Viel Geduld mussten die Impfwilligen am Osterwochenende vor dem Impfzentrum in Erding aufbringen.
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Viel Geduld mussten die Impfwilligen am Osterwochenende vor dem Impfzentrum in Erding aufbringen.

„Bodenlose Sauerei“

Kurzfristige Impf-Aktion mit Astrazeneca: Hunderte Menschen stehen stundenlang Schlange

  • vonTimo Aichele
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In einer kurzfristigen Aktion hat das BRK übers Osterwochenende in Erding eine Sonderlieferung Astrazeneca verimpft. Bereits Stunden vor der Öffnung standen die Impfwilligen Schlange.

Erding – Warteschlangen quer über den Parkplatz. Schimpfende Bürger, die nach langem Anstehen entnervt aufgeben. Aber auch über 500 Glückliche, die am Osterwochenende die ersehnte Corona-Impfung erhalten haben. Die Sonderaktion am Impfzentrum in der Turnhalle am Lodererplatz stieß übers Osterwochenende auf gewaltiges Interesse. Viele beklagten sich über eine schlechte Organisation der Impfzentrum-Betreiber vom BRK. „Wir wussten: Es wird einen Ansturm geben. Dass die Leute aber bereits um 11 Uhr kommen, wenn das Zentrum um 14 Uhr aufmacht, damit haben wir nicht gerechnet“, erklärt BRK-Geschäftsführerin Gisela van der Heijden auf Nachfrage.

Astrazeneca in Erding: Menschen steheen schon Stunden vor Öffnung des Impfzentrums an

Vor allem im Namen der Mitarbeiter, die ihr Osterwochenende spontan geopfert hätten, um 550 Dosen Astrazeneca-Vakzin zu verimpfen, weist van der Heijden manche besonders heftige Vorwürfe zurück. Erst am späten Donnerstagnachmittag habe das BRK erfahren, dass zusätzlich 550 Dosen Astrazeneca geliefert werden.

Daraufhin sei beschlossen worden, von Samstag bis Montag jeweils nachmittags zu öffnen und jeweils etwa 180 Landkreisbürger über 60 Jahre zu impfen. „Das war sehr kurzfristig“, betont van der Heijden.

Corona in Bayern: Über 500 kurzfristig verimpfte Dosen Astrazeneca in Erding

Als dann am Karsamstag die ersten BRK-Mitarbeiter um 13 Uhr ihren Dienst antraten, wurden sie von einer langen Schlange überrascht. In den folgenden Tagen wurde schon am Vormittag mit der Ausgabe von Anmeldeformularen begonnen. Wegen des großen Andrangs „hat das Corona-Impfzentrum am Samstag beschlossen, für die nächsten beiden Tage ein Nummernsystem einzuführen. Für die Wartezeiten entschuldigen wir uns, aufgrund der spontanen Lieferung hatten wir allerdings nur begrenzte Möglichkeiten, darauf zu reagieren“, erklärt van der Heijden.

Eine Leserin des Erdinger Anzeigers hatte dies am Ostersonntag bei einem kurzen Gespräch am Impfzentrum erfahren. Sie und ihr Mann kamen tags darauf um 10 Uhr wieder, hatten zwei Stunden später ihre Anmeldenummer, gingen zum Mittagessen nach Hause und wurden wiederum ab 14 Uhr dann schnell geimpft.

Nur mit dieser direkten Nachfrage erhielt man einen solchen Informationsvorsprung. Beim Druck der Heimatzeitung fürs Osterwochenende war diese Entwicklung nicht bekannt. Aber auch online waren entsprechende Tipps nicht zu erhalten. Entsprechend enttäuscht und verärgert waren einige Bürger. „Ich habe meine Mutter aus Buch am Buchrain extra abgeholt und wir sind am Ostermontag um 13.30 Uhr vor der Türe des Impfzentrums gestanden – ohne überhaupt eine Chance auf eine Impfung zu haben“, beklagt Claudia Füssel aus München in einer E-Mail an die Redaktion.

Kurzfristige Astrazeneca-Impfungen in Erding: „Mangel an Organisation ist unbeschreiblich“

Noch klarer kritisiert Eva Göckener aus Oberneuching die Impfaktion. „Dieser Mangel an Information und Organisation ist einfach unbeschreiblich und unerhört, gelinde gesagt, eine bodenlose Sauerei“, schreibt sie in einer E-Mail an Landratsamt und Rotes Kreuz, die unserer Zeitung vorliegt. Sie und ihr Mann hätten es am Osterwochenende dreimal versucht, einen Impftermin zu bekommen.

Am Ostersonntag um 13.30 Uhr und etwa 24 Stunden später seien bereits alle Termine vergeben gewesen. Zwischendrin hätten sie am Montag um 8.30 Uhr versucht, sich anzustellen. Da jedoch niemand vor Ort und auch keine Information ausgehängt war, seien sie und ihr Mann unverrichteter Dinge nach Hause gefahren.

Mehr Glück hatte Gaby Gerstner aus Wartenberg. Nach einem missglückten Versuch am Ostersonntag um 13.30 Uhr kehrte sie am Montag um 11 Uhr wieder. Innerhalb einer Stunde erhielt sie einen Termin und wusste: ab 15.30 Uhr muss sie wiederkommen. „Einlass, kurze Wartezeit, jeder hoch motiviert, Impfung in kürzester Zeit verabreicht, Danke an alle“, schreibt Gerstner an die Redaktion. Doch auch sie beklagt ungeschickte Organisation und mangelhafte Informationen: „Schade, dass der Weg bis zur Impfung so chaotisch war.“

Astrazeneca-Impfungen in Bayern: Menschen stehen stundenlang Schlange - Organisation schlägt fehl

Ähnlich bewertet Thomas Werner aus Wörth den Ablauf. „Es ist natürlich Klasse, wenn man etwas von zusätzlichen Kapazitäten angeboten bekommt. Aber muss man auch diese spontane Aktion so chaotisch verlaufen lassen? Hätte man das nicht etwas funktioneller organisieren können, als die angesprochenen Ü60er über drei Stunden Wind und Wetter auszusetzen?“, schreibt er.

Auch Wolfgang Thomas und seine Frau Gabriele mussten mehrfach anrücken, um den erlösenden Pieks zu bekommen. Die Oberdinger kommentieren den Ablauf dagegen ausschließlich positiv. Einen ersten Versuch am Samstag gegen 13.30 Uhr brachen sie ab, als eine BRK-Mitarbeiterin mitteilte, dass alle Termine vergeben sind. „Am Sonntag haben wir uns entschlossen das Osterfestmahl zugunsten einer Impfung ausfallen zu lassen“, berichtet Wolfgang Thomas.

Um 11.40 Uhr hätten schon etliche Impfwillige angestanden. „Nach kurzer Wartezeit verteilte ein netter Mann der Security die notwendigen Fragebögen und Erklärungen mit Schreibunterlage und Stift an die Wartenden“, berichtet Thomas. Mit den Nummern 42 uns 43 waren die Eheleute aus Oberding gegen 14.30 Uhr an der Reihe und eine knappe Stunde später fertig. „Wir haben großen Respekt vor der Leistung der wohl überwiegend ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die investierte Zeit von rund vier Stunden bereuen wir nicht“, erklärt Thomas.

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