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Trübe Stimmung beim Motorsportclub. Trotz Appells von OB Max Gotz (am Pult) fand sich kein neuer Vorstand. Dafür marschiert nun der Staatsanwalt ein.

Außerordentliche Mitgliederversammlung 

Motorsportclub: Auflösung vertagt, fingierte Belege gefunden

Der Rettungsversuch des Automobil- und Motorsportclubs Erding im ADAC (AMC) ist nur zum Teil gelungen. Die Auflösung mangels neuen Vorstands ist nur vertagt.

Erding Immerhin, die Kassenbücher sind wieder da. Aber: Es sind Unregelmäßigkeiten gefunden worden. Der Verein wird ein Fall für die Staatsanwaltschaft.

Nach den Turbulenzen in der Mitgliederversammlung im März hatte der AMC am Freitag zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Einziger Tagespunkt war die Neuwahl des Vorstands oder die Auflösung. 64 Mitglieder waren gekommen und zeigten damit, dass sie um den Fortbestand des Vereins kämpfen wollen. Dies kam auch in der Abstimmung über die Auflösung zum Ausdruck: 32 Ja-, 28 Nein-Stimmen und vier Enthaltungen verhinderten schließlich das Aus. Die Rettung ist das aber noch nicht.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte OB Max Gotz auf die verschiedenen Veranstaltungen des AMC hingewiesen, die aus dem Erdinger Stadtleben nicht wegzudenken seien, vor allem die Seniorenausfahrt Goldenes Herz. Er fand Worte der Wertschätzung für das Vergangene. „Die Auflösung des AMC würde das soziale Leben der Stadt gewaltig ärmer machen.“ Gotz plädierte dafür, den Verein am Leben zu halten.

Revisor Klaus Riedl konnte überraschend verkünden, dass inzwischen die fehlenden 13 Kassenordner gefunden und dem Vorsitzenden Fritz Martinetz übergeben worden seien. Die Prüfung der vergangenen drei Jahre, an der viele Personen mitgewirkt hätten, konnte somit erfolgen.

Dabei, so Martinetz, wurden Unregelmäßigkeiten durch fingierte beziehungsweise mehrmals verwendete Belege festgestellt. Die Folge: ein gewaltiger Fehlbetrag in der Kasse. Bei der Aufdeckung hätten unter anderem betroffene Firmen mitgewirkt, „so dass die Manipulationen belegbar sind“. Der Vorstand wird nun diese Unterlagen mit allen verfügbaren Zahlen an die Staatsanwaltschaft übergeben, kündigte der Vorsitzende an.

Die Enttäuschung, aber auch das Entsetzen über diese Machenschaften ließ die Mitglieder verstummen. Viele konnten es nicht glauben, dass sie sich so in einem Menschen getäuscht hatten. Noch ist aber nicht zu sagen, ob sich der inzwischen verstorbene Kassier persönlich bereichert hat.

Riedl versuchte, eine neue Vereinsspitze zusammenzustellen. Dabei kam es zu heißen Debatten. So wurde die nicht erfolgte Nachwuchsgewinnung kritisiert. Es wurde diskutiert, ob der Verein etwas für junge Menschen anbieten solle, oder zuerst junge Menschen anwerben solle, um diese dann selbst entscheiden zu lassen.

Marianne Jorum erinnerte an ein Motorrad-Turnier, bei dem nicht ein Junger den Parcours genutzt habe. Sie stellte frustriert fest, „dass die Jugend sich nicht für den AMC interessiert“. Ihr Fazit: „Wir sind ein Seniorenclub.“. Jorum vermittelte den Anwesenden erneut die arbeitsintensiven Vorbereitungen für die Veranstaltungen und Ausfahrten.

Der derzeitige Vorstand sieht sich aus gesundheitlichen und Altersgründen nicht mehr in der Lage weiterzumachen. Ein weiteres Vorstandsmitglied zieht weg.

Eine Entlastung war bisher nicht erfolgt, eine neue Spitze könne trotzdem gewählt werden und die Arbeit aufnehmen, hieß es in der Versammlung. Schließlich sagte Karlheinz Ruhland zu, den Posten des Schriftführers zu übernehmen. Doch es gab keinerlei Meldungen für die Besetzung der drei Vorstände und des Beirats.

Nachdem bereits im März der Antrag auf Auflösung des Vereins gestellt worden war, erfolgte eine schriftliche Wahl. Da die Zwei-Drittel-Mehrheit nicht erreicht wurde, ist eine Auflösung derzeit nicht möglich.

Riedl betonte, dass nun die Mitglieder gefordert seien, sich bis Ende des Jahres mit der Bildung eines neuen Vorstands zu beschäftigen. Denn Ende 2017 läuft die Amtszeit aus.

Auch wenn die Auflösung erst 2018 erfolgen kann, werden im nächsten Jahr keine Veranstaltungen oder Ausflüge mehr stattfinden. Dennoch besteht weiter Beitragspflicht.

Elvi Reichert

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