Tuning-Treffen auf dem Volksfestplatz 

Aufgemotzt, tiefergelegt und blank poliert

Erding – Rund 1000 getunte Autos, deren Karosserien in der Sonne strahlten: Das Tuning-Treffen am Sonntag auf dem Erdinger Volksfestplatz zog die Massen an.

Für gewöhnlich kaufen Autofahrer ein neues Fahrzeug beim Händler ihrer Wahl, statten es gemäß Preisliste aus und sind damit meist sehr zufrieden. Das gilt aber nicht für all jene Fans, die ein besonders individuelles Auto besitzen möchten.

Kaum haben sie ein Auto gekauft – ob neu oder gebraucht – schon wird es optisch und/oder technisch verändert: Tuning heißt dieser Vorgang. Am Sonntag trafen sich auf Einladung des Tuning Clubs Erding rund 1000 solcher Autobesitzer mit ihren fahrbaren Untersätzen auf dem Volksfestplatz.

„Wir sind total überwältigt vom Erfolg unserer Facebook-Einladung“, war Clubchef Christian Brencher überrascht. Kein Wunder, wollten doch die Autoschlangen, die sich über die Anton-Bruckner-Straße zu den beiden Eingängen auf dem Platz wälzten, kein Ende nehmen. „Unsere Entscheidung, beim jetzt dritten Treffen hierher zu gehen, war völlig richtig. Denn woanders hätten wir diese vielen tollen Autos gar nicht präsentieren können“, sagte Brencher. Tatsächlich hatten es der 25-jährige Reiseverkehrskaufmann aus Erding, selbst Besitzer eines mattrot folierten BMW 328i, und sein Team geschafft, alle Autos auf ihre vorgesehenen Plätze einzuweisen. 30 Clubs aus ganz Süddeutschland und sogar aus Österreich hatten sich angemeldet.

Was schließlich an automobilen Schätzen in der Frühlingssonne glänzte, war unglaublich. Natürlich sind in dieser Szene mindestens 200 PS Leistung angesagt. Wer mit seinem Auto darunter liegt, gilt als stark untermotorisiert. Ebenso angesagt ist enormer Sound durch veränderte Auspuff-Anlagen, auch in den Innenräumen vieler Fahrzeuge wummern die Bässe aus Anlagen – groß wie Kühlschränke. Kofferraum bleibt da nicht mehr viel, aber das ist auch nicht wichtig. Nur wer mit seinem gepimpten Auto auffällt, ist cool, dort stehen dann auch die meisten Besucher.

Naturgemäß überwiegen zwar die klassischen Tuning-Objekte wie VW Golf GTI, 3er BMW, diverse Audi und Ford. Doch auch Exoten sind zu entdecken, wie etwa schrill lackierte US-Boliden vom Schlag eines Ford Mustang oder Chevrolet Camaro. Apropos Ami-Schlitten: Am hellblauen Chevy C 10-Pickup von Dominik Frank, 25, aus Rosenheim kam kein Besucher vorbei. Kauert dieses unglaublich lange Vehikel extrem tief auf der Straße, kann aber – zum Fahren etwa – pneumatisch hochgewuchtet werden. „Ich wollte schon immer ein solches Auto haben und habe es selbst aus den Staaten importiert. Zwar bollert hier kein V 8-Motor mehr, sondern ein Sechszylinder von Jaguar, aber 240 PS Leistung reichen mir durchaus“.

Selbst Hand angelegt an seinem VW Golf GTI hat auch Lkw-Fahrer Marcel Hütter (20) aus Innsbruck. „Das Besondere an meinem Auto sind die Flügeltüren. Außerdem habe ich natürlich das Fahrwerk tiefer gelegt und einen anderen Auspuff verbaut. Das Ergebnis jetzt sind immerhin 260 PS.“

Ein ganz anderes Verständnis von Tuning hat Dominic Egger (19) aus Lechbruck im Allgäu. Sein Golf sieht abgewrackt aus, teilweise fehlt der Lack. Auf dem Dachträger transportiert er einen alten Koffer und einen Schlitten, die Sitzbezüge bestehen aus Kartoffelsäcken. „Mir gefällt das, damit falle ich überall auf.“ Auch die Polizei, versichert Egger, habe bisher nur geschmunzelt.

Auch viele Motorradfahrer sind da, lassen die Phonzahl ihrer Auspuffanlagen messen. Der Tagessieger geht mit 122 Dezibel vom Platz. Das ist lauter als ein startender Jet.

Nur einer wirkt überhaupt nicht glücklich, obwohl er das stärkste Auto auf dem Platz hat. Denn fast 800 PS bringt sein Renner auf die Straße, ein mattschwarzer Ferrari 599 GTB. Er dürfte auch mit ehemals 200 000 Euro Neupreis das teuerste Auto hier sein. Doch es hat einen Makel: Es ist nicht getunt. Sein Besitzer merkt’s, packt den Klappstuhl vor seinem Supersportwagen wieder ein und fährt nach Hause. Nach Starnberg – wohin sonst?

Friedbert Holz

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