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Martin Garmaier bekümmert der Hass in der Gesellschaft. 

Aufrüttelnde Silvesterpredigt des Erdinger Stadtpfarrers Martin Garmaier

„Nichts spricht gegen Priesterinnen“

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Erdings Stadtpfarrer Martin Garmaier, seit vier Jahren in der Pfarrei St. Johannes, ist kein Mann Gottes, der ein Blatt vor den Mund nimmt. Seine Silvesterpredigt geriet erneut zu einer Kritik an der verrohenden Gesellschaft, sich radikalisierenden politischen Kräften, aber auch an der eigenen Kirche. Frauen in kirchlichen Ämtern sind für Garmaier kein Problem.

Erding - In der katholischen Kirche nutzen viele Pfarrer die Predigten zum Jahreswechsel für einen persönlichen Jahresrückblick. Vor einem Jahr übte Garmaier so deutliche Kritik, dass einige erbost das Gotteshaus verließen. Doch der Stadtpfarrer will sich weiter einmischen. Auch heuer war seine letzte Predigt im zu Ende gehenden Jahr aufrüttelnd.

Er erinnerte an die Zeit, in der Jesus gelebt habe. Es sei eine Zeit der römischen Besatzung gewesen, in der „die, die Herrschaft inne hatten, dem Volk nicht zu Wohl verholfen haben“. Die Juden seien geduldet, aber nicht ernst genommen worden. „Es gab den innigen Wunsch Isreals, befreit zu werden. Einige ergaben sich, einige versuchten, den römischen Machthabern Einhalt zu gebieten.“

Verbale Gewalt im Schutz der Anonymität im Netz

Die Zerrissenheit der Gesellschaft und das Weltmacht-Streben von Staatenlenkern übertrug Garmaier in die heutige Zeit. Es sei bedenklich, dass 87 Prozent der weiblichen Politiker schon einmal Opfer von Hass geworden seien, der bis zu Morddrohungen reiche. Vor allem die sozialen Medien machte der Stadtpfarrer dafür verantwortlich. „Im Schutz der Anonymität im Netz schlagen sie auf die Menschen ein, ohne Rücksicht darauf, was das aus den Opfern macht.“

Gesellschaftliche und politische Kritik sei gerechtfertigt. „Die Hassparolen von der Straße, aber auch von der AfD und anderen rechten Gruppierungen drohen in Gewalt zu münden.“ Körperliche, aber auch verbale Gewalt ist für Garmaier ein illegitimes Mittel, um seine Interessen durchzusetzen.

Ausländische Tatverdächtige werden instrumentalisiert

Scharf kritisierte der Seelsorger, dass versucht werde, Straftaten zur Belegung eines politischen Standpunktes zu instrumentalisieren – „vor allem dann, wenn es um ausländische Tatverdächtige geht“. Handle es sich um deutsche Täter, werde oft weit weniger hart argumentiert. „Das ist ein gesellschaftlicher Spaltkeil mit zerstörerischer Wirkung“, warnte Garmaier.

Auch in Bezug auf die Europawahl griff Garmaier die AfD an. Bei ihr wisse er nicht immer, ob sie sich am Aufbau, oder doch eher an der Zerstörung des gemeinsamen Hauses Europa beteiligen wolle. Es werde mittlerweile oft vergessen, dass die Europäische Gemeinschaft für die längste Friedensperiode in der Geschichte gesorgt habe.

AfD bereitet dem Seelsorger Sorgen

Sorge bereitet Garmaier, dass in Ostdeutschland die AfD vereinzelt zweitstärkste politische Kraft in den Ländern sei. Scharf verurteilte er rechtsextremistischen Terror wie gegen Moscheen oder die Synagoge in Halle. Dabei erinnerte er auch an den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke durch einen Rechtsradikalen – „und das, weil er sich für Schwache, nämlich Flüchtlinge eingesetzt hat“.

In der Klimaschutzdebatte nahm Garmaier Greta Thunberg in Schutz. Sie und die junge Generation führten der Welt vor Augen, „dass es viertel vor Zwölf ist, wenn es darum geht, auf die Natur zu achten“. Er gab zu: „Wir leben über unsere Verhältnisse.“ Es sei unstreitig, dass viele Naturkatastrophen menschengemacht seien, „und dennoch gibt es immer noch Politiker, denen das egal ist“, so der Stadtpfarrer.

Was spricht gegen Öffnung der Kirche für Frauen? Nichts!

Auch mit der eigenen Kirche setzte er sich kritisch auseinander. Einerseits würdigte er das Bemühen von Papst Franziskus I. um Reformen. Andererseits kritisierte er die Widerstände, die katholische Kirche für Frauen zu öffnen. Er selbst hätte damit kein Problem – weder mit Diakoninnen noch mit Pfarrerinnen. „Nichts spricht gegen Priesterinnen. Ich kenne keine Gründe, weder dogmatische noch im Glauben begründete.

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