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Vom Eisenhelm bis zur Schreibmaschine: Harald Krause hatte jede Menge Anschauungsmaterial aus dem Museum Erding dabei.

Kinder-Uni Erding: Bin ich schon museumsreif?

Auch ein Parkschein gehört ins Museum

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Erding - Von der Steinaxt bis zur Schreibmaschine, vom jahrhundertealten Holzpfahl bis zur Bierflasche: Was sich im Archiv des Museums Erding so alles ansammelt, berichtet Museumsleiter Harald Krause in der Kinder-Uni.

Schnell zwei 50-Pfennig-Münzen aus der Tasche gekramt, rein in die Parkuhr, Rädchen drehen – und schon darf man mit seinem Auto knapp eine Stunde lang stehen bleiben. Was Harald Krause da in der Kinder-Uni an der Volkshochschule (VHS) Erding demonstrierte, war für die meisten der Mini-Studenten neu. Dabei ist die Parkuhr an sich ein Auslaufmodell, und die Uhr mit den DM-Münzen längst museumsreif.

Doch was bedeutet eigentlich „museumsreif“? Dieser Frage ging Krause, Leiter des Museums Erding, in der letzten Vorlesung der Kinder-Uni in diesem Sommersemester nach. „Museumsreif heißt, dass etwas schon alt genug ist, um im Museum ausgestellt zu werden“, wusste Studentin Andrea die Antwort.

Dieses Kriterium erfüllt in jedem Fall die Steinaxt, die Krause durch die Reihen gehen ließ. Rund 6000 Jahre ist das Werkzeug alt – „ein Original aus der Steinzeit“, erklärte Krause, der von den Kindern wissen wollte, wie das Loch für den Schaft in den Stein gekommen ist. „Das hat man mit einem Stock aus Holunderholz und Sand als Schleifmittel gebohrt“, erklärte wiederum Andrea ganz fachmännisch und beeindruckte damit Museumschef Krause, der ihr bescheinigte, schon jetzt zur Museumsleiterin zu taugen.

Neben der Axt als ältestem Gegenstand, den der studierte Archäologe Krause den Kindern zeigte, hatte er noch viele weitere Exponate aus dem Museumsinventar dabei. Dort lagern mehr als 50 000 Dinge – vom winzigen Getreidekorn bis zur großen Holzfigur, allesamt Objekte aus der gesamten Geschichte Erdings, bis hin zur Jetztzeit. „Wir sammeln also nicht nur alte Sachen, sondern auch Gegenwartszeugnisse“, erklärte Krause und nannte als Beispiel Parkscheine von heute. „In 50 Jahren sind auch sie wieder alt“, erklärte er.

Doch egal ob alt oder jung: Alle Gegenstände sind mit einer Inventarnummer versehen, unter der die wichtigsten Informationen dazu aufgeführt sind. „Damit dieses Wissen nicht verloren geht, müssen wir diese Daten auch digital sichern“, erklärte Krause, der zu vielen seiner Gegenstände spannende Geschichten zu erzählen hatte.

Zum Beispiel, warum auf der Blechdose für Nudeln ein Deckel ist. „Damit sie nicht schlecht werden“, vermutete ein Mädchen und hatte damit fast recht: Man wollte Schädlinge wie Maden und Mäuse von den kostbaren Lebensmitteln fernhalten. Auch zum Bierkrug hatte Krause eine Anekdote parat. „Früher gab es Bier nicht in Flaschen, sondern nur in der Gaststätte. Also haben die Väter ihre Kinder mit dem Krug zum Bierholen zum Wirt geschickt“, erzählte Krause.

Als die Parkuhr fast abgelaufen war, durften die Studenten noch eine Siemag-Schreibmaschine aus den 1930er Jahren ausprobieren. Krause hatte Zettel mit dem Text „Hier habe ich meinen Namen mit einer uralten Schreibmaschine selbst getippt“ vorbereitet. Ihre Namen schrieben die Kinder voller Eifer selbst.

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