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Mittendrin beim FC Erding, mittendrin in Deutschland: Mamoudou Diao (5. v. l.) und Y usuph Badmus (3. v. r.) mit Mitspielern und Fans der Erdinger Kicker. 

Asylbewerber aus Nigeria und dem Senegal 

Zwei FC Erding-Kickern droht die Abschiebung

Der FC Erding steht vor dem Verlust zweier Spieler. Doch nicht, weil sie lieber woanders spielen oder gar aufhören wollen, sondern weil sie nicht mehr in Deutschland leben dürfen: Mamoudou Diao und Yusuph Badmus haben ihren Abschiebebescheid bekommen.

Erding– „Wenn ich nicht hier bleiben darf, gehe ich woanders hin. Aber in den Senegal gehe ich nie wieder zurück“, sagt der 23-jähirge Mamoudou Diao, der im Heimatland seiner Mutter Guinea-Bissau geboren wurde. Als er zehn Jahre als war, verstarben seine Eltern in der Grenzregion zum Senegal im Krieg. Danach kam er zusammen mit seiner Schwester zu seiner senegalesischen Oma.

2008, im Alter von 14, begann seine Flucht aus dem Kriegsgebiet. Über Mauretanien und Algerien kam er nach Marokko. Dort wartete er eine Woche lang am Meer, um auf einem Boot nach Spanien zu gelangen. Die Überfahrt dauerte eine Woche. Ein weiteres Boot brachte ihn nach Barcelona, wo er ein Jahr lang blieb. 2012 kam er nach Berlin, um zwei Monate später nach München zu gelangen. Hier wohnt Diao nun seit vier Jahren. Eine sportliche Heimat hat er in Erding gefunden: Beim FCE spielt er Fußball.

„Ich habe in der Schule den Integrationskurs belegt und wollte auch einen Schulabschluss machen. Doch das durfte ich leider nicht“, sagte Diao in nicht ganz flüssigem, aber verständlichem Deutsch. Seit 2014 hat er bis voriges Jahr als Küchenhilfe in einem Steakhouse in Schwabing gearbeitet. Doch das dürfe er nicht mehr. „Seitdem habe ich auf meine Arbeitserlaubnis gewartet, doch ohne meine originale Geburtsurkunde ging das nicht. Dabei will ich kein Geld vom Staat, ich möchte dafür arbeiten“, sagt Diao. Doch seine Geburtsurkunde liege in seinem Geburtsort, an die komme er nicht mehr heran. „Meine Schwester ist vergangene Woche bei einer Operation gestorben. Sie war meine letzte Kontaktperson nach Hause. Ich habe nun keine Familie mehr.“ Wenn er die Urkunde selber holt, fürchtet er, dass er nicht mehr nach Deutschland gelangt.

Auch der aus Nigeria stammende 21-Jährige Yusuph Badmus – er kickt ebenfalls beim FC Erding – hat eine ähnliche Geschichte hinter sich. Als 15-Jähriger landete er über den Niger und Libyen zunächst in der Türkei. „Dort haben mich Schlepperbanden gezwungen, Drogen zu verkaufen“, erzählt er. Er habe gewusst, dass er früher oder später ins Gefängnis komme, sollte er nicht aus den Händen dieser Bande entwischen. Also zog er weiter nach Griechenland. Mazedonien, Serbien, Ungarn und Deutschland waren die nächsten Stationen.

Seit fast vier Jahren wohnt Badmus ebenfalls in München. Warum er diese Tortur auf sich genommen hat, will er nicht sagen. „Es ist sehr kompliziert. Diesen Teil meines Lebens möchte ich vergessen. Ich will in der Zukunft leben“, sagt Badmus. Kontakt in die Heimat hat er keinen. „Ich weiß nicht, wo meine Verwandten sind und ob sie noch leben.“ Er hat in Deutschland seinen Hauptschulabschluss machen können und wollte im September eine Ausbildung zum Lagerlogistiker beginnen. Doch genauso wie Diao hat er Mitte Mai seinen Abschiebebescheid bekommen.

„Ich habe Pläne für die Zukunft, will mir hier ein Leben aufbauen. Arbeiten gehen, Fußball spielen. Ein normales Leben eben“, sagt Badmus, der mit seiner nigerianischen Freundin, die ebenfalls nach Deutschland geflohen ist, ein zwei Monate altes Kind hat. Es ist in Deutschland geboren. Seine Freundin darf weitere fünf Jahre hier bleiben, Badmus wird wohl nach Nigeria zurück müssen, wovor er seit seiner Ankunft in Deutschland Angst hatte. Beide hätten zu Beginn ihrer Flucht nicht das Ziel Deutschland gehabt, beteuert er. Sie hätten einfach ein Leben ohne Angst und in Freiheit gewollt.

Das würden seine Teamkollegen und die Abteilungsleitung des FC Erding beiden wünschen. „Sie sind uns ans Herz gewachsen. Mamoudou und Yusuph sind beide anständige Jungs“, sagt Abteilungsleiter Matthias Köppen. Diao sei von sich aus auf den FC Erding gekommen, Badmus wurde über den ehemaligen Kapitän Douglas Wilson an die Sempt gelockt.

Köppen ist klar, dass in vielen Asylanträgen Einzelfälle nicht berücksichtigt werden. „Doch wir wollten darauf aufmerksam machen, um zu zeigen, dass man Einzelfälle berücksichtigen sollte. Ihre Geschichte zeigt, dass beide keine Wirtschaftsflüchtlinge sind“, sagte Köppen. Ihm gehe es nicht darum, dem FC Erding zu helfen, die Spieler zu halten. „Wir wollen helfen, dass sie in Deutschland leben und arbeiten dürfen.“ Beide haben einen Anwalt eingeschaltet, um gegen die Abschiebung zu klagen. Wie aussichtsreich das ist, kann niemand sagen.

Ilies Mebarki

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