Dennis Koburger in seinem ausgebauten Van.
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Dennis Koburger verwandelt einen leeren Laderaum eines Transporters in eine kleine Wohnung auf Rädern.

Er baut Vans zu Wohnmobilen

Der Camper-Bauer aus Oberbayern: Dennis Koburger ist ein Youtube-Star

  • Uta Künkler
    VonUta Künkler
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Eigentlich wollte Dennis Koburger aus Erding nur einen Transporter zum Camper ausbauen. Mittlerweile filmt er sich beim Werkeln - und kann dank Youtube davon leben.

Erding - Dennis Koburger hockt im Laderaum seines Transporters. Auf seinem Schoß liegt ein isolierter Boiler mit einem Wasserleitungsstutzen an der Stirnseite. Der 25-Jährige überprüft die Anschlüsse am Boiler, das T-Stück, das Sicherheitsventil, den Ablasshahn. Dann zögert er. Einer der Hebel lässt sich nicht drehen. Zu wenig Spiel. „Ach verdammt“, schimpft der Erdinger, „und ich dachte, das wird einfach. Jetzt dauert’s schon wieder viel länger als geplant.“

Seit einem Jahr verbringt der junge Mann jeden Tag hier in seinem Van. Mit viel Liebe zum Detail baut er einen Peugeot Boxer zu einem vollwertigen Campingbus um – mit allem Komfort von Heizung bis Toilette und eben einer Dusche mit Warmwasser.

Transporter zu Campern ausbauen: Aus einem Projekt aus Leidenschaft wird ein Job für Dennis

Das Projekt ist nicht nur seine Leidenschaft, sondern auch so etwas wie sein Job. Der Erdinger schraubt, sägt, klebt und verkabelt in seinem Camper quasi hauptberuflich herum. Er lebt davon. Dabei hatte er nie vor, etwas Handwerkliches zu seinem Beruf zu machen, ist nicht einmal besonders begabt. „Ich hab früher eigentlich nie gewerkelt“, sagt er.

Maßarbeit: Der Erdinger stellt Videos von seinem Ausbau ins Internet – und kann mittlerweile davon leben.

Dennis Koburger ist in die ganze Sache so reingerutscht. Nach seinem Bachelor-Abschluss in Maschinenbau 2019 wollte er mit seiner damaligen Freundin ausgiebig und günstig reisen. Also kaufte sich das Paar einen uralten Ford Transit und baute ihn zu einem fahrenden Zuhause um, samt Bett, Gaskocher und Chemietoilette.

Mit YouTube verdient er genug Geld zum Leben - dabei fand er Campen nie toll

Sie waren damals keine begeisterten Camper. „Ich war das letzte Mal mit zehn Jahren zelten“, erzählt Koburger. Und noch nie hatte er zuvor auch nur eine Nacht in einem Wohnmobil verbracht. Aber es war die günstigste Möglichkeit für die beiden jungen Leute, ein paar Monate auf Reisen zu verbringen.

Also wurde der Transit Baujahr 2008 gekauft und in einen Camper verwandelt – an der Straße und in der Garage der Eltern von Koburgers Freundin, die für die Zeit zur Werkstatt umfunktioniert wird. Während des Umbaus ließ Dennis Koburger immer wieder die Kamera laufen. Eigentlich hatte er sich nach dem Bachelor mit Videografie selbstständig machen wollen, Hochzeitsfilme drehen und vielleicht irgendwann einmal Werbe-Clips. Die Ausrüstung hatte er sich schon zugelegt. Koburgers Kamera zeichnete alles auf, vom ersten Auskleiden des Laderaums bis hin zum Montieren der Küchenzeile.

Transporter wird zum autarken Wohnmobil - und die YouTube-Gemeinde schaut zu

Nach gut drei Monaten Arbeit geht das junge Paar auf Tour. Genießt die neue Freiheit in Frankreich, Spanien, Portugal. Keine einzige Nacht verbringen die beiden auf einem Campingplatz, ihr Bus ist soweit autark. Strom kommt von einer Solaranlage auf dem Dach, Frischwasser aus Kanistern, geduscht wird unter einem Wassersack. Alle paar Tage müssen die Chemie-Toilette geleert und die Wasserkanister aufgefüllt werden. Eine App auf dem Handy informiert die Erdinger über entsprechende Versorgungsstellen in der Nähe.

