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Nach fast 90-jähriger wechselvoller Militärgeschichte geht die Ära des Fliegerhorsts Erding Ende 2024 zu Ende. Stattdessen soll hier ein neuer Stadtteil entstehen. Wie schnell das geht hängt auch von den Altlasten ab. 

Endlager: Stadt hält Erding für völlig ungeeignet – Bundeswehr-Abzug schreitet voran

Bomben und Atommüll – das passt nicht

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Der Untergrund des Fliegerhorts Erding könnte für ein atomares Endlager taugen. Die Stadt fährt nun schwere Geschütze dagegen auf. Der Tenor: Viel zu gefährlich in einem buchstäblich verminten Gebiet.

Erding – Das Gespenst Atommüll-Endlager im Kreis Erding spukt zwar nahezu unsichtbar durch die Debatte, vom Tisch ist der Standort noch nicht. Nun hat die Stadt Erding dem Bundesamt für Sicherheit der nuklearen Entsorgung ihre Gründe mitgeteilt, warum eine Ansiedelung sogar höchst brisant sein könnte. Die Liste möglicher Standorte weist auch Teile der Stadt aus – das Fliegerhorstgelände.

Mehrere Gemeinden vor allem in der Landkreismitte und im -osten sind auf der Karte möglicher Atomlager-Standorte verzeichnet. Der Widerstand ist groß (wir berichteten). Nun versucht sich auch die Kreisstadt aus dem Rennen zu nehmen.

OB Max Gotz hat der Berliner Bundesbehörde in einer dreiseitigen Stellungnahme die Ablehnungsgründe mitgeteilt. Es düften nicht nur die geologischen Beschaffenheiten eine Rolle spielen, so Gotz. Er weist darauf hin, „dass die Große Kreisstadt durch die Aufnahme zahlreicher Infrastrukturmaßnahmen an die Grenze ihrer Belastbarkeit gelangt ist“. Die verkehrlichen Auswirkungen bekomme Erding stark zu spüren. In diesem Zusammenhang nennt Gotz den Flughafen München.

Er erinnert aber auch an große zusätzliche Verkehrsprojekte, etwa die Nordumfahrung, den S-Bahn-Ringschluss, die Walpertskirchener Spange und den Ausbau der Bahnstrecke München–Mühldorf–Freilassing–Salzburg. Gotz rechnet deswegen mit einem weiteren Bevölkerungswachstum.

Hier rückt der Ende 2024 frei werdende Fliegerhorst ins Blickfeld, auf dessen Gelände bekanntlich ein komplett neuer Stadtteil entstehen soll. Bei der Standortsuche für ein atomares Endlager sind die Geologen freilich ausgerechnet auf diesen Bereich gestoßen. Der Kurzbericht des Bundesamtes erwähnt dazu, dass hier „eine günstige geologische Gesamtsituation für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle zu erwarten ist“.

Diese Aussage kann Gotz „ausdrücklich nicht teilen“. Er erinnert daran, dass der Fliegerhorst, zwischen 1935 und 1938 errichtet, im Zweiten Weltkrieg mehrfach angegriffen und 1945 regelrecht ausgebombt worden sei. Bereits 2018 hat im Vorgriff auf die Konversion eine Kampfmitteluntersuchung stattgefunden – mit einem buchstäblich hoch explosivem Ergebnis. Es sei mit nicht gezündeten Artilleriegranaten, zurückgelassenen und verschütteten Kampfmitteln sowie versprengter Munition zu rechnen.

Zudem hält Gotz das Gebiet auch wegen des nahen Münchner Flughafens für ein Endlager für ungeeignet. Denn es bestehe „ein potenzielles Risiko von Flugzeugabstürzen“. Das sei keine abstrakte Gefahr, so der OB mit Hinweis auf den Absturz einer Maschine 1979 bei Emling (Bockhorn) in unmittelbarer Nähe zum Fliegerhorst.

Derweil schreitet der Abzug der Bundeswehr aus Erding weiter voran. Exakt zehn Jahre nach Bekanntgabe der Auflösung des Fliegerhorsts läuft die Umsiedelung des Instandsetzungszentrums 11 der Luftwaffe zu den neuen Liegenschaften in Manching auf Hochtouren. Nach Angaben von Bundeswehrsprecher Peter Jentscher ist mit 63 Soldaten und 23 Zivilbeschäftigten die Hälfte der Besatzung nun umgezogen, der Rest erfolgt bis Jahresende. Gänzlich verlassen will das Militär den Stützpunkt bis Ende 2024. In Manching wurden laut Jentscher 110 Millionen Euro investiert. Das Instandsetzungszentrum 11 leistet nach den Worten seines Sprechers „einen wesentlichen Beitrag zur Einsatzbereitschaft der Luftwaffe.“ Hier werden Teile und Geräte instandgesetzt, vor allem beim Kampfjet Tornado, beim Eurofighter, beim Tiger und beim Hubschrauber NH90.

In Erding bleiben wird das Münchner Rüstungsunternehmen MTU, das mit der Bundeswehr eine Kooperation eingeht. Das Materialdepot ist bereits abgesiedelt, die Ausbildung der Fluggerätmechaniker läuft aus. Bis zum Schluss bleiben muss die Fliegerhorst-Feuerwehr.

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