Tafeln sind mittlerweile überlaufen, fast doppelt so viele Kunden kommen seit Kriegsbeginn zu den Ausgabestellen (siehe Bericht unten).

Seit 1. Juni werden im Jobcenter Erding zudem die Flüchtlinge aus der Ukraine betreut. „Den Wechsel haben wir gut gemeistert“, erklärt Rohwer. In anderen Landkreisen, etwa in Freising, kommt es seither immer wieder zu Problemen mit der Auszahlung an Bedürftige. Immerhin mussten die Mitarbeiter auch in Erding zusätzlich 290 Bedarfsgemeinschaften abwickeln.

Gesetzliche Voraussetzung für den Bezug von SGB-II-Leistungen ist eine sogenannte Fiktionsbescheinigung, die das Bestehen eines vorläufigen Aufenthaltsrechts nachweist, sowie eine zweifelsfreie Klärung der Identität. Die Zahl der Ukrainer werde auch bei Aruso steigen, so Rohwer. „Es sind noch um die 40 Anträge zur Bearbeitung offen – und es kommen auch immer noch neue Ukrainer ins Jobcenter.“

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