Aller Anfang ist leer: Dennis Koburger im Laderaum vor dem Umbau.

Dem 1,88 Meter großen Koburger gefällt das neue Nomadenleben, zu eng wird es ihm in keiner Sekunde. „Im Gegenteil, die riesige Küche hätte ich gar nicht gebraucht. Und wenn die Türen weit offenstehen, wirkt alles sehr hell und richtig weit, da kann ich’s perfekt aushalten. Ich liebe das Nomadenleben“, sagt Koburger. Die beiden lernen, sich aufs Wesentliche zu beschränken. Unterm Bett ist ausreichend Stauraum, nicht nur für Campingtisch und Stühle. „Wir hatten zwei Kisten dabei mit Sachen, die wir nicht ein einziges Mal gebraucht haben.“

Das Video vom Ausbau geht viral - Sechs Millionen Menschen sehen es

Unterwegs findet Koburger die Zeit, das Videomaterial zusammenzuschneiden und ins Internet zu stellen. Zu sehen ist der Van-Ausbau im Zeitraffer. Womit er nicht gerechnet hätte: Der 16-Minuten-Film geht viral. Mehr als sechs Millionen Menschen sehen ihn. Quasi über Nacht wird Koburger zum Youtube-Star. Nachrichten aus aller Welt erreichen ihn, Fragen zum Thema Camper-Ausbau an den vermeintlichen Profi, die der junge Mann teilweise gar nicht beantworten kann.

Mittlerweile ist der ehemalige SpVgg-Handballer ein gutes Stück mehr zu dem Profi geworden, den andere in ihm sehen. Corona hatte die Reise des jungen Paars jäh beendet. Seit Juni 2020 ist Koburger aber mit seinem nächsten Projekt beschäftigt, diesmal allein, die Beziehung ging zu Ende. Der Erdinger baut jetzt einen Peugeot Boxer aus, der ist zehn Zentimeter breiter als der Transit. Darum kann man quer drin schlafen gewinnt an Raum.

YouTube-Star aus Erding: Mehr Zeit für Social Media als für den Ausbau selbst

Jetzt, nach einem Jahr Arbeit, ist Koburger mit seinem zweiten Camper-Van fast fertig. Dieses Mal filmt er alle seine Arbeitsschritte und nimmt so genannte Tutorials auf, Erklärvideos für die Ausbau-Community. Diese Clips stellt er regelmäßig ins Internet. Knapp 50 000 Abonnenten folgen Koburgers Youtube-Kanal, Firmen schalten Werbung in seinen Videos, und Koburger erhält Provision für Produkte, die dank seiner Filmchen verkauft werden. Damit verdient der junge Mann mittlerweile sein Geld. „Ich stecke mehr Zeit in die sozialen Medien als in den Ausbau selbst“, sagt Koburger.

Wenn der Peugeot fertig ist, will der Erdinger ihn verkaufen. Schon der Transit ging nach Umbau und monatelangem Urlaub für 14 200 Euro weg. Reingesteckt hatte das Paar alles in allem 12 000 Euro. Diesmal freilich erhofft sich Koburger einen deutlich höheren Gewinn, steckt doch ungleich viel mehr Arbeit in dem Projekt.

Im Herbst will der erfolgreiche Youtuber ein E-Book zum Thema Van-Ausbau schreiben, einen guten Namen hat er sich in der Szene längst gemacht. Für den Winter will er sich vielleicht eine Halle mieten, bisher läuft seine Schrauberei einfach am Straßenrand, während sein Kinderzimmer im Haus der Eltern in Erding als Lager dient. Und dann lockt ihn da noch ein ganz neues Projekt: „Ich würde gerne auf Weltreise gehen, vielleicht in einem Allrad-Jeep mit Dachzelt“, malt sich Koburger aus. Das Zelt wird er dann selbstverständlich wieder selbst bauen – und sich dabei filmen.

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