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Nicht zu übersehen sind die Beamten, die Einsätze mit Kamera aufzeichnen. In der Inspektion Erding gibt es vier Geräte, die seit dem Herbstfest mitgeführt werden. Auch bei Eishockeyspielen sind sie dabei. 

Auch im Landkreis sind Polizisten mit Bodycams im Einsatz – Gewalt gegen Beamte eindämmen

Kameramann in Uniform

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Bretterboden statt roter Teppich: Reichlich unspektakulär verlief die Premiere für die Einführung der Videoüberwachung bei der Erdinger Polizei.

Erding– Erstmals setzten die Beamten beim Herbstfest so genannte Bodycams ein. Die Mini-Kameras mit Tonspur können Einsätze aufzeichnen und später als Beweissicherung dienen. Über vier Kameras verfügt die Inspektion – und mittlerweile über einige Erfahrung.

„Wir setzen die Kameras bei Einsätzen wie auf dem Herbstfest oder während der Eishockeyspiele ein“, berichtet Harald Pataschitsch, stellvertretender Leiter der Erdinger Inspektion. Aber auch im Streifendienst seien die Bodycams dabei. Zu übersehen sind sie nicht. Die handtellergroßen Geräte sind signalgelb, die Beamten tragen ebenfalls gelbe Hinweisschilder „Video – Audio“.

Pataschitsch erklärt, „dass die Bodycams üblicherweise im Prerecording-Modus laufen. Das heißt, sie sind an, die Aufnahmen werden aber alle 30 Sekunden überschrieben“. Tritt ein Ereignis an, das die Beamten im Bewegtbild festhalten wollen, „kündigen sie das an und drücken den Aufnahmemodus“, so der Leiter der Verfügungsgruppe. Der jeweilige Dienstgruppenleiter entscheidet dann, ob ein Mitschnitt gesichert wird. Ob er auf DVD gebrannt und damit für die Ewigkeit erhalten bleibt, liegt im Ermessen des Inspektionsleiters. „Alle anderen Aufnahmen werden nach spätestens 21 Tagen gelöscht“, so Pataschitsch, der von ersten dokumentierten Einsätzen berichtet – unter anderem ausufernde Gewalt auf dem Herbstfest.

Die bayerische Polizei testet die Bodycams seit November 2016. Im Sommer begann die Verteilung auf die Dienststellen, teilt das Ingolstädter Präsidium mit. 126 Geräte stehen für den Schutzbereich zur Verfügung.

Die neue Technik dient nicht zuletzt der Absicherung der Beamten. Hans-Peter Kammerer vom Präsidium Oberbayern-Nord berichtet von „einem seit mehreren Jahren zu verzeichnenden Anstieg der Gewalt gegen Polizisten. 2018 stieg die Zahl der Fälle bayernweit um 4,8 Prozent. Im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord wurden voriges Jahr 603 Fälle registriert“. Durch die offen getragenen Kameras hätten im Pilotversuch Übergriffe verhindert und eine deeskalierende Wirkung erzielt werden können. „Es gab eine deutlich erhöhte Hemmschwelle, Beamte anzugreifen. Zudem konnten im Einsatz gefertigte Aufnahmen als Beweismittel in Ermittlungen eingebracht werden“, berichtet Kammerer.

Genau deswegen begrüßt auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) den Einsatz von Bodycams. „Es ist ein wirksamer Schutz vor Angriffen“, ist Florian Leitner, GdP-Chef im Bereich des Ingolstädter Präsidiums. „Und das werden leider immer mehr.“ Zudem könne man der Justiz hieb- und stichfeste Beweise liefern. Doch der Erdinger sieht noch einen weiteren Vorteil: „Es kommt immer öfter vor, dass Leute, die mit uns zu tun hatten, hinterher behaupten, wir hätten sie angegriffen. Das können wir nun klar widerlegen“, sagt Leitner.

In Wohnungen würden die Bodycams in der Regel nicht eingesetzt. „Da gilt der Schutz der Wohnung. Wenn allerdings eine akute Gefährdung etwa wegen häuslicher Gewalt vorliegt, zeichnen wir einen Einsatz auf“, so Leitner. Kammerer betont: „Die Beamten wurden dafür aufwendig geschult.“ Bei Versammlung werde üblicherweise nicht gefilmt, ebenso wenig bei der Verfolgung von Verkehrsdelikten, Es sei denn, eine Lage spitzt sich zu.

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