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Auf 126 Jahre Wirtshaustradition kann der Mayr-Wirt zurückblicken. Am 31. Dezember gehen dort die Lichter aus. Pächter Andreas Mayr schmerzt der Abschied, auch wenn an gleicher Stelle wieder ein Gasthaus gebaut werden soll.

Traditionsgasthaus an der Haager Strasse  in Erding

Mayr-Wirt: Silvester ist Schluss

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Erding - Jetzt ist es amtlich: Der Mayr-Wirt, Erdinger Traditionsgasthaus seit 126 Jahren, schließt zum Jahresende. Die Stadt hat den Pachtvertrag mit Andi Mayr gekündigt. Die Gebäude sollen abgerissen und neu aufgebaut werden. Auch das BRK-Schatzkastl muss sich eine neue Bleibe suchen.

Es wird ein trauriger Jahreswechsel beim Mayr-Wirt. Denn am 31. Dezember geht seine Ära zu Ende. Die Stadt hat den Pachtvertrag mit Andreas Mayr zum Jahresende gekündigt. Das an sich ist keine Überraschung, schließlich plant die Stadt als Eigentümerin den Abriss und Neubau der Gebäude – inklusive einer Wirtschaft. So steht es im Stadtratsbeschluss.Wie lange das allerdings dauern wird, ist ungewiss.

„Die Frage, wie lange hier kein Wirtshaus ist, kann ich nicht beantworten“, sagt Mayr. Der 53-Jährige war einst Inhaber der Gaststätte samt Hotel. Im Jahr 2009 hat er beides an die Stadt verkauft. Seither ist er Pächter. Das Hotel ist seit 1. Juli 2016 geschlossen – aus Gründen des Brandschutzes. Für die Gaststätte wurde der Pachtvertrag wiederholt verlängert. Jetzt kam die Kündigung. „Das ist endgültig“, sagt Mayr. Er betont, dass der Betrieb bis Jahresende „in bewährter Qualität weitergeht“.

Mit einem Weißwurstfrühstück, „das sich durchaus bis in den späten Nachmittag hineinziehen kann“, will Mayr den letzten Tag der Traditionsgaststätte begehen – gemeinsam mit treuen Gästen und Vereinen, die hier seit Jahrzehnten ihr Stammlokal haben. Einige von ihnen, etwa der Seemannschor, die Liedertafel oder die Freunde der Stadt Erding, haben bereits Abschiedsfeste angekündigt. Der Ardinger Dreigsang plant für Oktober noch einen Hoagarten. Auch ehemalige Mitarbeiter der F.X.-Mayr-Fleischwarenfabrik wollen nochmal zusammenkommen.

Wohin es die 70 Stammtische und 25 Vereine, die sich seit Jahren regelmäßig im Mayr-Wirt treffen, verschlägt, ist offen. Die Trachtler von Edelweiß Stamm Erding haben beim Lindenwirt eine neue Heimat gefunden. Den Königlich-Privilegierten Feuerschützen gewähren die Wildschützen Kehr beim Ganser Unterschlupf – „bis der neue Schießstand im Neubau fertig ist“, betont Mayr und kündigt an: Auch als Pächter für den neuen Mayr-Wirt „werde ich meinen Hut wieder in den Ring werfen“. Bis dahin wird noch einige Zeit vergehen.

„Wir haben jetzt Fakten geschaffen. Damit ist es auch für den Mayr-Wirt keine Hängepartie mehr“, sagt Oberbürgermeister Max Gotz zur Kündigung. Dass das automatisch den Abriss der Gebäude im nächsten Jahr bedeutet, will der OB nicht vorhersagen. Nur so viel: „Es wird über den Herbst hoffentlich noch einiges passieren.“ Der Stadtrat habe ihm das Mandat gegeben, sich für die Umsetzung der Abriss- und Neubaupläne einen Partner zu suchen, der die Stadtinteressen berücksichtige. „Wenn’s nach mir geht, schaffen wir 2018 die Voraussetzung dafür. Es kann aber schon sein, dass das Haus eine Zeit lang leer steht.“ Als Erstes werde der Stadtrat den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan fassen.

Gotz betont: „Eine Wirtschaft muss wieder her – gerade für die Stammtische. Die Haager Straße braucht Frequenz, und ein Wirtshaus ist ein wichtiger Anlaufpunkt.“

Eine neue Bleibe muss sich auch das BRK-Schatzkastl suchen, in dem das Rote Kreuz seit April 2014 Bekleidung für Erwachsene und Kinder, Schuhe, Accessoires sowie Kinderspielzeug – alles gespendet – verkauft. Das BRK sucht gut 100 Quadrameter „in ähnlich zentraler Lage“, so Sprecherin Danuta Pfanzelt.

Wenn an Silvester die Lichter ausgegangen sind, bleibt Andi Mayr noch Zeit zum Abrechnen und Ausräumen. Die aktuell 15 Mitarbeiter, darunter drei festangestellte Köche, werden keine Schwierigkeiten haben, einen neuen Job in der Gastronomie zu finden. Da haben schon Kollegen in Erding angefragt.

Auch die zahlreichen Hiasl-Maier-Gemälde im Mayr-Wirt müssen übergangsweise irgendwo unterkommen. „Die Bilder gehören den Familien Mayr und Kummer“, sagt Mayr. Es gebe schon eine Anfrage der Stadt, „ob wir sie später wieder zur Verfügung stellen“. Bis dahin kann er sich eine Sonderausstellung im Museum vorstellen.

Ein bisserl schwer wird dem 53-Jährigen schon ums Herz, wenn er an die nächsten Monate denkt. „Es ist in gewisser Weise ein Lebenswerk, das man aufgebaut hat. Und es schmerzt schon, wenn’s heißt, des war’s jetzt.“

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