Aruso 

Jobcenter will Flüchtlinge fit machen

Mit der Zahl anerkannter Flüchtlinge wachsen auch die Aufgaben des Jobcenters Aruso in Erding. Der örtliche Beirat hat nun das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2017 beschlossen.

Erding – Zu den Aufgaben, die das Jobcenter Aruso Erding heuer zu erledigen hat, gehört es, Langzeitarbeitlose wieder in Lohn und Brot zu bringen und drohende Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden. Außerdem stellt die wachsende Zahl von anerkannten Flüchtlingen das Jobcenter vor große Herausforderungen. Das geht aus dem Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2017 hervor, das der Aruso-Beirat nun in öffentlicher Sitzung beschlossen hat.

Im Vergleich zu 2015 gab es Ende 2016 mit 1739 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten 133 Menschen mehr, die beim Jobcenter Erding gemeldet waren. Das ist ein Anstieg um 8,3 Prozent und liegt an der wachsenden Zahl anerkannter Flüchtlinge. Momentan sind noch rund 1000 Menschen in Asylverfahren. Das Jobcenter betreut 330 anerkannte Flüchtlinge. Laut Geschäftsführerin Monja Rohwer dürfte sich diese Zahl im Laufe des Jahres verdoppeln.

Obwohl der Arbeitsmarkt in der Region stabil und aufnahmefähig ist, ist es nicht leicht, Langzeitarbeitslose und Migranten zu vermitteln. Wichtig für das Jobcenter ist jetzt vor allem, Jugendliche und junge Erwachsenen zu einem Berufsabschluss zu verhelfen. Das sei für die Zukunft unabdingbar, denn mit dem wachsenden Arbeitsmarkt würden in den kommenden Jahren Helferstellen abnehmen, sagte Rohwer.

Für Menschen unter 25 Jahren steht ein eigener Vermittler bereit. Falls nötig, wird den Jugendlichen und ihren Familien auch eine sozialpädagogische Betreuung zur Seite gestellt. Auch um Erwerbslose zwischen 25 und 35 Jahren ohne Abschluss kümmert sich eine Spezialistin. Sie prüft jeden Fall und kann dann zur Art und Weise der Ausbildung raten. „Wer hier ausgewählt wird, schafft die Ausbildung auch“, sagt Rohwer. Mit dem Klinikum Erding gebe es bereits gute Kooperation für die Ausbildung zum Pflegeassistenten.

Ein weiteres Problem besteht darin, die arbeitslosen Jugendlichen – im Januar waren es 40 – in einen Job zu bringen. Sie sind oft unmotiviert, haben Defizite in den Sozialkompetenzen, familiäre Probleme oder schlicht keine Erfahrung in der Arbeitswelt. Auch ihnen soll durch eine individuelle Betreuung unter die Arme gegriffen werden.

Raus aus vererbtem Sozialleistungsbezug

Wer keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, kann an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme teilnehmen, in deren Rahmen es auch möglich ist, den Hauptschulabschluss nachzuholen.

Zudem ist die Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe des Landratsamts geplant. Daraus soll eine Maßnahme entstehen, bei der ein Coach die ganze Familie betreut. Ziel ist es, die Eltern wieder berufsmäßig so an den Start zu bringen, dass sie als Vorbilder auf ihre Kinder wirken. Das soll den „vererbten Sozialleistungsbezug“ durchbrechen.

Junge Flüchtlinge werden von besonders geschulten Vermittlern betreut. „Das hat sich 2016 bewährt und wird deswegen 2017 fortgesetzt“, erklärt Rohwer. Unterstützt von Dolmetschern, werden die sprachlichen und beruflichen Kompetenzen festgestellt, um Defizite gezielt beheben zu können. Das Ziel: Schon während der Sprachkurse soll ein Job gefunden werden, um Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden. Auch mit den Helferkreisen will Aruso kooperieren.

Derzeit gibt es im Landkreis Erding 879 so genannte Langzeitleistungsbezieher und 171 Langzeitarbeitslose. Für sie gibt es das Programm „Wege in Arbeit“ oder betreute Jobs, darunter auch 15 Stellen im Caritas-Sozialkaufhaus Rentabel. Speziell für Langzeitarbeitlose greift in Erding seit Mitte 2015 das Bundesprogramm des Europäischen Sozialfonds für Deutschland, in dem Arbeitgeber unter anderem mit Lohnkosten-Zuschüssen dafür begeistert werden sollen, Langzeitarbeitslosen eine Chance zu geben. Ein Betriebsaquisiteur des Jobcenters versucht, Firmen dafür zu gewinnen. Dabei gibt es erste Erfolge, so Rohwer: „Unser Ziel, in den ersten 24 Monaten zwölf Langzeitarbeitlose in Arbeit zu bringen, werden wir erreichen.“ Zehn haben schon wieder einen Job.

Henry Dinger

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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