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Begutachten die stattliche Müllsammlung aus den Alpen (v. l.): Antje Wenzel (DAV), Museumsleiter Harald Krause, Evi Döllel (DAV), Elisabeth Boxberger (stellvertretende Leiterin Museum), Constanze Klotz (DAV), MdL Ulrike Scharf und Alpenkranzl-Vorsitzender Hermann Schießl.

Ausstellung des Alpenvereins 

Museum als Müllkippe

Kaum wiederzuerkennen ist das Museum Erding. Im Foyer türmt sich der Müll. Und der stammt nicht einmal von hier, sondern aus den Bergen. Der Alpenverein zeigt die Ausstellung „Neobiota“.

Erding Als Neobiota werden fremde Arten bezeichnet, die mit Hilfe des Menschen in einen Siedlungsraum gelangen, in denen sie ursprünglich nicht vorkamen. Auch die in freier Natur immer öfter anzutreffenden Müllarten fallen unter diesen Begriff.

Die Alpenvereinssektion Alpenkranzl Erding zeigt anlässlich ihres 95. Geburtstags eine Wanderausstellung, in der die Thematik Müllvermeidung auf originelle und humorvolle Weise im Fokus steht. So sind die in den Bergen häufig anzutreffenden tibetanischen Gebetsfahnen hier mit kleinen Plastiksäckchen ergänzt, in denen Bonbonpapiere oder Kronkorken stecken.

Die Gebirgsmüllforscher des Südtiroler Alpenvereins, die diese Ausstellung erstellt haben, zeigen auf Schautafeln die Verbreitung und Lebensdauer der neuen Spezies. So ist der „Fusulus nicotianus“ (landläufig als Zigarette bekannt) eine der am häufigsten anzutreffenden neuen Arten, sein Lebensraum ist meist das Umfeld von Ruhebänken, seine Lebensdauer beträgt etwa zehn Jahre. Sogar bis zu 4000 Jahre alt kann die „Lagona Vitrea“ (Glasflasche) an ihrem Fundort überleben.

Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf, die selbst Mitglied beim Erdinger Alpenkranzl ist, fand lobende Worte für die gelungene Ausstellung, „die ohne den mahnenden Zeigefinger die Besucher sensibilisiert“ für die Umweltverschmutzung durch den Menschen. „Wenn pro Tag 5000 Besucher auf die Zugspitze kommen und dort ihren Abfall hinterlassen, ersetzt bald der Abfallblick das Gipfelglück“, bedauerte die frühere Umweltministerin.

Doch nicht nur in den Bergen, auch beim Joggen in ihrem idyllischen Heimatort Maria Thalheim trifft Scharf überall auf die neuen Müllspezies, berichtete sie und rief zu mehr Achtsamkeit für die Natur auf. Beeindruckt zeigte sie sich bei der Präsentation einer Auswahl von eingesammeltem Müll von der diesjährigen Ramadama-Aktion in Erding. Hier konnten die fleißigen Helfer neben Flaschen, Dosen, Plastiktüten und Zigarettenschachteln sogar ein Paar Ski sicherstellen.

Das Anne-Frank-Gymnasium beteiligt sich an der Ausstellung mit einem Fotowettbewerb, bei dem noch bis zum 20. April Bilder zum Thema Umwelt eingesendet werden können.

Auf spielerische Weise können Kinder im Museum das Thema Müllvermeidung angehen und in einem „MüllMemory“ die unerwünschten Spezies zusammensuchen. Fingerspitzengefühl ist beim Blindfühlen gefragt, bei dem die gängigsten Müllarten ertastet und erraten werden sollen.

Constanze Klotz, ehemalige Umweltreferentin des Alpenkranzl (jetzt Ausbildungsreferentin), hat die Ausstellung mit viel Engagement nach Erding geholt und hofft auf zahlreiche Besucher – besonders von Kindern und Schulklassen: „Schon die Kleinsten sollten an den achtsamen Umgang mit der Natur herangeführt werden, damit wir am Ende nicht nur noch Müllberge haben.“ Zum guten Gelingen der Ausstellung trägt auch das Museum Erding mit seinem Leiter Harald Krause bei.

Die Ausstellung

„Neobiota“ im Museum Erding ist noch bis zum Sonntag, 6. Mai zu sehen. Führungen durch die Ausstellung sind am Donnerstag, 19. April, um 20 Uhr und am Sonntag, 29. April, um 13 Uhr sowie Samstag, 5. Mai, um 15 Uhr. Für Familien mit Kindern findet am Mittwoch, 25. April, und Freitag, 4. Mai, jeweils von 14 bis 17 Uhr ein Bastelnachmittag statt. Peter Gebel

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